Banker werden zu wilden Piraten

Notabene

Urs Bänziger
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Die einen lieben und zelebrieren sie, den anderen geht sie auf die Nerven. Die Anbeter können es gar nicht erwarten, bis es endlich wieder so weit ist. Und die Abstinenzler wünschen sich, dass der Rummel bald wieder vorbei ist. Die Fasnacht lässt die Wogen der Emotionen hoch gehen. In diesen Tagen geht es auch in der Region wieder hoch zu und her mit den Guggentreffen, Maskenbällen und Umzügen.

Für die Fasnächtler ist es die fünfte und schönste Jahreszeit. Und für die Fasnachtsmuffel ist es die Zeit, in der sie sich am liebsten in den eigenen vier Wänden verkriechen, um nichts vom Trubel und der Heiterkeit auf den Strassen mitzubekommen. Für sie sind die Klänge der Guggen unnötiger Lärm, die Konfetti­kanonen eine lästige Plage. Sie können der Faszination des närrischen Treibens gar nichts abgewinnen, während die Fasnächtler ihrer Freude unverblümt freien Lauf lassen. Die Pauken und Trompeten bringen sie in Hochform.

Leidenschaft oder Verdruss: Die Fasnacht ist weder eine Generationenerscheinung noch ein gesellschaftliches Problem. Zwar sind an den Maskenbällen hauptsächlich die Jungen anzutreffen, aber von der Stimmung an den Fasnachtsumzügen lassen sich auch Grossmütter und Grossväter mitreissen.

An der Fasnacht sind viele Leute nicht mehr wiederzuerkennen. Und das nicht nur, weil sie maskiert oder kostümiert sind. In der närrischen Zeit werden steife Banker zu wilden Piraten und Putzfrauen zu schillernden Partynudeln. Und wie in dieser Zeitung zu lesen war, sind selbst Pfarrer nicht abstinent gegen das Fasnachtsfieber und lassen ihre Schäfchen in der Gemeinde für ein paar Tage alleine, um am Morgenstreich in Basel aktiv dabei zu sein.

Ob man die Fasnacht nun in vollen Zügen auslebt oder sie lieber meidet: Die närrischen Tage bringen auf jeden Fall Abwechslung und Farbe in den Alltag. Und das ist nach den grauen und tristen Januartagen ohnehin willkommen.

Urs Bänziger

urs.baenziger@wilerzeitung.ch