Kommentar
Vier Schnellzüge halten pro Stunde in Wil: Das ist Balsam auf die gebeutelte Wiler ÖV-Seele

Der Bahnhof Wil soll einer der grossen auf der Strecke St.Gallen–Zürich werden – und das schon früher als geplant. Selbst wenn das noch nicht 2025 Realität werden sollte, ist das für die Äbtestadt eine gute Nachricht. Endlich mal wieder.

Simon Dudle
Simon Dudle
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Der Bahnhof Wil soll wieder ein Vollknoten werden.

Der Bahnhof Wil soll wieder ein Vollknoten werden.

Bild: Nik Roth

Der Vollknoten Wil ist längst zerfallen. Teilweise muss 20 Minuten gewartet werden, bis der Anschlusszug losfährt. Auch die Anschlüsse auf das Busnetz passen in gewisse Richtungen nicht. Als wäre das nicht schon genug, löst nun auch das im Dezember eingeführte neue Buskonzept 2021 Unmut aus.

Da ist diese Meldung wohltuend. Sie ist fast schon zu schön, um wahr zu sein. Statt wie bis anhin zwei Schnellzüge pro Stunde sollen künftig deren vier anhalten – also alle Fernverkehrszüge. Und nun macht sich der Kanton auch noch dafür stark, dass dies deutlich vor dem nächsten grossen Ausbauschritt im Jahr 2035 erfolgen soll.

Dieser Zeithorizont ist in der Bahnangebotsplanung allerdings ein äusserst kurzer.

Wirklich realistisch dürfte die Umsetzung per 2025 nicht sein. Die Beschaffung von schnellerem Rollmaterial und Anpassungen auf dem engmaschigen Zürcher S-Bahn-Netz brauchen mehr Zeit.

Und trotzdem ist die Forderung wichtig, da im politischen Kontext zu sehen. Damit unterstreicht der Kanton, wie wichtig ihm dieses sogenannte Vier-Zug-Konzept ist, von dem der Knoten Wil stark profitieren würde. Gerade in der Äbtestadt hat man sich während Jahren zu wenig Gehör für die eigenen Anliegen verschafft – und die Quittung dafür erhalten. Eine solche Forderung ist Balsam auf die gebeutelte Wiler ÖV-Seele.