Bahnhof Wil
«Pinkel-Velohalle» am Wiler Bahnhof weicht: Stadtparlament befindet über 4-Millionen-Neubau

Am 20. Mai entscheidet das Wiler Stadtparlament über den Ersatzbau der Veloeinstellhalle am Bahnhof. Nur: Auch ein Ja beseitigt noch nicht alle Hürden.

Andrea Häusler
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Die doppelstöckige Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof soll einem Neubau weichen.

Die doppelstöckige Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof soll einem Neubau weichen.

Bild: Adrian Zeller

«Pinkeln verboten.» Das Hinweisschild beeindruckt so wenig wie die beiden mobilen WCs benützt werden. Selbst das Risiko, beim halböffentlichen Urinieren auf Video aufgezeichnet zu werden, schreckt nicht kollektiv ab. Wildpinkler, Schmutz und Gestank haben die doppelgeschossige Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof gar in die nationalen Schlagzeilen gebracht.

Jetzt aber soll sich alles ändern: Der Schandfleck auf dem Planungsgebiet der «Überbauung Landhausareal» wird abgebrochen. Stimmt das Parlament am 20. Mai dem stadträtlichen Antrag zu, entsteht gleichenorts ein Neubau mit mehr Platz und Infrastruktur. Kostenpunkt (inklusive Provisorien): 4,266 Mio. Franken. Das Baugesuch soll im Herbst eingereicht werden. Bestenfalls könnte mit dem Bau Anfang 2022 begonnen werden.

Helmfächer mit Steckdosen für Elektrovelos

Heute stehen am Bahnhof 433 Velo- und 21 Motorradabstellplätze zur Verfügung – 356 in der zweigeschossigen Einstellhalle und 77 (sowie 21 Motorradplätze) in der eingeschossigen Anlage auf dem SBB-Gelände. Der Ersatzbau sieht rund 600 Veloabstellplätze im ersten Untergeschoss vor. Die 21 Mofa- und Motorradabstellplätze werden in den Einfahrtsbereich der Tiefgarage verlegt. Nebst den Abstellplätzen für Zweiräder – neu auch für Spezialfahrzeuge – ist beim Eingang West eine Self-Service-Werkstatt vorgesehen, in der Reparaturen selbst ausgeführt werden können.

Die Velostation wird darüber hinaus zwei fest eingebaute Toiletten aufweisen. Ausserdem können Helm- und Garderobenfächer gemietet werden, von denen die Hälfte mit einem Stromanschluss für das Laden der E-Velo-Akkus ausgestattet sind.

Während der Bauphase bieten einfache Provisorien aus Holz Ersatz für die beiden bestehenden Veloabstellhallen. Die Standorte sind noch in Abklärung.

Nach wie vor ein Rekurs hängig

Das Projekt bietet viele Optionen. «Neben dem optimalen Anschluss an Folgeprojekte im Rahmen der Bahnhofentwicklung ermöglicht es auch interne Weiterentwicklung», heisst es im Bericht des Stadtrats ans Parlament. So erlaubt die durchgängige, lichte Raumhöhe von 2,90 Metern den Einbau von doppelstöckigen Veloparkierungsanlagen. Damit liesse sich die Parkplatzzahl nachträglich auf maximal 860 anpassen.

Das Projekt birgt Risiken und Abhängigkeiten – insbesondere im Bereich der Erschliessung. Aber nicht nur: Gegen den Sondernutzungsplan Untere Bahnhofstrasse 1-11 ist ein Rekurs hängig, dessen Rückzug vom Bau einer 1492 Quadratmeter grossen Veloanlage mit minimal 600 Plätzen abhängt. Hinzu kommt, dass die Stadt den Vertrag für die doppelstöckige Halle gekündigt hat. Ohne Neubau (oder neuen Vertrag) gäbe es ab 2022 am Bahnhof keine Abstellplätze mehr.