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Nach Raubüberfall in Schwarzenbach: «An das grosse Geld kommt heute niemand mehr» – weshalb sich Banküberfälle nicht mehr lohnen

Das Risiko, nach einem Raubüberfall gefasst zu werden, ist höher, als viele Täter denken. Dennoch wird dieses Risiko häufiger als erwartet eingegangen. Jüngstes Beispiel ist der Überfall auf die Raiffeisenbank in Schwarzenbach vom Dienstag.
Hans Suter
Die Raiffeisenbank in Schwarzenbach wurde am Dienstagnachmittag von einem unbekannten Täter überfallen. Er erbeutete allerdings nur einige tausend Franken. (Bild: Hans Suter)

Die Raiffeisenbank in Schwarzenbach wurde am Dienstagnachmittag von einem unbekannten Täter überfallen. Er erbeutete allerdings nur einige tausend Franken. (Bild: Hans Suter)

Was geht in einem Menschen vor, der eine Bank, einen Tankstellenshop oder ein Lebensmittelgeschäft überfällt? Ist er sich der Folgen seines Tuns für sich und seine Opfer bewusst? Handelt er aus Habgier oder Verzweiflung? Ist er tatsächlich davon überzeugt, nicht erwischt zu werden? Oder ist es ihm gar egal?

Die Zeit der grossen Raubüberfälle ist vorbei

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen

Eine Typologie solcher Täter scheint es nicht zu geben. Oder zumindest nicht mehr. «Früher gab es die grossen Raubüberfälle, verübt von professionellen Bankräubern und Banden», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Dabei wurden Werte in der Höhe mehrerer Hunderttausend oder gar Millionen Franken erbeutet. Die Schlagzeilen in den Medien waren ihnen gewiss. Doch das sind Tempi passati. Überfälle dieser Art gibt es nicht mehr häufig. Hanspeter Krüsi sagt:

«An das grosse Geld kommt heute niemand mehr. Das ist schon technisch nicht mehr möglich.»

Die Finanzinstitute haben aufgerüstet, wie sich Krüsi ausdrückt, es gebe heute offene Schalter mit wenig Bargeld, und es brauche Zeit, bis von Kunden erbetenes oder von einem Bankräuber verlangtes Geld am Schalter eintreffe, weil es sich nicht mehr wie früher in der Schalterkasse befinde. Und dazu noch in viel kleinerer Menge, weil der Bargeldverkehr drastisch zurückgegangen ist.

Näher mag Krüsi nicht auf die technischen Aspekte eingehen, aus Sicherheitsgründen. Desgleichen Angela Rupp, Mediensprecherin bei Raiffeisen Schweiz. «Aus Sicherheitsgründen können wir dazu keine Auskunft geben», sagt sie ebenso freundlich wie bestimmt.

Bei Raubüberfällen gibt es auch menschliche Aspekte

Was passiert mit einer Bankangestellten, die überfallen wird? Im Fall von Schwarzenbach kann Angela Rupp zwar keine Angaben über die Anzahl anwesender Personen zum Zeitpunkt des Überfalls machen und verwendet daher den Plural, kann aber in gewisser Weise Entwarnung geben:

«Den Umständen entsprechend geht es den Betroffenen gut.»

Ihnen stehe ein professionelles Care-Team zur Verfügung, sowohl akut als auch später zur Verarbeitung des Vorgefallenen. Auch die Kantonspolizei steht beratend zur Seite und leitet auf Wunsch Opferhilfe in die Wege.

Raubüberfälle werden meist im voraus geplant

Doch was treibt einen Menschen zu einer solchen Tat? Verübt er sie spontan, bereitet er sie vor? «Für einen Raubüberfall wie in Schwarzenbach werden Vorbereitungen getroffen», sagt Krüsi. Dazu gehörten etwa das Festlegen des Zeitpunkts, die Verkleidung, die Sprache (schlechtes Englisch im Fall Schwarzenbach), Fluchtfahrzeug, Fluchtweg usw. Hinter einer solchen Tat könnte Verzweiflung stecken, beispielsweise finanzielle Not durch Scheidung oder Arbeitslosigkeit.

Süchtige neigen zu spontanen Taten

Ein einfacher Raub wie das Bedrohen einer Person zur Herausgabe des Portemonnaies geschehe dagegen oft spontan aufgrund einer sich bietenden Gelegenheit. Treiber zu solchen Taten sei oft Sucht: Drogen- oder Alkoholabhängigkeit und Spielsucht.

Häufig bleibe es nicht bei einem einzigen Mal. Da meist nur wenig Geld erbeutet werde, reiche es nur für kurze Zeit. Bei nächster sich bietender Gelegenheit werde erneut ein Delikt verübt, sagt Krüsi. Dabei würden aber häufig Fehler begangen, was früher oder später zur Verhaftung führe. «Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht», versinnbildlicht Krüsi mit einem bekannten Beispiel aus der Literatur.

Tankstellenshops häufiger betroffen

In der Region Wil wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Raubüberfälle verübt. Bei Banken kam es zu Vorfällen in Sirnach, Oberuzwil und nun in Schwarzenbach.

Häufiger betroffen sind aber Tankstellenshops. Gut ein halbes Dutzend Überfälle wurden in der jüngeren Vergangenheit in Wil, Bronschhofen Rossrüti, Wilen, Niederuzwil und weiteren Ortschaften verübt. In Zeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs erbeuten die Täter aber immer geringere Beträge bei konstant hohem Risiko. Eine Rechnung, die für niemanden aufgeht.

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