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Interview

Bauern unter Beschuss: «Diese ständige Kritik finde ich ungerecht»

Die Bauern werden derzeit von vielen Seiten angegriffen. Der Zuzwiler Landwirt Armin Granwehr sagt im Interview, wie es ihm geht.
Lara Wüest
Symbolbild: Ein Bauer versprüht Pestizide auf seinem Feld. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Symbolbild: Ein Bauer versprüht Pestizide auf seinem Feld. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Die Bauern stehen in der Kritik. Mit ihren Pestiziden würden sie die Umwelt schädigen, heisst es. Gleich zwei Initiativen kommen dazu vors Volk: die Pestizidinitiative und die Trinkwasserinitiative. Zudem sind die Landwirte oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie mit ihrer Viehhaltung zum Klimawandel beitragen. Der Bauer Armin Granwehr aus Zuzwil erzählt, wie er sich fühlt, wenn er von allen Seiten angegriffen wird. Er ist in der Milchwirtschaft und im Obstbau tätig. Damit seine Obstbäume nicht von Pilzen befallen werden, setzt er Fungizide ein.

Armin Granwehr, in letzter Zeit hört man oft, die Bauern schaden mit Pestiziden dem Trinkwasser und der Artenvielfalt. Zerstören Sie unsere Umwelt?

Armin Granwehr: Nein. Ich gehe gewissenhaft mit den Spritzmitteln um. Und die Pestizide gelangen nicht nur durch die Landwirtschaft ins Grundwasser. Auch auf Sportplätzen kommen sie zum Einsatz. Und Eigentümer von Einfamilienhäusern spritzen ihre Gärten. Ich sage nicht, dass wir Bauern unschuldig sind, aber wir sind sicher nicht die Einzigen.

Armin Granwehr: «Gewisse Dinge könnten Bauern besser machen.» (Bild: Lara Wüest)

Armin Granwehr: «Gewisse Dinge könnten Bauern besser machen.» (Bild: Lara Wüest)

Aber Sie setzen nun einmal Pestizide ein.

Ja, das ist so. Doch wir brauchen die Pestizide. Sonst würden unsere Erträge so massiv sinken, dass viele Landwirte nicht überleben könnten. Aber die Spritzmittel sind teuer. Darum setze ich sie nur dann ein, wenn sie nötig sind. Wir Landwirte müssen die Produktion dauernd optimieren, um den Einsatz der Pestizide zu reduzieren.

Immer wieder hört man auch den Vorwurf, die Bauern tragen mit ihrer Viehhaltung zum Klimawandel bei. Haben Sie deswegen ein schlechtes Gewissen?

Nein. Seit ich Landwirt bin, ist enorm viel passiert, was das betrifft. Der Bund schreibt heute vor, dass unsere Tiere regelmässig nach draussen können. Auch viele Konsumenten wünschen sich das. Das Problem dabei ist allerdings, dass Treibhausgase wie zum Beispiel Methan und vor allem Ammoniak nicht mehr im Stall gesammelt werden und leichter in die Umwelt gelangen. Auch meine Kühe und Schweine können das ganze Jahr über nach draussen und ich finde Offenställe gut. Das Tierwohl liegt mit sehr am Herzen. Aber wir müssen halt auch die Konsequenzen tragen.

Machen Sie es sich nicht zu einfach, wenn Sie die Schuld den Konsumenten zuweisen?

Ich sage nicht, die Konsumenten seien schuld. Aber die Weidehaltung und Freilandhaltung mit Auslauf hat halt etwas Positives und auch etwas Negatives. Zudem schaden ja nicht nur wir dem Klima. Viele Leute fliegen zum Beispiel mit dem Flugzeug in die Ferien.

Derzeit werden die Bauern von allen Seiten angegriffen: von der Bevölkerung, den Politikern und auch vom Bund. Wie fühlen Sie sich dabei?

Wir Bauern werden im Moment für alles beschuldigt. Die Leute sagen, wir seien Umweltverschmutzer, Klimakiller und Tierquäler. Das ist wirklich nicht angenehm. Viele behaupten, wir schaden der Umwelt mehr, als wir sie pflegen. Dabei leben wir mit der Natur zusammen. Ohne uns Landwirte würde das Landwirtschaftsland verwildern und verbuschen.

Machen Sie die Vorwürfe wütend?

Sie stimmen mich nachdenklich. Was mich stört, ist diese Doppelmoral. Die Konsumenten verlangen von uns eine umweltfreundliche und tierfreundliche Produktion. Woher die Nahrungsmittel dann letztlich kommen, interessiert kaum jemanden. Der Preis muss einfach stimmen. Aber wenn zum Beispiel in Brasilien für unser Importfleisch Regenwälder abgeholzt werden, sagt niemand etwas. Auch die Kleider, die viele tragen, stammen aus Bangladesch oder Indien.

Die Bauern erhalten vom Staat viel Geld. Manche sagen, zu viel ...

Ohne Direktzahlungen könnte ich nicht existieren. Und es ist nicht wahr, dass wir einfach so Geld erhalten. Wir erbringen eine Leistung dafür. Ein Teil der Direktzahlungen geht zudem in Bildung, Forschung und Entwicklung der Landwirtschaft und nicht an uns Bauern. Die Bauern arbeiten viel, müssen immer da sein, falls im Stall etwas passiert. Ich bin 24 Stunden auf Standby. Diese ständige Kritik finde ich ungerecht.

Wie verhalten sich die Leute in Ihrem direkten Umfeld. Werden Sie oft kritisiert?

Eher aufgezogen. Das werde ich häufig. Vor allem wegen der Direktzahlungen. Ich höre oft, dass wir Bauern zu viel Geld erhalten.

Haben Sie sich deswegen schon gestritten?

Wenn jemand einen Scherz macht, kann ich auch einmal lachen. Aber ich wurde schon wütend. Manchmal fällt es mir schwer, einfach alles abprallen zu lassen.

Der Bauernverband wehrt sich gegen manche Vorwürfe. Kämpfen die Bauern gegen den Rest der Bevölkerung?

Ein Stück weit fühlt sich das so an. Dabei reduzieren wir seit 2016 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden.

Was hat die Bevölkerung für ein Bild von den Bauern?

Derzeit stehen die Landwirte durch die Klimadebatte sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Aber ich denke, wir haben riesige Fortschritte gemacht. Wir haben schon vieles geändert und optimiert. Ich schätze, dass eine grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter der Landwirtschaft steht. Nur ein kleiner Teil ist kritisch, vor allem die Boulevardmedien heizen die Stimmung auf. Vor 20 Jahren war das Bild aber noch ein anderes.

Inwiefern?

Früher stand einzig die Produktion im Vordergrund. Es zählte nur der Output. Wie etwas hergestellt wurde, war egal. Die Leute hatten damals kein gutes Bild von der Landwirtschaft.

Wie möchten Sie von der Bevölkerung am liebsten wahrgenommen werden?

Als Bauer, der seine Arbeit mit Leib und Seele macht. Einer, der Sorge dafür trägt, dass es Natur und Tieren gut geht. Das wäre schön.

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