Bauern sollen auf ihn bauen

Degersheim hat wieder einen Kantonsrat: Karl Schweizer wurde am Donnerstag vereidigt. An Bürgerversammlungen hat der SVP-Politiker schon oft das Wort ergriffen, im Parlament will er den Landwirten «ihre verlorene Stimme» zurückgeben.

Mario Fuchs
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Politiker und Landwirt: Karl Schweizer hat 150 Sauen, 50 Kühe und einen Sitz als SVP-Kantonsrat. (Bild: mf)

Politiker und Landwirt: Karl Schweizer hat 150 Sauen, 50 Kühe und einen Sitz als SVP-Kantonsrat. (Bild: mf)

DEGERSHEIM. Karl Schweizer ist keiner, der «ufs Muul hocket». An der Bürgerversammlung unter Degersheimern, am Küchentisch während des Interviews und bald auch im St. Galler Kantonsrat unter Parlamentariern: Er sagt, was er denkt. Und so begrüsst er einen auch: direkt. Mit einem ehrlichen Lächeln und einem starken Händedruck.

Nicht zweimal überlegt

Erster Ersatzkandidat war Karl Schweizer bei den Kantonsratswahlen 2012 auf der SVP-Liste im Wahlkreis Wil. Jetzt, da Parteikollegin Eveline Rüegg-Gautschi aus Niederhelfenschwil aus privaten Gründen ihren Rücktritt per Ende Jahr bekanntgab, ist er nachgerückt. «Ich musste mir das nicht zweimal überlegen», sagt er. Denn: Lorenz Egli, Rossrüti, ist als starke Stimme der Bauern aus der Region nicht mehr im Rat vertreten. «Diese verlorene Stimme will ich den Landwirten zurückgeben», sagt Karl Schweizer.

Er, 54jährig, selbst ein Meisterlandwirt, begeisterter Skifahrer und Jasser, ist im Chalberstadel eingangs Degersheim mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Später übernahm er den elterlichen Hof, den er heute zusammen mit Frau LaVerne und Bruder Isidor führt. Zum Betrieb gehören 150 Muttersauen, für die Züchter Karl verantwortlich ist, 50 Milchkühe, die von Melker Isidor umsorgt werden, und wenig Ackerbau. Dereinst wird vielleicht Sohn Köbi, 13, das Erbe antreten. Er besucht derzeit die Oberstufe – und will Landwirt werden. Besonders gut liege ihm Englisch, erzählt der Vater. Das habe seinen Grund: Mutter LaVerne ist Neuseeländerin. Kennengelernt haben sich die zwei im Engadin.

Zeigen, was man denkt

Karl Schweizer sieht sich politisch «bürgerlich-rechts». «Die SVP ist genau meine Partei», sagt er. Seit 1999, als die Ortspartei Degersheim gegründet wurde, ist er Mitglied. Er sei zwar nicht immer mit allem einig, was die nationale Parteispitze befinde. «Doch das ist ja gerade das Schöne an der SVP: Sie ist eine Volkspartei und erlaubt entsprechend viele Meinungen.» Kaum Sympathien geniessen bei Karl Schweizer parteilose Amtsträger oder Parlamentarier: «Wer Politik macht, muss sich outen, muss zeigen, was er denkt.» Gerade als Volksvertreter sei dies unentbehrlich. Parteilose liessen dies oft vermissen.

Schweizer will sich im Parlament für das Grundeigentum stark machen und gegen die «Verreglementierung» kämpfen. Als «Stimme der Landwirtschaft» sieht er etwa wichtige Fragen im Raumplanungsgesetz, im Wasserbau oder im Veterinärwesen – «Fragen, mit denen die Landwirtschaft täglich konfrontiert ist». Andernorts setzt er sich schon mehrere Jahre für seine Berufskollegen ein, so im Vorstand der Sektion Ostschweiz des Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverbandes Suisseporcs, wo er Woche für Woche die aktuellen Marktpreise mitbestimmt.

Leidtragender Mittelstand

Vergangene Woche, an seiner ersten Kantonsratssitzung, konnte Karl Schweizer noch nicht viel ausrichten. Er wurde vereidigt, als die wichtigen Beratungen in der Sparsession durch, die Meinungen gemacht waren. «Bei den Abstimmungen musste ich nur noch auf den Knopf drücken», erzählt er schmunzelnd – im Wissen darum, dass es nur mit dem Knopfdrücken künftig nicht mehr getan sein wird. Eine klare Meinung, die hätte er nämlich gehabt zum Thema Sparen: «Immer wird von Sparen geredet. Dabei ist die Rechnung doch einfach: Man muss einfach aufhören, Geld auszugeben, das man nicht hat.» Leidtragend sei der Mittelstand, «wir, die täglich fleissig arbeiten für unser Geld».

Ordner voller Akten

Ab dem 16. September nimmt Schweizer erstmals an einer vollständigen Kantonsratssession teil. Bereits wurde er von der Staatskanzlei mit Bundesordnern voller Akten versorgt. Am Samstag in einer Woche steht die erste Fraktionssitzung an. Während sich der Neo-Kantonsrat im Parlamentssaal für die Rechte der Landwirte einsetzen wird, sorgen auf dem Hof im Chalberstadel Frau und Bruder für das Wohl von Schwein und Kuh.