Bach, Bach und nochmals Bach

Am Sonntagabend konzertierte das Kammerorchester Flawil im Rahmen des Abendmusikzyklus Flawil-Gossau in Oberglatt. Auf dem Programm: drei Bach-Werke.

Carola Nadler
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Das Kammerorchester Flawil war am Sonntag Gast beim Abendmusikzyklus Flawil-Gossau. (Bild: Carola Nadler)

Das Kammerorchester Flawil war am Sonntag Gast beim Abendmusikzyklus Flawil-Gossau. (Bild: Carola Nadler)

OBERGLATT. Johann Sebastian Bach und ein zur gleichen Zeit lebender Cousin, Johann Bernhard Bach, lieferten die Stücke, die Dirigent Paul K. Haug für das dritte Zykluskonzert in Oberglatt ausgewählt hatte. Ein gewagtes Unterfangen, verlangt das heutige Publikum doch – scheinbar – nach Abwechslung. Fühlt sich durch – scheinbare – Gleichtönigkeit gelangweilt. Doch es gibt sie noch: Musikliebhaber, die ihrem Bach treu sind, die sich des Wertes stilgerechter Musik bewusst sind. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass die Oberglatter Kirche an diesem Sonntagnachmittag überaus gut gefüllt war.

Barockes Vorbild

Von Johann Sebastian Bach standen zwei Instrumentalkonzerte auf dem Programm: Das Oboenkonzert in g-Moll sowie das Konzert für Oboe und Violine in d-Moll, beides mit Streichorchester und Basso continuo, Paul K. Haug sass selbst am Cembalo und dirigierte, wie die barocken Vorbilder, von dort aus.

Oboistin Doris Mende fügte sich sehr elegant in das Klangkonstrukt des Flawiler Orchesters ein. Nach einem überaus kurzen, zweimaligen Akzent am Beginn des Konzertes, eher ein «Hallo, da bin ich», schwang sie sich zu virtuosen, aber unkapriziösen Melodiebögen auf und gestaltete das Adagio über den perkussiven Pizzicati der Streicher traumwandlerisch schön.

Bildhafte Gestaltung

Gemeinsam mit Esther Böck-Giger, der Konzertmeisterin des Flawiler Kammerorchesters, spielte die Oboistin Johann Sebastian Bachs d-Moll-Konzert. Beide Musikerinnen gestalteten dieses Werk als einen lebendigen Dialog, der geprägt war von individueller Eigenständigkeit, die sich durch das harmonische Miteinander definieren konnte.

In Johann Bernhard Bachs D-Dur-Suite zeigte das Kammerorchester schliesslich sein ganzes gestalterisches Können. Klar voneinander abgesetzt, fast schon wie die Charakterstudien der Grieg'schen «lyrischen Stücke», liess Haug seine Musikerinnen und Musiker ein aristokratisch-gesetztes Maestoso mit im Zwischenteil ineinander verschlungenen Strängen, ein energisches, selbstbewusstes «Vitement», ein überaus verspieltes, fast schon ironisches «Maestoso Caprice» interpretieren. Besonders stach dabei das Air heraus, ein durchaus als romantisch zu empfindender Moment, der aber gerade in seiner schlanken Ausführung berührte.

Einmal mehr hatte das Flawiler Kammerorchester unter Dirigent Paul K. Haug bewiesen, dass es ein Meister in der bildhaften, lebendigen Gestaltung ist. Da verträgt es auch drei «Bäche».