AUSTAUSCH: Bäuerinnen geniessen «ihren» Festtag

Rund 300 Frauen aus dem Kreis Untertoggenburg-Fürstenland sind an die Bäuerinnentagung in Bichwil gekommen, die von der Bäuerinnenvereinigung Bichwil-Riggenschwil-Niederglatt organisiert wurde.

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Selbstbewusst im bäuerlichen Familienalltag und Beruf engagiert: Helen Zehnder, Denise Reinli und Beate Städler (von links). (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Selbstbewusst im bäuerlichen Familienalltag und Beruf engagiert: Helen Zehnder, Denise Reinli und Beate Städler (von links). (Bild: Kathrin Meier-Gross)

«Die Bäuerinnentagung ist etwas Einzigartiges. Es ist der Nachmittag, an dem die Tracht angezogen wird und wir Bäuerinnen die Familie sich selber überlassen», lacht Helen Zehnder. Die Vizepräsidentin des kantonalen Bäuerinnenverbandes kennt dieses Ritual von Kindheit an.

Vor gut 30 Jahren hatte sie schon miterlebt, wie ihre Mutter bei der Organisation der Tagung mitgeholfen hatte. Ihren Einsatz an der Bäuerinnentagung in Bichwil als Überbringerin der Verbandsnachrichten bezeichnet Helen Zehnder als Heimspiel. Ist sie doch in Oberuzwil aufgewachsen und lebt nun in Niederbüren.

Bäuerinnen und Berufsfrauen

Ein Heimspiel hat auch Roman Düring, der, unterstützt von Tochter Rahel, für die musikalische Unterhaltung sorgt. Als Moderatorin steht Denise Reinli im Einsatz. Sie gehört dem Vorstand der gastgebenden Vereinigung an. Wie Helen Zehnder, die ein Teilzeitpensum als Lehrerin erfüllt, ist auch Denise Reinli in ihrem Beruf als Hebamme aktiv. «Viele landwirtschaftliche Betriebe sind auf einen Zusatzverdienst angewiesen. Ich empfinde meinen Beruf als Bereicherung zum bäuerlichen Alltag», sagt Denise Reinli.

Unter der Leitung von Enid Becirovic singen die Kinder vom Chupa-Chups-Chor fröhliche Popsongs. Er freue sich, am internationalen Tag der Frauen so viele Bäuerinnen und Landfrauen in der Gemeinde begrüssen zu dürfen, sagt Cornel Egger. Der Oberuzwiler Gemeindepräsident betont, dass in Zeiten der Beschleunigung auch Zeiten der Entschleunigung einzulegen seien. Häufig begreife man erst nach einem traumatischen Erlebnis, wie kostbar unser begrenztes Leben sei. Bei der Vorstellung der Gemeinde informiert Egger, dass in Oberuzwil gut 120 Personen in der Landwirtschaft tätig sind. Sie betreuen rund 1000 Kühe, über 660 andere Rindviecher bis hin zu 178 Bienenvölkern.

Das Zusammenkommen mit Gleichgesinnten an der Bäuerinnentagung und die schönen Begegnungen schätzt Nicole Rutz von der Flawiler Egg. «Mit kleinen Kindern hat man sonst selten einen freien Nachmittag», sagt sie. Auch Luzia Kunz, ebenfalls von der Flawiler Egg und Floristin, schätzt das interessante Programm der kantonalen und regionalen Verbände. Spannend findet sie, dass es unter den Bäuerinnen doch einige Floristinnen gibt.

In der Familie die Maske fallen lassen

Das Referat hält die Oberuzwilerin Beate Städler, vierfache Mutter, Ergotherapeutin und Gattin eines Bauern. Sie stellt zum Tagungsthema «Ich bin, wer ich bin» eine originelle Art der Sinn- und Persönlichkeitsfindung vor. Ein Erwachsener besitze Masken. Diese seien überlebenswichtig. Von ihnen hänge die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ab. Hinter der Maske würden sich Gefühle verbergen. In der Familie solle man sich trauen, die Masken fallen zu lassen, man selbst zu sein und dafür geliebt zu werden. Zum Wohlbefinden würden auch positive soziale Anlässe wie diese Tagung beitragen.

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch