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Bauprojekt am Bahnhof Süd sorgt für Unverständnis

Seit 2012 versucht die Stadt Wil am Bahnhof Süd bauliche Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit umzusetzen. Ohne Erfolg. Denn eine Anwohnerin der Säntisstrasse leistet Widerstand.
Claudio Weder
Die Säntisstrasse soll bereits ab der Verzweigung Hubstrasse als Einbahnstrasse geführt werden. Anwohner der Säntisstrasse wehren sich jedoch dagegen. (Bild: Claudio Weder)

Die Säntisstrasse soll bereits ab der Verzweigung Hubstrasse als Einbahnstrasse geführt werden. Anwohner der Säntisstrasse wehren sich jedoch dagegen. (Bild: Claudio Weder)

Der südlich des Bahnhofs gelegene Verkehrsknoten Hubstrasse/Säntisstrasse hat ein erhebliches Sicherheitsproblem. Das sagt zumindest eine Verkehrssicherheitsstudie aus dem Jahr 2012. Kritisch sei die Verkehrssicherheit nicht nur beim Aufgang der SBB-Unterführung und im Bereich der Postparkplätze, sondern insbesondere im Bereich des Fussgängerstreifens an der Hub­strasse, so die Ergebnisse.

«Hauptproblem an diesem Fussgängerübergang ist die Kombination von Fussgängerstreifen ohne Mittelschutzinsel und Bushaltestelle», schreibt der Stadtrat in einem Protokollauszug vom April 2014. «Steht der Bus an der Haltestelle Bahnhof Süd, so ergeben sich gefährliche Situationen, wenn vor oder hinter dem wartenden Bus gequert wird.» Als Querungsschutz für die Zufussgehenden soll der Fussgängerstreifen an der Hubstrasse deshalb mit einer Mittelschutzinsel versehen werden.

Eine weitere Massnahme betrifft die Verkehrsführung: Die Säntisstrasse ist, von der Hubstrasse her kommend, aktuell erst ab Höhe der «Sein Lounge» bzw. der SBB-Unterführung als Einbahnstrasse signalisiert. Neu soll der Verkehr bereits ab der Hubstrasse als Einbahnverkehr geführt werden (siehe Grafik). Will heissen: Postkunden, welche die vor der Hauptpost gelegenen Parkplätze benützen, müssen, um danach wieder auf die Hauptachse zu gelangen, einen Mehrweg von rund 300 Metern in Kauf nehmen, und via Säntisstrasse und Kamor­strasse zurück in die Hubstrasse fahren. «Die rückwärts aus den Parkplätzen fahrenden Autos bringen zusätzliches Gefahrenpotential mit. Mit dem Einbahnregime soll die Konfliktzone im Bereich der Postparkplätze entschärft werden», sagt Philipp Dörig, Leiter des Departements Bau, Umwelt und Verkehr der Stadt Wil. «Die baulichen Massnahmen sollen zu einer generellen Verbesserung der Situation führen», führt er weiter aus.

Nicht alle befürworten das Projekt

Noch ist das Projekt, das von der Stadt als «dringlich» eingestuft wurde, auf Eis gelegt. Grund: Eine Eigentümerin und Anwohnerin der Säntisstrasse hat Einsprache gegen das Verkehrsprojekt erhoben. Ihr ist vor allem das geplante Einbahnregime auf der Säntisstrasse ein Dorn im Auge. Würde die Säntisstrasse ab der Hubstrasse als Einbahn geführt, hätte dies Mehrverkehr und infolgedessen mehr Lärm in der ohnehin schon lärmbelasteten Säntisstrasse zur Folge, befürchtet sie – «dies alles zu Lasten der Wohnqualität».

Das Gebiet südlich des Bahnhofs sei aufgrund der zahlreichen Bars und Restaurants sowie des Bancomats schon jetzt stark frequentiert, erzählt die Anwohnerin. Zudem müsse man bedenken, wie gut besucht die Hauptpost seit der Schliessung ihrer Filiale in der Altstadt sei: «Alle fünf Minuten findet dort ein Parkplatzwechsel statt.»

Das Sicherheitsproblem wäre damit auch nicht gelöst, so die Anwohnerin. Im Gegenteil. Gerade für Fussgänger könnte es an der Kreuzung Säntisstrasse/Kamorstrasse nun umso gefährlicher werden: etwa für ältere Leute, welche die Säntisstrasse dort queren, um zum Lift bei der West-Unterführung zu gelangen. «Wenn der Verkehr weiterhin derart drastisch zunimmt, wird es an der Säntisstrasse irgendwann einmal Tote geben», befürchtet die Anwohnerin.

Für die Stadt geht Sicherheit vor

Die Stadt habe Verständnis für das Anliegen der Anwohnerschaft, spreche sich jedoch in einer Interessensabwägung für die Entschärfung der gefährlichen Situation beim Fussgängerstreifen aus, sagte Marcel Frei, Leiter Tiefbau und Verkehr der Stadt Wil, bei einem Augenschein im September 2014. Auch Georg Gübeli, ehemaliger Leiter Verkehrstechnik der Kantonspolizei St. Gallen betonte, dass es um das öffentliche Interesse Verkehrssicherheit gehe, das gewahrt werden müsse. So kam es, wie es kommen musste: Der Stadtrat wies die Einsprache der Anwohnerin zurück.

Dem Entscheid liegt unter anderem eine Verkehrsanalyse der Abteilung Tiefbau, Verkehr der Stadt Wil zugrunde. Diese kam zum Schluss, dass auf der Säntisstrasse infolge der Einführung des Einbahnregimes mit einem durchschnittlichen Tagesverkehr von 1513 Fahrzeugen zu rechnen wäre, das wären rund 390 Fahrzeuge mehr pro Tag. Dieser Wert liege jedoch wesentlich unter dem Immissionsgrenzwert, wie die Stadt in einem Protokollauszug vom Oktober 2016 festhält. Zudem zeigten die Messungen, dass durch das Anbringen von Schwellen sowohl die Geschwindigkeit als auch der Lärm in der Säntisstrasse erheblich reduziert werden konnte. Aus diesen Gründen wurde auf weitergehende Untersuchungen und Gutachten zu diesem Thema verzichtet, wie im Einspracheentscheid zu lesen ist.

Trotzdem verzögerte sich der Baustart. Gegen den Einspracheentscheid sowie auch gegen die Verfügung des am 8. Januar diesen Jahres veröffentlichten Polizeikommandos hat die Anwohnerin erneut Rekurs erhoben. Das Verfahren ist bis heute nicht abgeschlossen. Nachdem bekannt wurde, dass die Postfiliale hinter dem Bahnhof nur bis Ende 2020 garantiert ist, plädiert die Anwohnerin nun für eine vorläufige Einstellung des Rekursverfahrens. «Bis auf weiteres, mindestens aber bis Ende 2020, also bis klar ist, wie die Planung der Post aussehen wird, sei das Verfahren zu sistieren», lautet der Antrag. Über den weiteren Verlauf des Verfahrens soll morgen entschieden werden.

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