BANKNACHT: Vertrauen in die Wirtschaft bröckelt

1962 Genossenschafterinnen und Genossenschafter – 176 mehr als im Vorjahr – genehmigten am Samstag in Oberuzwil und Degersheim die Abschlüsse ihrer Raiffeisenbank und bestätigten deren Verwaltungsrat.

Andrea Häusler
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In Oberuzwil unterhielten einleitend die Seppä mit urchiger und spassiger Akrobatik. (Bilder: Andrea Häusler)

In Oberuzwil unterhielten einleitend die Seppä mit urchiger und spassiger Akrobatik. (Bilder: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Deftig, herb, ein bisschen ungehobelt, zuweilen rüpelhaft inszeniert, turnerisch jedoch auf verblüffendem Niveau. Die Frauenfelder Turnakrobaten d Seppä zeigten am Barren auf humoristische Art, was die Leitung der Raiffeisenbank Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil wohl ansatzweise aus dem Alltag kennt: Handstände, Salti und auch die eine oder andere glimpfliche Bauchlandung. Der Applaus war der rot bemützten Truppe in Knickerbockern gewiss, dem Verwaltungsrat der Raiffeisenbank ebenfalls. Denn das Geschäftsjahr 2016 ist neuerlich gut gelungen, sagte Verwaltungsratspräsident Christoph Brunner. Tatsächlich weist die Bank einen Gewinn von 688481 Franken aus, was einem Plus von 7,1 Prozent entspricht. Dies trotz der nach wie vor speziellen Zinsenlage mit Negativzinsen. Neben einer leichten Zunahme des Erfolges aus dem Zinsengeschäft haben die Erträge aus dem Handelsgeschäft sowie jene aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft kräftig zugelegt. Die Bilanzsumme erhöhte sich um rund 36 Mio. (4 %) auf 934 Mio. Franken. «Wir werden folglich demnächst die Milliardengrenze knacken», sagte Brunner. Obwohl Wachstum um jeden Preis nicht das Ziel sei. Er verglich die Bank mit einem Segelschiff: schnell wendig, flexibel, sicher gebaut und modern geführt.

Skepsis gegenüber der Wirtschaft

Dennoch bereitet Christoph Brunner die Zukunft auch Sorgen. Gefährlich sei der Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber dem Unternehmertum und der Wirtschaft. «Das traditionelle Prinzip ‹Was der Wirtschaft nützt, dient auch dem Bürger› bröckelt», stellte er fest. Hinzu komme die Skepsis gegenüber der Globalisierung. Brunner rief zur Differenzierung auf: «Die Wirtschaft ist kein einheitlicher Block – die politischen Anliegen der internationalen Konzerne sind anders gelagert als jene der KMU, die in der Schweiz einen Anteil von 99,8 Prozent aller Unternehmen ausmachen und 70% der Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.» Das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen, bezeichnete er als wichtige Zukunftsaûfgabe. Denn: «Vertrauen untereinander ist die Basis unserer Demokratie.»

Vorläufig kein Ersatz für Gallus Müller

Die 1962 Genossenschafterinnen und Genossenschafter in Degersheim und Oberuzwil genehmigten Bilanz und Erfolgsrechnung, stimmten der Anteilscheinverzinsung mit 2,25 % zu und bestätigten den Verwaltungsrat mit Christoph Brunner an der Spitze für die Amtsdauer 2017–21. Der zurückgetretene Verwaltungsrat Gallus Müller wurde (noch) nicht ersetzt. Der Verwaltungsrat bleibt somit vorderhand fünfköpfig.