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Basteln, Bohren, Bauen: Das Tüftelcamp begeistert die Kinder

Erstmals findet in Wil ein Tüftelcamp statt. Kinder im Alter zwischen neun und zwölf Jahren nehmen daran teil, um zu konstruieren und experimentieren. Die Idee ist es, der Jugend technische Berufe näherzubringen.
Nicola Ryser
Ein Frosch auf der Büchse, Smileys auf dem Holzkonstrukt: Nebst dem Bauen konnten die Kinder auch kreativ sein.Bilder: Nicola Ryser
Erfinderisch bis ins kleinste Detail: Der Kleber kam viele Male nicht zu kurz und wurde vor allem beim Verzieren eingesetzt.
Um solche Werke wie die CD-Untertassen zu kreieren, brauchten die Kinder viel Werkzeug.
3 Bilder

So begeistert das Tüftelcamp in Wil

Es ist laut im «Labor». Das Reden und Lachen der Kinder wird begleitet von Bohrmaschinengeräuschen und Hammerschlägen. Es riecht nach Holz. Der grösste Bastel-Tisch ist voll, gesäumt mit leeren Kaffeekapseln, einigen Scheren, Zangen, Nägeln und viel Klebstoffflecken. Der wahre Blickfang befindet sich jedoch in der Tischmitte. Dort hat es Büchsen mit Fledermäusen, Fröschen und CDs, die an Untertassen erinnern. Und Holzkonstruktionen mit einem drehenden Rad, welche üppig verziert wurden mit gelben Emoji-Smileys, farbigen Wattebäuschchen und Mini-Raketen. Erinnerungen an die Schulzeit kommen hoch, ein Déjà-Vu an den Werkunterricht.

Sinnvolle Camps, die äusserst beliebt sind

Es ist ein Fest der Sinne, das Tüftelcamp in Wil, das von Dienstag bis Freitag stattfindet. Und es ist gleichzeitig ein Fest für bastelbegeisterte Kinder. Seit 2013 werden in der Schweiz jährlich Tüftelcamps organisiert, bis zu 200 Kinder nehmen jeweils teil. In den viertägigen Kursen, für die sich Kinder anmelden können, wird gebastelt, geklebt, geleimt, gebaut – eben getüftelt. In diesem Jahr finden die Camps an 13 Standorten statt, unter anderem in Wil. Eine Premiere.

«Es ist super, dass wir in der Ostschweiz immer mehr vertreten sind», sagt Cornelia Baumann, die das Camp im Hof zu Wil leitet. Dort wurde eigens ein Pop-Up-Labor für den Kurs erstellt: «Andere Standorte haben den Vorteil, dass dort ein solches Tüftel-Labor bereits existiert. Wir haben hier ein bisschen improvisiert und alle Materialien selbst mitgenommen», sagt Baumann, die seit der Lancierung der Kurse vor fünf Jahren dabei ist. Eine sinnvolle Idee, meint die Sozialpädagogin: «Es geht darum, den Kindern in der Freizeit ein technikförderndes Angebot zu offerieren. Das hat es früher in dieser Form kaum gegeben.» Und die Kinder scheint es zu interessieren, die Camps sind ausgebucht.

In den Räumen des Hofs zu Wil tüfteln 13 an der Zahl. Unter ihnen befindet sich auch Max. Er ist der erste, der seine Holzkonstruktion fertig hat. Verständlich. Denn der Neunjährige bringt bereits viel Erfahrung mit sich: «Mein Vater baut und restauriert Oldtimer, da darf ich immer mithelfen.» Darum sei es auch logisch, dass er sich für das Camp interessiert hat. «Als ich davon gehört habe, habe ich mich sofort angemeldet. In den Ferien ist es sowieso langweilig, hier kann ich wenigstens was tun.» Der Viertklässler will denn auch in Zukunft das Tüfteln mit dem Beruf verbinden: «Wie mein Vater will ich Architekt werden.»

Zusammenarbeit mit Institutionen

Max ist das beste Beispiel dafür, dass bei den Tüftelcamps mehr als nur Spass im Zentrum steht. «Ziel ist es, dass wir den Kindern und Jugendlichen die Themenfelder der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, also die MINT-Fächer, näherbringen», erläutert Hannes Scheuber, Geschäftsführer von «tüfteln.ch».

Der gemeinnützige Verein sei vor sechs Jahren deshalb gegründet worden, um einen ausserschulischen Zugang zu den MINT- Themen und deren Berufe zu bieten. «Unsere Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche aus der Mittelstufe, da sich während dieser Zeit knapp 75 Prozent für eine Berufsrichtung entscheiden.» Die nationale Plattform arbeitet eng mit anderen Institutionen und Betrieben zusammen, damit die Kinder mit echten Profis und der wahren Berufswelt in Kontakt treten können. So werden die Camps in Zusammenarbeit mit Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) vorbereitet. Erfreulich ist laut Scheuber, dass sich die Gruppe der teilnehmenden Kinder sehr breit präsentiert: «Wir haben nicht nur Kinder, die sich sehr fürs Tüfteln interessieren, sondern auch solche, die einfach mal ausprobieren und experimentieren wollen.»

Die Unterschiede zwischen den Tüftlern in Wil sind ebenfalls offensichtlich. Einige wie Max haben ihre Holzkonstruktion mit Rad – das Thema ist kinetische Energie – bereits gebaut und geschmückt, andere benötigen noch etwas mehr Zeit. Doch: Die Kinder helfen sich gegenseitig, die Motivation ist gross. Und für die Unerfahrenen bietet sich die Gelegenheit, an den weiteren Tagen mehr dazu zu lernen. So beispielsweise am Donnerstag. Dann lassen die Kinder für einmal Bohrmaschine, Klebstoffpistole und Büchsen liegen und besuchen die AV Bürge AG in Bronschofen, die Kunststoff verarbeitet.

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