Baumeister mit Sinn für Musik, Familie und Gemeinwohl

In der Johanneskirche Niederhelfenschwil wurde Abschied von Guido Zwick genommen, der am 17. August im Alter von 80 Jahren diese Welt verlassen hat.

Vroni Krucker
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Guido Zwick starb im Alter von 80 Jahren. (Bild: pd)

Guido Zwick starb im Alter von 80 Jahren. (Bild: pd)

In der Johanneskirche Niederhelfenschwil wurde Abschied von Guido Zwick genommen, der am 17. August im Alter von 80 Jahren diese Welt verlassen hat.

Pater als erster Berufswunsch

Guido Zwick erblickte das Licht der Welt in St. Gallen. Als ältester Sohn von Walter und Berta Zwick-Frei wuchs er mit sechs jüngeren Geschwistern im Neudorf in Niederhelfenschwil unbeschwert auf. Der Vater betrieb ein kleines Maurergeschäft. Die Primarschule besuchte Guido bei Lehrer Fridolin Krapf. Es folgten zwei Jahre Se-kundarschule im Kollegium in Appenzell. Hier wurde der Wunsch wach, Pater zu werden. Dazu liess er sich sogar einen Bart wachsen. Dieser spross leider in roter Farbe, was Guido veranlasste, seine Berufspläne zu ändern. Er entschloss sich zur Maurerlehre im elterlichen Betrieb. Nach der Lehre holte er sich Praxiserfahrung und unterstützte seinen Vater tatkräftig. In der Baupolierschule in St. Gallen bildete er sich weiter.

Die Musik hat ihm stets viel bedeutet und für den notwendigen Ausgleich zum Alltag gesorgt. Schon in jungen Jahren spielte er den Bass in der Musikgesellschaft, der er während 27 Jahre als Aktivmitglied angehörte und später als Ehrenmitglied die Treue hielt. Als Schlagzeuger war er in der kleinen Tanzmusikgruppe Zwisabo aktiv und an verschiedenen Festen anzutreffen. Weil er auch den Gesang sehr liebte, war er ein geschätzter Bassist im Kirchen- und Männerchor.

Junges Elternglück jäh zerstört

Im Kirchenchor traf er seine ehemalige Primarschulkollegin Agnes Koller wieder. Sie haben sich besser kennen und lieben gelernt. Am 23. Juni 1962 läuteten die Hochzeitsglocken. Das Zuhause erbaute sich das junge Paar im Hegiberg. Dazu kam die Übernahme und Führung des elterlichen Baugeschäfts. Mit viel Engagement und Herzblut haben sich die Ehepartner für ihre Firma eingesetzt. Während vielen Jahren prägte Guido mit grossem Einsatz, Fachwissen und Risikobereitschaft die bauliche Entwicklung in der Gemeinde entscheidend mit. Unterstützung erfuhr er von seinen Mitarbeitern, darunter auch treue Saisonniers aus Kalabrien, die ihm immer sehr wichtig waren und für die er sich stets uneigennützig einsetzte. Eine besondere Stütze war Gattin Agnes, die nebst Haushalt und fünf Kindern auch die Büroarbeit übernahm.

Als Töchterchen «Karinli» ein Jahr nach der Hochzeit zur Welt kam, schien das Glück des Paares perfekt. Aber das Schicksal schlug zu, und tieftraurig mussten die jungen Eltern drei Tage nach der Geburt den Tod des Kindes hinnehmen. Das Meiteli war von da an der Schutzengel für die Familie. Am 7. Juni 1964 erblickte David das Licht der Welt, in den folgenden Jahren Peter, Richard und Christian. Tochter Gabriela vervollständigte das Quintett. Der junge Vater kutschierte seine Jungmannschaft stolz im Kinderwagen durchs Dorf, in jener Zeit nicht üblich für einen Mann.

Schulen im Dorf mitgeprägt

Nebenberuflich engagierte sich Guido Zwick unter anderem als Schulratspräsident der Primarschule Niederhelfenschwil, Aktuar der Oberstufenschule Sproochbrugg, Präsident des Baumeisterverbandes der Sektion Wil-Toggenburg-Gossau und Gründungsmitglied des Gewerbevereins der Gemeinde.

Diagnose Parkinson

Nebst italienischen Autos galt Guido Zwicks Leidenschaft und Begabung vor allem der Architektur und dem technischen Zeichnen. Bei einem Architekturwettbewerb gewann er einen Preis, und mit diesem Batzen leisteten sich Agnes und Guido die ersten Ferien im Engadin, das fortan zur zweiten Heimat wurde. Im geliebten Engadin schlug nochmals das Schicksal zu, als Sohn Christian im Januar 1993 einen schweren Skiunfall erlitt. Nach diesem Ereignis wurde Guido seine Familie noch wichtiger. Er freute sich riesig an den jungen Familien und war sehr stolz auf die 14 Grosskinder. Noch vor seinem 60. Geburtstag übergab er die Zwick Bauunternehmung AG in die Hände seines Sohnes David. Kurz nach der Pensionierung erhielt er die Diagnose Parkinson. Geliebte Beschäftigungen und Tätigkeiten bereiteten zusehends Mühe. Trotzdem versuchte er, seinen Alltag so normal wie möglich zu gestalten und ging auch weiterhin gern auf einen Apéro in den «Sonnenberg» oder das «Kreuz».

Die Krankheit nahm ihren Lauf, die Einschränkungen mehrten sich. Während vielen Jahren umsorgte und pflegte Agnes ihren Gatten mit grosser Liebe, Verständnis und Geduld. Weil sich sein Zustand permanent verschlechterte, wurde ein Übertritt ins Pflegeheim Sattelbogen unumgänglich. Die Familie nahm sich vor, den Papa öfters an Sonntagen nach Hause zu holen. Guido jedoch hatte einen anderen Weg gewählt. Er war müde, wurde immer schwächer und hat still und in Frieden seine letzte Reise angetreten.