Bald kommt das Rauchverbot am Bahnhof Wil: Doch Raucher werden nicht gebüsst

Ab Juni hat es sich an den Bahnhöfen ausgequalmt. Geraucht werden darf dann auch in Wil nur noch in speziellen Zonen. Bussen für Übertritte verteilen können die SBB aber keine. Dafür fehlt die rechtliche Handhabe.

Gianni Amstutz
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Noch darf am Bahnhof nach Lust und Laune dem Zigarettenrauch gefrönt werden. Bald ist dies nur noch in gekennzeichneten Zonen auf den Perrons erlaubt. (Bild: Sara Petrillo)

Noch darf am Bahnhof nach Lust und Laune dem Zigarettenrauch gefrönt werden. Bald ist dies nur noch in gekennzeichneten Zonen auf den Perrons erlaubt. (Bild: Sara Petrillo)

Mittwochmorgen, 7.03 Uhr, Bahnhof Wil. Soeben ist der Interregio 13 aus St. Gallen in Wil eingefahren. Während einige Pendler aussteigen und sich ob der langen Abstinenz schnell eine Zigarette anzünden, ziehen andere hastig ein letztes Mal an ihrem Glimmstängel und schnippen ihren Stummel auf die Gleise, bevor sie in den Zug einsteigen. Eine Szene, wie sie sich so oder so ähnlich wohl täglich mehrfach am Bahnhof Wil beobachten lässt.

Doch damit soll nun Schluss sein. In weniger als zwei Monaten, am 1. Juni, wird hier – sowie an allen Bahnhöfen in der Schweiz – ein grossflächiges Rauchverbot umgesetzt. Qualmen wird nur noch an bestimmten Orten auf den Perrons erlaubt sein.

Sauberer, sicherer, mehrheitsfähig

Mit dieser Massnahme wollen die SBB zusammen mit dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV) die Bahnhöfe sauberer und sicherer machen. Denn viele der Stummel landen nach dem Konsum auf den Perrons oder im Gleisfeld. Das wiederum verärgert andere Reisende und verursacht hohe Kosten. Zudem führe eine immer grössere Anzahl Pendler in der Hauptverkehrszeit zu einer grossen Menschendichte. Dies ergebe potenziell heikle Situationen, bei denen die Glut der Zigaretten zu Verletzungen von Reisenden führen könnte, schrieben die SBB zum Start des Pilotversuchs Anfang 2018.

Da dieser gut verlief und die Rückmeldungen der Pendler mehrheitlich positiv ausfielen, entschlossen sich die SBB, ein generelles Rauchverbot in Kraft zu setzen. Die Zustimmung für eine Verschärfung der heutigen, vergleichsweise grosszügigen Raucherpraxis betrug in Umfragen satte 75 Prozent. Trotz der grossen Mehrheit für eine Änderung der gängigen Regeln suchten die SBB und der VöV jedoch einen für alle Seiten akzeptablen Kompromiss. So ist zwar von rauchfreien Bahnhöfen die Rede, in markierten Zonen darf aber weiterhin gepafft werden.

Noch weitgehend unklar ist, wie diese Raucherbereiche aussehen werden und wo sie am Bahnhof Wil platziert werden. Dies sei noch Teil laufender Abklärungen, sagt Raffael Hirt, Mediensprecher der SBB. Jeder Bahnhof sei anders und werde deshalb separat betrachtet. Fest steht: Pro Perron wird es ein bis zwei Raucherbereiche geben. Dass die SBB dabei auf Bodenmarkierungen setzen, wie sie beispielsweise in Deutschland bereits existieren, scheint naheliegend, bestätigen will das Raffael Hirt aber noch nicht. «Wir präsentieren die Kennzeichnung im Juni gemeinsam mit dem VöV der Öffentlichkeit», sagt er.

SBB können Sünder wegweisen

Doch was passiert, wenn sich Raucher nicht an die neuen Regeln halten? Denn während der Pilotphase fehlte den SBB die rechtliche Grundlage, bei Zuwiederhandlungen Bussen auszusprechen. Das wird sich auch im Juni nicht ändern.

Bussen beziehungsweise Verzeigungen könnten nur dort verteilt werden, wo dies bereits vor den Änderungen der Regeln möglich gewesen sei, sagt Hirt. Grundsätzlich seien die SBB jedoch berechtigt, Personen vom Gelände wegzuweisen, die sich nicht an das Verbot hielten. Der Mediensprecher appelliert in dieser Frage an den gesunden Menschenverstand.

«Reisende, die sich nicht an die neue Regelung halten, werden höflich angesprochen und auf die Raucherbereiche auf den Perrons und bei den Zugängen hingewiesen.»

PRO UND CONTRA: Sollen Bahnhöfe rauchfrei werden?

Diese Woche wurde bekannt, dass die SBB ein Rauchverbot an den Schweizer Bahnhöfen in Betracht ziehen. Überfälliger Schutz der Nichtraucher oder staatliche Bevormundung? Eine Redaktorin und ein Redaktor kreuzen die Klingen.