Ausserschulische Betreuung
Senkrechtstart der Zuzwiler Tagesstrukturen: Schule tritt Hausaufgabenhilfe an «Tagiz» ab

Ein Jahr nach dem Start der Tagesstrukturen Zuzwil (Tagiz) ist das Fazit positiv. Die Zahl der betreuten Kinder hat sich nahezu verdreifacht. Die Praxis brachte jedoch auch Mängel ans Licht: Beispielsweise die Mehrfachbelegung der Küche.

Andrea Häusler
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Tagiz-Leiterin Sabine Plank freut sich: Seit dem Projektstart hat sich die Zahl der betreuten Kinder fast verdreifacht.

Tagiz-Leiterin Sabine Plank freut sich: Seit dem Projektstart hat sich die Zahl der betreuten Kinder fast verdreifacht.

Bild: Andrea Häusler

«Das Schuljahr 2020/2021 ist in Bezug auf die Zahlen kein Referenzjahr», sagt Sabine Plank, Leiterin der Zuzwiler Tagesstrukturen (Tagiz). Zwar liege man jetzt, am Ende des ersten Drittels des dreijährigen Pilotversuchs, auf der Ausgabenseite unter dem Budget. Hingegen hätten die coronabedingten Einschränkungen die Einnahmen erheblich reduziert. Sabine Plank spricht die vorübergehende Einstellung des Mittagstischabgebots im März 2020 an, aber auch den Wechsel zahlreicher Eltern ins Homeoffice.

Start mit 30 Kindern

Nichtsdestotrotz hätten sich das Bedürfnis nach Tagesstrukturen für Kindergarten- und Schulkinder bis zur sechsten Klasse und dem bewusst flexiblen Konzept im ersten Projektjahr bestätigt. Am besten gebucht waren von Anbeginn weg und bis dato die Mittags- und Nachmittagsmodule. Mit gut 30 Kindern war man ins Projekt gestartet. «Heute werden an den fünf Wochentagen gegen 80 Kinder betreut, sagt Sabine Plank. Erheblich gestiegen sei auch die Nachfrage nach dem integrierten Mittagstischangebot. Sabine Plank sagt:

«Die Zahl der ausgegebenen Mahlzeiten hat sich seit Sommer 2020 auf rund 100 verdoppelt.»

Trotz der gestiegenen Kinderzahlen ist der Personalbestand unverändert geblieben. Drei Mitarbeitende waren zum Projektstart aus dem früheren Mittagstisch-Team, drei neu dazugekommen. Wobei es nun, ab dem Schuljahr 2021/22, zu einem (altersbedingten) Wechsel in der Küche kommt.

Einsatz von Springerinnen

Dank der flexiblen Anstellungsbedingungen hätten die Pensen bedarfsabhängig ausgedehnt werden können, sagt Sabine Plank. Nun aber zeichneten sich an zwei Nachmittagen konstante personelle Engpässe ab. Um diese abzufedern, würden nun Springerinnen eingesetzt.

Sowohl die Einrichtung als auch die Abläufe hätten sich bewährt, sagt Sabine Plank. Speziell die Integration der Tagesstrukturen in die Schulanlage Wiesengrund erweise sich als ausgesprochen wertvoll: «Die Lehrpersonen erleben die Kinder im Unterricht, wir in der Freizeit. Die Nähe ermögliche einen direkten Austausch zwischen den Betreuungs- und Lehrpersonen, was bei Auffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern hilfreich ist.»

Kleinere Anpassungen

Ab jetzt gehe es ausschliesslich noch um kleinere Anpassungen, die teilweise auch mit der gestiegenen Kinderzahl zu tun hätten. Als Beispiele nennt sie die Aufteilung der Mittagsessen-Ausgabe auf zwei Stationen oder die Schaffung einer neuen Tischordnung. Organisatorisch bleibt Sabine Plank, die das Angebot in einem 50-Prozent-Pensum leitet, gefordert. «Das ist auch der Preis der hohen Flexibilität bei der Belegung von Modulen und der Möglichkeit, auch kurzfristig Betreuungsmöglichkeiten bereitzustellen.» Gerade Letzteres mache das Angebot aber attraktiv, weiss sie.

Militärbelegung langfristig problematisch

Langfristig «nicht ideal» ist laut Sabine Plank die Nutzung der Küchen- und Mehrzweckrauminfrastruktur durch die Tagiz-Kinder, Ferienlager und das Militär. Wobei die Lagerbelegung in die Ferienzeit falle, wo man ohnehin mehrheitlich unterwegs sei. Anders beim Militär. Sabine Plank sagt:

«Die Räume waren für 2021 für 20 Wochen gebucht.» Wäre die Küche tatsächlich über diese Zeit belegt gewesen, hätten wir ein Problem gehabt.»

Denn die Schulhausküche eigne sich für die Mittagstisch-Küche nicht. Und ein Catering nach dem Modell von Oberuzwil? «Selber zu kochen, hat halt auch etwas», sagt Sabine Plank. «Nicht nur, aber auch, weil damit auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden kann.»

Neu: Schule lagert Hausaufgabenhilfe aus

Die Hausaufgabenhilfe, die bisher einmal wöchentlich während anderthalb Stunden in den Schulhäusern von Zuzwil und Züberwangen angeboten wurde, wird ab dem neuen Schuljahr dem Tagiz übertragen. Allerdings ist die Unterstützung in ein Betreuungsmodul integriert. Das heisst: Wer Hausaufgabenhilfe beanspruchen möchte, muss ein Nachmittagsmodul buchen. Das kostet mehr, als für das schulische Angebot bezahlt werden musste, bietet allerdings auch eine Beaufsichtigung der Kinder über rund drei Stunden.