Ausrichtung nach St. Gallen

Die Gemeinde Flawil schliesst sich dem Agglomerationsprogramm St. Gallen an, da die Bevölkerung gemäss Erhebungen der Gemeinde nach Gossau und St. Gallen ausgerichtet ist. Bestehende Kooperationen in der Region Wil werden beibehalten.

Ivo Rechsteiner
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Flawil. Die Flawiler Bevölkerung ist nicht nach Wil oder Uzwil ausgerichtet, sondern nach Gossau und St. Gallen. Dies sogar mit einiger Deutlichkeit, wie aus Untersuchungen der Gemeinde Flawil zur regionalen Zugehörigkeit hervorgeht (siehe Kasten). Der Gemeinderat hat deshalb entschieden, dass sich die Gemeinde Flawil dem Agglomerationsprogramm St. Gallen anschliessen wird. Die Themen Siedlung und Verkehr werden damit ab sofort prioritär im Agglomerationsprogramm St. Gallen bearbeitet, wie einem Positionspapier der Gemeinde zu entnehmen ist.

«Grössere Projekte und vor allem Planungsvorhaben sowie Bahn und Bus werden künftig auf die regionale Ausrichtung «Ost» abgestimmt», schreibt die Gemeinde. Für strategische Fragen wird ein Lenkungsausschuss gebildet.

«Starker Partner mit Einfluss»

Vom Entscheid erhofft sich der Flawiler Gemeinderat einiges.

Konkret soll die Gemeinde beim Kanton mehr Gewicht erhalten und im Allgemeinen stärker wahrgenommen werden (auch in den Medien). Flawil will sich darüber hinaus auf politischer Ebene als «starker Partner mit Einfluss» positionieren. Ausserdem sei das Bekenntnis zur Region «Ost» Grundlage für Regionalisierungsentscheide bezüglich Verwaltung, und ferner sollen auf diese Weise Doppelspurigkeiten vermieden werden können. Auch hat der Gemeinderat eine Stärkung der Identifikation der Bevölkerung mit der Gemeinde vor Augen.

Nicht das Ziel sei es, «eine offensive subregionale Zentrumsfunktion anzustreben», hält der Gemeinderat fest. Flawil sei vielmehr ein «selbstbewusster Teil einer grösseren Region».

Strukturen beibehalten

Als Gemeinde an der Grenze zweier Agglomerationsprogramme habe Flawil bis anhin bei beiden mitgemacht, wie Gemeindepräsident Werner Muchenberger erklärt. Der definitive Anschluss an das Agglomerationsprogramm St. Gallen bedingt nun aber, dass sich Flawil an demjenigen der Region Wil nicht mehr beteiligt.

Mit der Beschlussfassung sei auch die Zusammenarbeit mit den bisherigen Partnern in der Region Wil zu definieren, hält der Gemeinderat fest. In der Interkantonalen Regionalplanungsgruppe (IRPG) Wil sei beispielsweise ein Beobachterstatus denkbar. Werner Muchenberger versichert: «Kooperationen, die gut funktionieren, werden beibehalten.» Flawil sieht sich nach eigenem Bekunden auch weiterhin als Teil des Wirtschafts- und Lebensraumes Wil-Uzwil-Flawil.

Es sei nicht das Ziel, einen Eisernen Vorhang herunterzulassen, sondern in der Region Wil weiterhin gute Beziehungen zu pflegen.

«Ohne Tabus diskutieren»

«Der Gemeinderat will eine Diskussion über bestehende Strukturen lancieren», sagt Werner Muchenberger. Der Rat wirft beispielsweise die Frage nach einer Neubeurteilung der Wahlkreise auf.

Denn im Wahlkreis Wil-Untertoggenburg, so wird im Positionspapier der Gemeinde festgehalten, sei die Befürchtung eingetreten, dass die Stadt Wil zu dominant werden könnte. Ein eigener Wahlkreis Gossau-Flawil-Degersheim sei keine Utopie mehr, so der Gemeinderat: «Die Ausgangslage hat sich grundlegend verändert.»

Der Gemeinderat lädt die Bevölkerung, Parteien und Organisationen ein, sich zu diesen Themen vernehmen zu lassen.

Der Rat will wissen, ob nebst den Themen Siedlung und Verkehr auch die Bereiche der Politik und der Gesellschaft in die Region «Ost» ausgerichtet werden sollen. Solche Fragestellungen sollen frühzeitig diskutiert und auf die nächste Legislatur angegangen werden. Auch eine weitere Gemeindezusammenarbeit mit Gossau und Degersheim soll Thema sein. «Wir wollen ohne Tabus diskutieren», sagt Werner Muchenberger.

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