AUSTAUSCH: Was und wie wir sind

Klischees sind Teil unseres Lebens, und fast allem oder jedem hängt ein Schild an. Regierungsrat Martin Klöti geht solchen Klischees nach: in Züberwangen am Mittwochabend mit dem Wiler Pfarrer Roman Giger.

Thomas Riesen
Drucken
Teilen
Pfarrer Roman Giger, Moderator Hans Suter und Regierungsrat Martin Klöti (von links) tauschten nicht nur Klischees aus. (Bild: Marlies Scarpino)

Pfarrer Roman Giger, Moderator Hans Suter und Regierungsrat Martin Klöti (von links) tauschten nicht nur Klischees aus. (Bild: Marlies Scarpino)

Thomas Riesen

redaktion@wilerzeitung.ch

Politiker sind nicht weltfremd, mindestens Regierungspräsident Martin Klöti nicht. «Die da oben» können nicht machen, was sie wollen. Und im Fall von Roman Giger ist der Beruf des Pfarrers wirklich etwas für Berufene. Denn in der Kirche wird gestritten, was den Wiler Pfarrer sehr freut. Und die St. Galler sind zwar nicht spröde, aber auch nur bedingt locker.

Zuzwil und Wil auf dem Prüfstand

Der St. Galler Dialekt ist nicht wirklich «wüescht», eher gewöhnungsbedürftig – und Martin Klöti ist kein bunter Hund, während der Pfarrer ein normaler Mensch ist. Und wie war das mit den Zuz­wilern? Sind sie verwöhnt und reich? Das Klischee wurde nicht bestätigt, aber das Abstimmungsergebnis fiel durchzogen aus. Dass die Wiler stolz auf ihre Stadt sind und darum fast vergessen, dass es auch vor und nach Wil etwas gibt, wurde als Klischee mindestens nicht entsorgt. Unbestritten ist aber: Die St. Galler essen ihre Bratwurst ohne Senf. Das wurde deutlich bejaht, genau so wie die Behauptung, dass die meisten der Besucher an die Olma gehen. Klar ist auch, dass «früher nicht alles besser war» und die Wähler der Region regelmässig an Abstimmungen teilnehmen.

Zwei Klischees wurden nicht deutlich entsorgt oder bestätigt: Machen Sie Sommerferien in der Schweiz und kaufen Sie in Konstanz ein? In beiden Fällen war das Ergebnis gemischt. Mit diesen Fragen versuchte Moderator Hans Suter, Redaktionsleiter der «Wiler Zeitung», Klischees auf den Grund zu gehen.

Beamte, Filz, Sparmassnahmen

Auch das Publikum war eingeladen, Klischees anzusprechen, und es folgte der Einladung – denn pro Frage oder Thema gab es Blumen. Das war insofern passend, als dass die Veranstaltung bei der Blumenfamilie Rutishauser über die Bühne ging. Das Publikum hinterfragte, ob beim Kanton zu viele Beamte arbeiten, ob in Wil alles über den Filz läuft und ob der Kanton sparen muss. Die Antworten gaben abwechselnd Martin Klöti und Roman Giger. Beamte gebe es nicht mehr, dieser Status sei abgeschafft, und ein schlanker Staat nicht immer gut. Das mit dem Wiler Filz sehe von aussen nur so aus und wäre schade, wenn sich das durchsetzte. Die Sparmassnahmen seien übertrieben, und die Kirche leiste im sozialen Bereich viel. Klischees thematisieren, um sie zu bestätigen oder eben zu entsorgen. Das war ein Aspekt des Abends. Hans Suter wollte auch ein Klischee schaffen. Er fragte in die Runde, wofür wir in der Region stünden. «Wir sind bodenständig und innovativ», sagte ­Caroline Derungs aus dem Publikum. Diese Definition stiess auf eine breite Mehrheit und wurde gleich verabschiedet. Die Region Wil ist damit um ein Klischee reicher. Martin Klöti bedankte sich beim Publikum für die Bereitschaft, sich auf das Unbekannte einzulassen, und die aktive Teilnahme. Die letzte Station seiner Tour ist die Stadt St. Gallen. Dann hat er in allen St. Galler Wahlkreisen mit Klischees aufgeräumt.