Bauten müssen abgerissen werden

OBERGLATT. Der Abhang auf dem Grundstück von Karl Anderau in Oberglatt gerät immer wieder ins Rutschen. Sein Gartenhaus und der Schuppen drohen in die Glatt zu stürzen. Nun hat ihm die Gemeinde Auflagen gemacht.

Melanie Graf
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Mit dem Entfernen der Bauten soll der Druck auf die obere Kante der Böschung reduziert werden. (Bild: Melanie Graf)

Mit dem Entfernen der Bauten soll der Druck auf die obere Kante der Böschung reduziert werden. (Bild: Melanie Graf)

Karl Anderaus Schuppen und das Gartenhäuschen stehen direkt vor einem rund sieben Meter hohen Abgrund. Seit Jahren schon rutscht die Erde an dieser Stelle in die Glatt (Wiler Zeitung vom 22. Mai 2014). Kürzlich trafen sich Vertreter der Gemeinde und des Kantons auf dem Grundstück, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

300jähriger Schopf

«Sie haben mir Auflagen gemacht», erzählt Anderau nach dem Treffen. Er müsse den Schuppen und das Gartenhäuschen bis Ende April zurückbauen lassen. Anderau sträubt sich dagegen. Der Schopf sei 300 Jahre alt, sagt er. Er finde es schade, ihn abreissen zu lassen. Und die Gemeinde wolle sich auch nicht finanziell beteiligen, zeigt er sich enttäuscht. «Ich werde nach Möglichkeit einen Experten zu Rate ziehen.» Er sehe aber ein, dass er den Gerümpel, der beim vergangenen Rutsch in die Glatt gefallen sei, entfernen müsse. Zwei Wochen bleiben ihm dafür. Die Verfügung ist rechtskräftig.

Böschung entlasten

Das bestätigt René Bruderer, Bereichsleiter Bau und Umwelt der Gemeinde Flawil. Das Treffen, den Augenschein vor Ort und die Diskussion darüber, was gemacht werden müsse, erlebte er konstruktiv. Die Bauten stünden in der Grünzone «Schutz». In den im Zonenplan mit «Schutz S» bezeichneten Grünzonen sind keine oberirdischen Bauten und Anlagen zulässig. Es handle sich nicht um Baugebiet, der Abstand von Bauten zu Gewässern müssen 20 Meter betragen.

Kein finanzieller Zustupf

Um zu verhindern, dass der Hang nicht noch weiter abrutscht, sollten die Bauten entfernt werden. Damit werde der Druck, den die Gebäulichkeiten auf die obere Kante der Böschung ausüben, reduziert. Weiter müsse die Böschung abgeflacht und, beispielsweise mit Weiden, bepflanzt werden. «Das Wurzelwerk stabilisiert den Hang», sagt Bruderer. Dafür habe der Grundstückbesitzer bis Ende April 2015 Zeit. Die Vereinbarungen seien einvernehmlich getroffen worden und werde dem Liegenschaftsbesitzer noch schriftlich zugestellt, ergänzt er. «Finanziell kann die Gemeinde Karl Anderau nicht unter die Arme greifen, aber die Bauverwaltung und die zuständigen kantonalen Behörden können ihm mit Ratschlägen zur Seite stehen.» Bruderer sieht aber noch eine weitere Möglichkeit, Karl Anderau zu unterstützen: Das Aufforsten könne beispielsweise einer Forstschule zu Übungszwecken überlassen werden.

Nicht Polizei spielen

Was den 300jährigen Schopf betreffe, habe man festgestellt, dass dieser nicht schützenswert sei. Um den angrenzenden Platz zu erhalten und die Böschung abtragen zu können, sei es ein notwendiges Übel, dass die Bauten abgebrochen werden, sagt der Bauverwalter. Die besagten Bauten stehen schon seit Jahrzehnten an dieser Stelle. Als Karl Anderau das Grundstück vor 40 Jahren erwarb, war die Böschung zur Glatt auf einer Breite von mehr als fünf Metern bewaldet. Der Schuppen und das Gartenhaus stehen seitdem unbewilligt an ihrem Platz. «Wir spielen nicht Polizei und suchen die Gemeinde nicht nach unbewilligten Bauten ab», sagt Bruderer. Aber im Zusammenhang mit dem Rutsch bzw. der Hangsanierung bestand jetzt Handlungsbedarf.