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Bär und Schnecke heiraten nach achtjähriger Hochzeitsvorbereitung

Der Gemeindevereinigung von Wil und Bronschhofen ging während über acht Jahren ein intensiver politischer Prozess voraus. Nun wird sie Tatsache. Die Wiler Zeitung blickt auf die Meilensteine der Fusion zurück. September 2004 – Der Grenzstein kommt ins Rollen November 2005 – Die Motion als nicht erheblich erklärt Februar 2008 – Die Räte nehmen das Gespräch auf Juni und Juli 2009 – Ja zur Grundsatzabstimmung September 2009 – Bereit für Detailabklärungen Dezember 2009 bis Juli 2010 – Vier Foren zur Fusion Februar und Mai 2011 – Das Wiler Parlament sagt Ja Juli 2011 – Das Volk gibt beiderorts grünes Licht September 2012 – Die ersten gemeinsamen Wahlen 28. November 2012 – Die Budgetversammlung 31. Dezember 2012 – Die Vereinigung wird vollzogen
Silvan Meile

WIL/BRONSCHHOFEN. Per 1. Januar 2013 fusionieren Wil und Bronschhofen. Zu den derzeit rund 18 000 Einwohnern Wils kommen 4500 aus Bronschhofen, Rossrüti, Trungen, Maugwil, Uerental, Boxloo und Gampen dazu. Wo bereits seit Jahren die Siedlungsgebiete fliessend ineinander übergingen, werden nun die Grenzen offiziell abgeschafft.

Die FDP-Fraktion des Wiler Stadtparlaments reicht eine Motion von Christof Gämperle als Erstunterzeichner ein. Der Antrag lautet: «Der Stadtrat wird beauftragt, dem Parlament Bericht und Antrag zu einer Fusion der Politischen Gemeinde Bronschhofen mit der Stadt Wil zu unterbreiten.» Im Motionstext werden vor allem geographische, finanzielle und organisatorische Vorteile einer Gemeindefusion hervorgehoben.

Das Stadtparlament behandelt die Motion. Mit 19 zu 17 Stimmen wird sie als nicht erheblich erklärt. Dem Stadtrat wird vorgehalten, beim Werben um die Bronschhofer Braut zu wenig Anstrengungen unternommen zu haben. In einer vom Stadtrat im Vorfeld verlangten Stellungnahme des Bronschhofer Gemeinderats zur Motion war unter anderem zu lesen: «Wir erachten Fusionsverhandlungen zum heutigen Zeitpunkt als den falschen Weg.» In Bronschhofen will man zuerst die Einheitsgemeinde realisieren. Eine allfällige Vereinigung der beiden Politischen Gemeinden bleibt aber nicht nur in der Fastnachtsgesellschaft ein wiederkehrendes Gesprächsthema.

Die Räte der beiden Gemeinden vereinbaren die Aufnahme von Gesprächen über eine mögliche Fusion. Eine Projektgruppe für Vorarbeiten wird ins Leben gerufen.

Das Geschäft «Fusion» ist zurück im Stadtparlament. An zwei Lesungen behandelt es das Geschäft «Vereinigung der politischen Gemeinden Wil und Bronschhofen / Grundsatzabstimmung». Mit 37 Ja- und einer Nein-Stimme bei einer Enthaltung wird es gutgeheissen. Damit ist der Weg frei für eine Grundsatzabstimmung an der Urne in den beiden Gemeinden.

Die Bronschhofer sowie die Wiler Stimmberechtigten legen an der Grundsatzabstimmung vom 27. September 2009 ein deutliches Ja in die Urne und setzen damit ein Zeichen für eine gemeinsame Zukunft beziehungsweise für detaillierte Abklärungen einer Vereinigung. In Bronschhofen liegt der Ja-Anteil bei 76 Prozent, in Wil sind es 79 Prozent. In der Gemeinde Bronschhofen vermag die Grundsatzabstimmung 51 Prozent, in Wil 44 Prozent der Stimmberechtigten zum Gang an die Urne bewegen.

Vier Foren zur Fusion, zwei davon öffentlich, werden unter dem Motto «mitreden und mitdenken» zu den Themen des Vereinigungsbeschlusses abgehalten. Dazu eingeladen sind alle: politisch, religiös, sportlich und kulturell organisierte Bevölkerungskreise sowie Jugendvereine, Organisationen älterer Menschen, Ortsbürgerschaften, Korporationen, Quartiervereine, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervereinigungen, Hauseigentümer- und Mieterorganisationen sowie Vertretungen der Wirtschaft und des Gewerbes.

Das Stadtparlament berät den Vereinigungsbeschluss in zwei Lesungen. Die Parteien SVP, Grüne Prowil und GLP kritisieren unter anderem diverse noch offene Fragen sowie die als negativ eingeschätzten finanziellen Folgen für Wil. Rückweisungsanträge finden in beiden Lesungen keine Mehrheit. Immer wieder Thema ist der Bronschhofer Steuerfuss von 152 Prozentpunkten und dessen Anpassung an das Wiler Niveau von 124 Prozent. Die kontrovers geführten Diskussionen enden in der Abstimmung mit einer Empfehlung ans Stimmvolk, die Vereinigung gutzuheissen. 23 Parlamentarier sagten Ja , 15 Nein, 2 enthielten sich der Stimme.

Am 3. Juli entscheidet das Stimmvolk. In Bronschhofen sind es drei Viertel und in Wil zwei Drittel, die Ja zur Gemeindevereinigung sagen. Somit ist klar, dass die beiden Politischen Gemeinden per 1. Januar 2013 miteinander verschmelzen. Im Vorfeld der Abstimmung waren es in der Stadt Wil die SVP, die Grünen Prowil und die Grünliberalen, welche sich gegen die Fusion aussprachen. Alle anderen Parteien befürworteten das Vorhaben. In Bronschhofen gab es kaum Widerstand.

Vor der Gemeindevereinigung sind Erneuerungswahlen. Es gilt unter anderem die Nachfolge des abtretenden Wiler Stadtpräsidenten Bruno Gähwiler zu wählen. Auch die Stimmberechtigten der Gemeinde Bronschhofen stimmen mit. Im zweiten Wahlgang macht die Wilerin Susanne Hartmann (CVP) ohne offizielle Parteiunterstützung das Rennen ums Präsidium. Mit dem amtierenden Gemeindepräsidenten Daniel Meili schafft letztlich auch ein Vertreter aus Bronschhofen den Einzug in den Stadtrat der vereinigten Stadt Wil. Das Stadtparlament wird fusionsbedingt und für mindestens eine Legislatur um fünf Sitze vergrössert. Bronschhofen erhält einen eigenen Wahlkreis mit neun Sitzen.

Da das Stadtparlament der vereinigten Stadt Wil erst per 1. Januar 2013 gewählt ist, findet für die Genehmigung des ersten Budgets der neuen Stadt Wil eine Bürgerversammlung statt. Zu dieser wird in den Bronschhofer Ebnetsaal gerufen. 357 Stimmberechtigte – eine Stimmbeteiligung von 2,5 Prozent – nehmen daran teil und genehmigen das Budget von rund 130 Millionen Franken. Während es für die Bronschhofer die letzte Bürgerversammlung sein soll, ist es für die Wiler Stimmberechtigten die erste und gleichzeitig letzte Bürgerversammlung seit der Einführung des Stadtparlaments im Jahr 1985.

Mit dem Jahreswechsel wird die Vereinigung der beiden Politischen Gemeinden Tatsache. Mit einem grossen Fest auf dem Hofplatz begehen die Menschen aus Bronschhofen mit den Wilern gemeinsam den Start der vereinigten Stadt. In dieser wohnen nun rund 22 500 Menschen. Wil ist damit mit deutlichem Vorsprung klar die drittgrösste Gemeinde im Kanton St. Gallen, hinter dem Kantonshauptort und Rapperswil-Jona.

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