Baustop beim Schandfleck

MÜNCHWILEN. Als Handwerker das Dach des baufälligen Restaurants Engel in Münchwilen decken wollten, bremste sie die Gemeinde. Das Architekturbüro hatte nicht mit dem Denkmalschutz geredet. Wann weitergearbeitet wird, ist derzeit völlig offen.

Tanja von Arx
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Die Bauarbeiten am Restaurant Engel beim Bahnhof Münchwilen mussten unterbrochen werden. (Bild: Donato Caspari)

Die Bauarbeiten am Restaurant Engel beim Bahnhof Münchwilen mussten unterbrochen werden. (Bild: Donato Caspari)

Die Ziegel sind zwar auf dem Dach, eingesetzt wurden sie aber noch nicht. Das, weil das Amt für Bau und Umwelt Münchwilen sofortig über einen Baustop am sanierungsbedürftigen Restaurant Engel im Dorfzentrum verfügte.

Man habe bei «einem Augenschein» festgestellt, dass die verwendeten Ziegel nicht dem historischen Altbau angepasst waren, teilte Gemeindeschreiber Daniel Peluso vorgestern abend mit. Denn der «Engel» ist denkmalgeschützt. Wie sich das genau abgespielt hat, darauf will die Gemeinde nicht näher eingehen. «Es wurde festgestellt», sagt Gregor Kretz, Leiter des Amts für Bau und Umwelt, knapp. Das sei vergangenen Donnerstag gewesen, am Freitag habe man den Stop verhängt.

Nicht nur Ziegel, auch Balken

«Die Bauherrschaft hatte es versäumt, vor Beginn der Dachdeckerarbeiten mit der kantonalen Denkmalpflege die Ziegelart abzusprechen», sagt Peluso. Zuständig ist das Architekturbüro Walser in Niederwil. Inhaber Paul Walser war gestern für unsere Zeitung nicht erreichbar. Das Architekturbüro habe es zudem unterlassen, die Gemeindebehörde und die kantonale Denkmalpflege darüber zu orientieren, auch das Dachgebälk erneuern zu wollen. Die Auflagen der 2013 erteilten Baubewilligung habe das Unternehmen so nicht eingehalten, sagt der Gemeindeschreiber.

«Die Handwerker haben einfach mit den Bauarbeiten angefangen», sagt Ruedi Elser vom Thurgauer Amt für Denkmalpflege. «In der Auflage stand aber, dass vor Baubeginn ein Restaurierungskonzept eingereicht werden muss.» Beim «Engel» handelt es sich um ein «Schutzobjekt als Ganzes», sagt Kretz dazu. Nebst Ziegel und Gebälk umfasse das «den gesamten Dachstock, so auch die Fassade oder die Innenwände». Das Konzept müsse alle diese Aspekte berücksichtigen. Denkmalpfleger Elser sagt zu den angefangenen Dackdeckerarbeiten: «Das Vorgehen ist, pointiert gesagt, ungesetzlich.»

Schon vorher Einsprachen

Pikant ist der Umstand auch deshalb, weil die Restauration des «Engels» eine längere Vorgeschichte wegen Einsprachen hat. Den «Schandfleck» im Dorf – der vordere Teil des Restaurants und der Stall im hinteren Bereich zerfielen und waren nicht mehr bewohnbar – wollte man zwar auffrischen, uneins war man sich aber von Beginn weg, wie das zu geschehen habe.

Der Thurgauer Heimatschutz befand Ende 2012, dass das Bauvorhaben, welches das Architekturbüro Walser eingegeben hatte, nicht ins Ortsbild passt. Heimatschutz und Gemeinde trafen sich daraufhin am runden Tisch. «Es macht keinen Sinn, wenn ein Gebäude im Dorf steht, das zwar geschützt, aber nicht brauchbar ist», sagte Gemeindeammann Guido Grütter damals. Der Heimatschutz zog die Einsprache zuletzt zurück.

Vorgängig wehrten sich ausserdem der Münchwiler Kantonsrat Toni Kappeler und sein Mitstreiter Uli Bohnenblust mit einer Petition, wonach der Charakter des Gebäudes zu erhalten sei. Die Männer sammelten 41 Unterschriften gegen die Baupläne. Der Umbau degradiere das Restaurant und mache es zu einem Anhängsel, sagte Kappeler damals.

Verzug nicht klar

Wie lange sich die Sanierung durch den Baustop verzögert, weiss Amtsleiter Kretz nicht. Auch zu den Kosten äussert er sich nicht. «Ich will und kann nichts dazu sagen.» Vorgestern haben sich Vertreter von Gemeinde und Denkmalpflege getroffen, um das Restaurant zu inspizieren und das «weitere Vorgehen zu besprechen», sagt Kretz. Nun wartet die Baukommission auf eine Empfehlung der Denkmalpflege. Anhand derer entscheidet sie, wie und gar ob sie mit den Arbeiten fortfahren will. «Der Baustop wird aufgehoben, sobald Gewähr dafür geboten wird, die baulichen Auflagen der kantonalen Denkmalpflege umzusetzen», sagt der Münchwiler Gemeindeschreiber Daniel Peluso.

Gregor Kretz Leiter Amt für Bau und Umwelt Münchwilen (Bild: pd)

Gregor Kretz Leiter Amt für Bau und Umwelt Münchwilen (Bild: pd)