Bahnhofplatz: Verkehr als Problem

WIL. Der Bahnhofplatz Wil soll für geschätzte 34 Millionen Franken umgestaltet und vergrössert werden. Eines der Problemfelder liegt bei der Verkehrsführung. Nun liegt der Vorschlag eines innerstädtischen Grosskreisels vor.

Philipp Haag
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Während der Abfahrtszeiten der Busse herrschen zuweilen unübersichtliche Zustände beim Bahnhofplatz. (Bild: Philipp Haag)

Während der Abfahrtszeiten der Busse herrschen zuweilen unübersichtliche Zustände beim Bahnhofplatz. (Bild: Philipp Haag)

Der Bahnhofplatz in Wil ist eine der Lebensadern der Stadt Wil und gehört zu den Taktgebern der Verkehrsströme. Der Bahnhof ist mit Bahn und Bus die Verkehrsdrehscheibe für die Stadt und die Region Wil. Zuweilen stockt der Takt allerdings, da die Verkehrssituation beim Bahnhofplatz teilweise chaotische Züge annimmt. Ausserdem entspricht der Bahnhofplatz ästhetisch nicht der Visitenkarte, welche einer Stadt wie Wil gut anstehen würde. Aus diesem Grund soll der Bahnhofplatz umgestaltet, umgebaut und vergrössert werden. Ein Masterplan liegt bereits vor. Dieser ist von den involvierten Parteien, der Stadt, den SBB, der Frauenfeld-Wil-Bahn sowie der Wipa, Betreiberin der Tiefgarage unterhalb des Stadtsaals, akzeptiert, wie Stadtrat Marcus Zunzer an einem Informationsanlass mit 200 Zuhörerinnen und Zuhörern im Stadtsaal sagte.

Von 6000 auf 10 000 m²

Beim Bahnhofplatz bestehen neben der unübersichtlichen Verkehrssituation weitere Problemfelder: Die Warteräume für die Pendler sind zu klein und nicht überdacht. Der Bahnhofplatz ist mit hohen Buskanten nicht behindertengerecht ausgelegt. Die Anlieferung für die Shops ist nicht gelöst. Der Zugang zur Haltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn über eine befahrene Strasse ist suboptimal. Die Lösung: Der Bahnhofplatz, bei dem für die nächsten Jahre ein massiver Anstieg der Pendlerinnen und Pendler prognostiziert ist, wird von 6000 auf 10 000 m² vergrössert (60 Meter breit, 180 Meter lang). Dies bedingt die Verlegung der Haltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn um 85 Meter westwärts. Beim Busbetrieb wird das «18 plus 3»-Prinzip angewendet, wie Raumplaner Jan Wenzel sagte. Die 18 steht für die bestehenden Linien (8 für den Stadtbus, 10 für die überregionalen Busse) sowie 3 Reservelinien. Die Anordnung der Busse erfolgt entlang eines Mitteldocks, das sich auf Höhe der Migros in Richtung der Frauenfeld-Bahn erstreckt, was einer Drehung um 90 Grad im Vergleich zur heutigen Situation gleichkommt. Um die verlorengehenden Parkplätze zu kompensieren, soll das Parkhaus ausgebaut werden.

Wie unsere Zeitung bereits berichtete, betragen die veranschlagten Kosten rund 34 Millionen Franken. Rund 15 Millionen Franken entfallen auf den Bahnhofplatz, um die 10 Millionen auf die Frauenfeld-Wil-Bahn sowie 6,5 Millionen auf das Parkhaus. Die Kosten tragen werden die Stadt, allenfalls der Kanton sowie der Bund über das Agglomerationsprogramm. Während die Beteiligung des Bundes feststeht dürfte – 40 Prozent beim Bahnhofplatz, ebenfalls ein Beitrag bei der FW-Bahn, sollte der Bund das dritte Agglomerationsprogramm annehmen –, werden die Beträge der Stadt und des Kantons in den nächsten Monaten erarbeitet, wie Zunzer am Dienstagabend sagte.

Platz für Busspur

Wie sich in der Fragerunde herausstellte, sind es (noch) nicht die beträchtlichen Kosten, welche die Wilerinnen und Wiler beschäftigen, sondern im besonderen der Verkehr. Fritz Aemisegger präsentierte eine gewagte Idee. Er schlug vor, im Stadtzentrum einen innerstädtischen Grosskreisel einzurichten. Den Verkehr über die Obere und die Untere Bahnhofstrasse, die Mattstrasse, die Toggenburgerstrasse bis zur Rudenzburg sowie die Lerchenfeldstrasse einspurig zu leiten, «somit hätte es genügend Platz für eine Busspur». Dem Vorschlag, die Haltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn in den Untergrund zu verlegen, erteilte Matthias Wehrlin, der die Erarbeitung des Masterplans moderierte, sogleich eine Absage: Viel zu teuer. Auch der Empfehlung, den gesamten Bahnhofplatz gegen Westen zu verschieben, hielt Stadtrat Marcus Zunzer die horrenden Kosten entgegen. Bei der Diskussion stellte sich ebenfalls heraus, dass in den Quartieren, im besonderen im Westquartier, Bedenken bezüglich des Verkehrs herrschen, namentlich bei der Winkelriedstrasse, welche den Kindern auch als Schulweg dient. Ebenfalls fiel der Hinweis, den südlichen Teil des Bahnhofs nicht zu vergessen. Zunzer versprach, mit den Quartiervereinen im Kontakt zu bleiben, wie er auch die Anregung aus den Reihen der Zuhörerinnen und Zuhörern aufnahm, eine Echogruppe zu installieren, welche den Planungsprozess begleiten und Inputs aus der Bevölkerung einbringen könnte.