BAUTEN: Wohnungsmarkt wird analysiert

Erschwinglicher Wohnraum wird in Wil zunehmend rar. Das Stadtparlament hat nun einen Kredit für die Erarbeitung einer Studie gesprochen. Postulant Kilian Meyer fordert, über den Stadtrand hinaus zu schauen.

Philipp Haag
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Auf dem Zeughausareal in Wil soll dereinst Wohnraum zu erschwinglichen Preisen entstehen. (Bild: Philipp Haag)

Auf dem Zeughausareal in Wil soll dereinst Wohnraum zu erschwinglichen Preisen entstehen. (Bild: Philipp Haag)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung .ch

Er sass bei sich zu Hause in Schaffhausen, als er die gute Nachricht erhielt. Noch während der Parlamentssitzung vom vergangenen Donnerstag empfing Kilian Meyer eine Whatsapp-Nachricht, dass sein Postulat «Für mehr bezahlbaren Wohnraum» an den Stadtrat überwiesen worden sei. «Es ist mein wichtigster Vorstoss, den ich in den vier Jahren im Parlament eingereicht habe, derjenige mit der langfristigsten Wirkung», sagt Meyer. Er ist nicht mehr Mitglied der Wiler Legislative, da er seit Anfang Jahr als Richter in Schaffhausen tätig ist. Trotzdem verfolgt er aus der Distanz, was an seinem ehemaligen Wohnort auf der politischen Bühne vor sich geht. Er sei sich nicht sicher gewesen, ob das Parlament sich hinter das Postulat stelle, sagt er. Dementsprechend ist seine Freude gross über das Ergebnis.

Auf dem Weg zur Wohnungsnotstadt

Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben nicht nur den Vorstoss als erheblich erklärt, sie haben auch einen Kredit von 35000 Franken für die Ausarbeitung einer Studie genehmigt. Für Meyer macht es Sinn, die Situation vertieft zu prüfen. Denn für den ehemaligen Wiler SP-Parlamentarier ist die Stadt auf dem Weg, zu einer «Wohnungsnotstadt» zu werden. Bezahlbarer Wohnraum wird zunehmend rar, vor allem für Familien mit geringem Einkommen. «Der Stadtrat beobachtet die Entwicklung auf dem Wiler Wohnungsmarkt mit Besorgnis», sagt Stadtrat Daniel Stutz, neuer Vorsteher des städtischen Baudepartements. Es sei eine Tatsache, dass Familien aus Wil wegzögen, weil sie in der Stadt keinen geeigneten und erschwinglichen Wohnraum fänden. Der Bedarf nach bezahlbaren Wohnungen sei vorhanden. Ad-hoc-Massnahmen erachtet Stutz allerdings als nicht ziel­gerichtet. «Eine vollständige Datenlage und fundierte Analyse ist notwendig», sagt Stutz. Der Überblick dient als Basis für kommunale Massnahmen und die künftige Wohnungsmarktpolitik des Stadtrats.

Meyer erwartet, dass der Stadtrat nicht einfach eine Auslegeordnung des Istzustands präsentiert, sondern über den Stadtrand hinaus schaut «und abklärt, wie andere Städte und Gemeinden das Problem lösen». Einen ersten Schritt hat der Stadtrat bereits im Sinn. Bei der Bebauung des Zeughausareals soll das Anbieten von bezahlbarem Wohnraum eine zentrale Rolle spielen.