BAZENHEID: Einwohner als Pioniere geadelt

Seit Oktober werden die ersten Kunden mit Fernwärme des neu erstellten Netzes beliefert. Die Bezüger machten sich am Dienstag ein Bild davon, wie die Energie transportiert wird.

Beat Lanzendorfer
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Treibende Kräfte bei der Umsetzung des Fernwärmenetzes, von links: Felix Forster, Präsident Dorfkorporation Bazenheid, Andreas Jossi, Geschäftsführer Regionalwerk RWT, und Claudio Bianculli, Geschäftsführer Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB).

Treibende Kräfte bei der Umsetzung des Fernwärmenetzes, von links: Felix Forster, Präsident Dorfkorporation Bazenheid, Andreas Jossi, Geschäftsführer Regionalwerk RWT, und Claudio Bianculli, Geschäftsführer Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB).

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

An Claudio Bianculli, Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallverwertung Bazenheid (ZAB), war es, die ersten Kunden im Sitzungszimmer des ZAB zu begrüssen. Für ihn war der Bau des Fernwärmenetzes die Umsetzung einer Vision. «Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz, einer meiner Nachbarn an meinem Wohnort in Herisau, hat seine Vorstellung von Visionen so umschrieben»: Bei Visionen muss man den Mut haben, auch an das Undenkbare zu denken. Mutige Visionen, wirken sie im ersten Moment noch so abstrus, laut aussprechen, diskutieren, abwägen, anpassen und schliesslich einen Weg finden, der an die Ursprungsidee, die vielleicht zu weit ging, angelehnt ist. Für Felix Forster, Präsident der Dorfkorporation Bazenheid, und Andreas Jossi, Geschäftsführer Regionalwerk Toggenburg (RWT), kommen jene Einwohner, die sich von Anfang an zur Fernwärme bekannten, Pionieren gleich. Dazu Forster: «Ein Pionier ist jemand, der auf seinem Gebiet bahnbrechend ist. Ich zähle euch dazu.»

Die ersten 33 Wärmebezüger ans Netz angehängt

Nachdem eine in den Jahren 2013/14 erstellte Machbarkeitsstudie aufgezeigt hatte, dass ein Fernwärmenetz vom Energiepark des ZAB ins Dorf Bazenheid und in die Stadt Wil ökologisch wertvoll und technisch sowie wirtschaftlich machbar ist, wurde zur Begleitung und Umsetzung des Projekts die Interessengemeinschaft Fernwärme Kirchberg-Wil gegründet. Der Interessengemeinschaft Fernwärme Kirchberg-Wil gehören Vertreter der Stadt Wil, der Technischen Betriebe Wil, von rwt Regionalwerk Toggenburg AG, der Dorfkorporation Bazenheid, der Gemeinde Kirchberg sowie des ZAB an. Im letzten Oktober, also gut drei Jahre später, konnte die erste Etappe des Fernwärmenetzes in Bazenheid durch den Netzbetreiber rwt und den Wärmelieferanten ZAB zusammen mit den ersten Kunden erfolgreich in Betrieb genommen werden. Die erste Netzetappe verläuft ab dem Energiepark Bazenheid des ZAB über Unterbazenheid bis zum Ifang. In Anlehnung an die Eröffnung des Netzes wurden am letzten Dienstag die Kunden sowie die beteiligten Projektplaner eingeladen, das Fernwärmenetz zu besichtigen. Im Zentrum standen dabei die Energieerzeugungsanlagen des ZAB sowie die Fernwärmeinstallationen im Mehrzweckgebäude Ifang.

Nach wie vor stösst das Projekt in Bazenheid auf ein sehr positives Interesse. Bereits laufen beim Regionalwerk Toggenburg die Planungsarbeiten für die zweite Etappe in den Raum Richtung Bahnhof. Genügend gesicherte Wärmekunden vorausgesetzt, soll die Umsetzung schon im kommenden Jahr erfolgen.

In Kirchberg wird die Wirtschaftlichkeit abgeklärt

Auch für das Netz Kirchberg sind erste Planungsarbeiten durch das Regionalwerk Toggenburg aufgenommen worden. Interessant sind dabei vor allem mögliche Grossbezüger, öffentliche Bauten wie Schulhäuser, das Haus für Betagte oder Neubauten wie die mögliche Zentrumsüberbauung. Bevor in diesem Bereich Ausführungsentscheide gefällt werden können, muss die Wirtschaftlichkeit im Detail geprüft werden.

Für die Stadt Wil stellt eine Fernwärmeversorgung ab dem Energiepark Bazenheid einen wichtigen Pfeiler für eine sichere, wirtschaftliche und ökologische Wärmeversorgung dar.

Im kommunalen Energiekonzept 2017 ist vorgesehen, bis zum Jahr 2050 einen Wärme-Energiebedarf von rund 70 000 MWh/a durch KVA-Wärme zu decken. Für das Fernwärmeprojekt wird dem Stadtparlament im Rahmen des Budgets 2018 der Technischen Betriebe Wil ein Projektierungskredit von 1,3 Millionen Franken beantragt. Damit verbunden werden Vorprojekt-, Bauprojekt- und Bewilligungsverfahren, Auflageprojekt sowie der politische Prozess (Volksabstimmung) erstellt.

Einig waren sich am Ende alle: Nach Erstellung der Machbarkeitsstudie in den Jahren 2013 und 2014 wurde daraufhin in Bazenheid in Rekordtempo ein Fernwärmenetz realisiert, auch wenn Unternehmer Fritz Rutz, der erste Pionier, schon vor einem Vierteljahrhundert Visionen in diese Richtung hatte.