BALTERSWIL: Leben oder arbeiten hinter Gittern

Die Post ist im Herbst in den Volg umgezogen. Seither steht das Lokal leer. Die Absicht, die Gemeindeverwaltung hierher zu zügeln, ist am Kosten-Nutzen-Verhältnis gescheitert. Nun sucht die Gemeinde einen Mieter.

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In der gemeindeeigenen Liegenschaft in Balterswil war die Post bis Ende Juni eingemietet. (Bild: Olaf Kühne)

In der gemeindeeigenen Liegenschaft in Balterswil war die Post bis Ende Juni eingemietet. (Bild: Olaf Kühne)

«Die Gitter kann man natürlich auch abschrauben», sagt Beat Weibel und lacht. Der Bichelseer Gemeindepräsident spricht damit die sehr spezifischen Eigenschaften der Lokalität an, die in der aktuellen Ausgabe der Gemeindenachrichten zur Vermietung ausgeschrieben ist: die Post in Balterswil.

Gemeindeverwaltung bleibt, wo sie ist

Die Gemeinde Bichelsee-Balterswil ist Eigentümerin der Liegenschaft an der Balterswiler Hackenbergstrasse. Die jahrelang in deren Parterre untergebrachte Poststelle hat das Unternehmen im vergangenen Jahr durch eine Postagentur im Volg ersetzt. «Unser Mietvertrag mit der Post lief noch bis Ende Juni», sagt Weibel. Diese Zeit nutzte der Gemeinderat, um einen allfälligen Umzug der Gemeindeverwaltung von Bichelsee in die Balterswiler Postliegenschaft zu prüfen – eine Abklärung, welche der Gemeindepräsident an der Gemeindeversammlung im vergangenen November angekündigt hatte.

Inzwischen ist ein Umzug der Gemeindeverwaltung von Bichelsee nach Balterswil jedoch vom Tisch. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass ein vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gegeben ist», sagt Weibel. Kein Beinbruch für den Gemeindepräsidenten. «Wir haben den Umzug einzig aufgrund der gegebenen Umstände geprüft: Die Post zieht aus, und uns gehört die Liegenschaft bereits.» Eine Dringlichkeit für Umzugspläne bestehe indes nicht, im Gegenteil. «Wir haben am aktuellen Standort überhaupt keinen Leidensdruck», sagt er. So steht nun das einstige Postlokal seit anfangs Juli zur Vermietung. Eine typische Dorfpost mit allem Drum und Dran: die eingangs erwähnten Gitter vor den Fenstern, ein Schalterraum mit Schaltern und Tresen. «Nur den Tresor haben wir noch nicht gefunden», sagt Weibel und lacht erneut.

Künftiger Mieter hat Mitspracherecht

Je nach künftiger Nutzung müssten folglich Investitionen getätigt werden. Dabei könne der Mieter – oder die Mieterin – selbstverständlich mitreden, betont Weibel. Interessenten am einstigen Postlokal hätten sich indes noch nicht gemeldet.

Keinerlei Reaktionen hat der Gemeindepräsident auch bezüglich der Postagentur im Volg erhalten. Nachdem die Abbaupläne der Post in der Gemeinde anfänglich auf Unmut gestossen waren, wertet Weibel diese Ruhe nun als durchaus positives Zeichen. «Wenn man nichts hört, ist es in der Regel gut», sagt er. Offenbar habe sich die Bevölkerung schnell an die neue Situation gewöhnt.

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch