Bäume und ihre Kräfte

Am Samstag konnten Naturliebhaber in Flawil einen «bäumigen» Nachmittag erleben. Rolf Zingg referierte draussen und in der Gemeindebibliothek über Bäume. Am prasselnden Feuer konnte man dann auch einer Geschichte lauschen.

Beatrice Oesch
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Nach dem Spaziergang war das prasselnde Feuer zum Aufwärmen vor der Bibliothek sehr willkommen. (Bilder: bo.)

Nach dem Spaziergang war das prasselnde Feuer zum Aufwärmen vor der Bibliothek sehr willkommen. (Bilder: bo.)

FLAWIL. Am Samstagnachmittag fanden sich rund 25 Personen bei der Reithalle in Flawil ein, um an einem literarischen Baumspaziergang teilzunehmen. Organisiert wurde der Anlass vom Naturschutzverein Flawil und Umgebung in Zusammenarbeit mit der Gemeindebibliothek. Der «Wildkräutermann» Rolf Zingg wollte auf dem «Buureweg» die sieben Planetenbäume vorstellen. Das «Hudelwetter» machte jedoch den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. So wurde nur ein kurzer Marsch zu einer Birke und einer Eiche unternommen und der Rest des Vortrags in die Gemeindebibliothek verlegt. Davor wartete bereits von weitem sichtbar ein heimelig flackerndes Feuer in einer Feuerschale. Trudi Loher, Angelika Heer und Mirjam Widmer trugen am wärmenden Feuer die Geschichte «Die Tannenkönigin» von Ute Menze vor, und anschliessend setzte Rolf Zingg in der Bibliothek seinen Vortrag fort.

Baumkrone spiegelt Blattform

Aus seinem grossen Wissensschatz konnte Rolf Zingg die Anwesenden mit viel Erstaunlichem überraschen. «Wenn Sie im Winter eine Baumkrone betrachten, können sie darin die Blattform des Baums erkennen», sagte er und erläuterte es mit Bildern. Er erklärte, dass im Kosmos die Geschehnisse auf der Erde beeinflusst werden, und ordnete den sieben Planeten je einen Baum zu, wie es bereits die Kelten getan haben. Dann informierte er über die ambivalenten Eigenschaften und Heilkräfte der Bäume. So beeinflusst die Buche, der Saturnbaum, das Denken positiv, und aus ihren Bucheckern kann man Öl gewinnen. Rindentee wirkt fiebersenkend, und aus den Spänen kann man Essig herstellen. Der Venusbaum Birke wirkt aufheiternd. Aus einem Rindenanteil, dem Birkenleder, kann man Körbe und Taschen herstellen. Der Jupiterbaum Ahorn ist ein Freund des Lebens, und seine Rinde wird stark von Moosen und Flechten bewachsen. Auch bei den Vögeln ist er sehr beliebt. Er liefert zuckerhaltigen Ahornsaft und hervorragendes Schnitzholz.

Nicht alltägliche Geschenke

Die Eiche, der Marsbaum, hat witterungsbeständiges Holz, und aus den Eicheln kann man ein Mehl herstellen, das mit Weizenmehl vermischt ein schmackhaftes Brot ergibt. Früher wurden vielerorts Schweine mit Eicheln gefüttert. Auch von Ulmen, Kirschen und Eschen wusste der Referent viel zu erzählen. Nach dem Vortrag konnten von Rolf Zingg hergestellte und ansprechend präsentierte Baumprodukte betrachtet und auch gekauft werden. Diese Gelegenheit für garantiert nicht alltägliche Weihnachtsgeschenke wurde rege genutzt. Es gab Birken-Haarwasser, Buchenlikör und -essig, Hochprozentiges aus Kirschen mit Klatschmohn, Ulmen-Denkkissen und Handschmeichler aus Ahorn. Dampfender Lindenpunsch und Angelika Heers Lebkuchen bildeten einen süssen Abschluss.

Rolf Zingg (rechts) vermittelte viel Wissenswertes über Bäume.

Rolf Zingg (rechts) vermittelte viel Wissenswertes über Bäume.