Bankräuber von Oberuzwil und Schwarzenbach verzockte die Beute:
Der Haftstrafe folgt ein Landesverweis 

Eine Freiheitsstrafe von 40 Monaten sowie ein Landesverweis für fünf Jahre. So lautet das Urteil des Kreisgerichts Wil für den 53-jährigen Italiener, der im Herbst 2018, beziehungsweise Sommer 2019 die Raiffeisenbanken in Oberuzwil und Schwarzenbach überfallen hatte.

Andrea Häusler
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Tatort zwei: Die Raiffeisenbank in Schwarzenbach. Hier hatte der Angeklagte im Sommer 2019 rund 13'700 Franken erbeutet.

Tatort zwei: Die Raiffeisenbank in Schwarzenbach. Hier hatte der Angeklagte im Sommer 2019 rund 13'700 Franken erbeutet.

Bild: red

Am Montag, 10. Dezember 2018, traf es die Raiffeisen-Filiale Oberuzwil, am Dienstag, 2. Juli 2019, die Niederlassung in Schwarzenbach. Hier wie dort war der Tathergang ähnlich: Ein leicht maskierter Mann betrat den Kundenraum, bedrohte die Bankangestellten mit einer Spielzeugwaffe, forderte die Herausgabe von Bargeld, verstaute dieses in einer roten Plastiktasche und flüchtete.

Mit diesem Bild fahndete die Polizei nach dem Bankräuber von Oberuzwil.

Mit diesem Bild fahndete die Polizei nach dem Bankräuber von Oberuzwil.

(Bild: kapo)

Die Videoaufnahmen von 2018 und 2019, Hinweise aus der Öffentlichkeitsfahndung und Aussagen mehrerer Auskunftspersonen führten am 10. Juli zur Festnahme eines 53-jährigen Italieners mit Wohnsitz in einer Thurgauer Bodenseegemeinde. Gestern stand dieser nun vor den Richtern des Kreisgerichts Wil, das – aufgrund der Einschränkungen der Covid-19-Pandemie – wiederum im Flawiler Lindensaal tagte. Seit dem 2. Oktober vergangenen Jahres befindet er sich in der Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies im vorzeitigen Strafvollzug. Und dort sollte er, nach dem Willen der Staatsanwaltschaft, auch verbleiben. Wegen mehrfachen Raubes wurde eine Freiheitsstrafe von 45 Monaten sowie ein Landesverweis für sieben Jahre beantragt.

«Ein überhöhtes Strafmass», wie der Verteidiger meinte. Er forderte eine teilbedingte Haftstrafe von maximal 24 Monaten, eine sofortige Entlassung aus dem vorzeitigen Vollzug sowie den Verzicht auf einen Landesverweis.

Dem Glücksspiel verfallen

Er habe «einen Blödsinn gemacht», sagte der Angeschuldigte in der Befragung. Warum er die Banken überfallen habe, könne er nicht sagen. Tatsache ist jedoch: Der 53-Jährige brauchte Geld. Nicht nur weil er hoch verschuldet war, sondern weil er die Bar, in der er arbeitete, für 22000 Franken kaufen wollte. Um sich trotz auslaufender L-Bewilligung den weiteren Aufenthalt in der Schweiz zu sichern, wie er sagte.

11500 Franken erbeutete er in Oberuzwil, 13750 Franken in Schwarzenbach. Ums ganz grosse Geld schien es ihm nicht zu gehen. Er brauche nicht so viel, soll er dem Bankangestellten in Oberuzwil gesagt haben, «es ist genug», nachdem ihm der Mitarbeiter in Schwarzenbach eine erste Tranche der 13750 Franken auf den Tresen gelegt hatte. Genommen hat er die Gesamtsumme dennoch.

Eingeschränkte Urteilsfähigkeit

Die Beute trug er ins Jackpot-Casino nach Konstanz. «Ich wollte es verdoppeln», sagte er den Richtern. Stattdessen verzockte er das Geld. Als spielsüchtig bezeichnete sich der Italiener, der in der Schweiz geboren und zeitlebens hier gewohnt hatte, hingegen nicht. Im Gegensatz zum eigenen Verteidiger. Dieser sprach ausserdem von einer eingeschränkten Urteilsfähigkeit seines Mandanten zum Zeitpunkt der Tatausführungen. Das zeige die unrealistische Gewinnerwartung im Casino.

Die psychischen Defizite, die fehlende Vorbereitung der Banküberfälle, die Spielzeugwaffe und die Tatsache, dass gegenüber den Bankangestellten keine physische Gewalt ausgeübt wurde sowie das (allerdings erst nach erdrückender Beweislage erfolgte) Geständnis seien Gründe für eine mildere Strafe.

Schlimmer als das Gefängnis

Die Argumentation überzeugte das Gericht nicht. Genauso wenig wie die anwältliche Feststellung, dass ein Landesverweis ein schwerer Härtefall wäre und das private Interesse an einem Verbleib in der Schweiz grösser sei als das öffentliche Interesse an einer Wegweisung.

Der Beschuldigte wurde zu einer Gefängnisstrafe von 40 Monaten verurteilt, abzüglich der Untersuchungshaft von 84 Tagen sowie unter Anrechnung des vorzeitigen Vollzugs. Und er muss die Schweiz verlassen, wenn auch nur für fünf Jahre. Er habe keine Aufenthaltsbewilligung und werde auch keine mehr erhalten, sagte der Gerichtspräsident. Damit traf für den Beschuldigten der «Worst Case» ein: Ein Landesverweis, hatte er gesagt, wäre für mich schlimmer als das Gefängnis. 

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