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Auspfeifen statt selber pfeifen: In der Region Wil fehlen weiterhin die Fussballschiedsrichter

Die Fussballvereine in der Ostschweiz suchen intensiv nach Unparteiischen für die Spiele der unteren Ligen. Die Gründe für den Mangel sind schnell erklärt: Es fehlt an Kommunikation nach aussen – und Respekt gegenüber Schiedsrichtern. Nun reagiert der FC Wil Breitensport.
Nicola Ryser
Es sind aktuell düstere Zeiten für Schiedsrichter im Regionalfussball. Bild: (Steffen Schmidt)

Es sind aktuell düstere Zeiten für Schiedsrichter im Regionalfussball. Bild: (Steffen Schmidt)

Fussball spielen will und kann jeder, doch Fussballspiele leiten, das will anscheinend niemand; die aktuelle Situation in der Schweizer Fussballlandschaft entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Vor allem in den untersten Ligen, sprich 3. bis 5. Liga, und bei den Junioren mangelt es an Unparteiischen – das zieht Probleme nach sich. Denn die Anzahl Schiedsrichter entscheidet, wie viele Teams am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen dürfen.

Pro Schiedsrichter sind dies zwei Teams des 11er Fussballs, so lautet die Regelung des Ostschweizer Fussballverbands (OFV). Viele Vereine der Region, darunter der FC Flawil oder der FC Wil Breitensport, konnten in der Vergangenheit das vorgegebene Kontingent nicht einhalten und bezahlten eine halbjährige Gebühr à 2000 Franken (die Wiler Zeitung berichtete).

Wo bleibt der Respekt?

Der prekäre Zustand zeigt: Die Rekrutierung an Unparteiischen ist eine Herausforderung. Dennoch muss sie weiter forciert werden, findet Ergün Erler, Schiedsrichter-Verantwortlicher beim FC Wil Breitensport. Für kommenden Dienstag plant er einen Infoabend im Bergholz, um aktiven Vereinsmitgliedern und Junioren das Schiedsrichterwesen vorzustellen: «Es ist wichtig, dass die Leute über die Vorteile Bescheid wissen, die Perspektive wechseln und Verständnis dafür bekommen. Eine solche Kommunikation nach aussen wird viel zu wenig gemacht.»

Erler arbitriert selbst seit einem Jahrzehnt und hat in dieser Zeit den starken Wandel in seinem Sport wahrgenommen – besonders wenn es um das Interesse am Job des Unparteiischen geht. «Haben vor zehn Jahren noch 60 Personen an einem Ausbildungskurs teilgenommen, sind es heute 45. Und die Zahl ist weiter sinkend.» Der Hauptgrund für den Rückgang? Den gebe es nicht, sagt Erler, fügt aber an, dass es mehrere Aspekte seien.

«Leider ist es Tatsache, dass eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber den Unparteiischen entstanden ist, vonseiten der Spieler wie auch den Eltern der Junioren.»

In den Medien würden oft Geschichten publiziert über Schiedsrichter, die bei Ligaspielen bedroht oder sogar Opfer von Gewalttaten geworden seien. Das seien zwar nur Einzelfälle, dennoch schreckten sie ab.

Viel Aufwand, aber mit Honorar entlöhnt

«Der Verband hat bereits vor Jahren reagiert. Schiedsrichter müssen nun nach jeder Partie ein Rückmeldeformular ausfüllen.» Werde darin schlechtes Verhalten bei den Teams oder Zuschauern gemeldet, setze sich der Verband mit dem Verein in Verbindung. «Es ist ein Schutz für uns», sagt Erler. Zudem gebe es bei den Juniorenspielen für die Eltern teilweise bereits Zuschauerzonen, die nicht verlassen werden dürfen.

Aktuell beschäftige man sich zudem mit dem Umgang von Beleidigungen und Reklamationen während der Spiele, die wieder schneller mit Karten sanktioniert werden müssten.

«Es geht darum, Automatismen einzubringen. Die Spieler müssen realisieren, dass sie gewisse Dinge nicht mehr sagen und machen dürfen.»

Ergün Erler betont jedoch, dass der Schiedsrichtermangel auch ein gesellschaftliches Phänomen mit sich trägt. «Allgemein haben Vereine Probleme, junge Leute zu finden, irgendwie fehlt ihnen die Bereitschaft, sich längerfristig zu binden. Das ist bei den Schiedsrichtern nicht anders.»

Hinweis

Am Dienstag, 19. Februar, um 19.30 Uhr stellt Ergün Erler in der Rondelle des Bergholz in Wil das Schiedsrichterwesen vor. Weitere Informationen sind unter www.football.ch/ofv/Ostschweizer-Fussballverband/Schiedsrichter-OFV/ zu finden.

Dabei sei es doch ein Hobby, bei welchem man auch Geld verdienen könne. Nebst dem, dass die Ausbildung bezahlt ist, erhält man beispielsweise pro geleitete 3.-Liga-Partie ein Honorar von 120 Franken. «Zudem kann man alle Spiele im Verband, von Super League bis zu Partien der Nationalmannschaft, gratis besuchen.» Zwar sei der Aufwand gross – pro Saisons müssen mindestens 15 Partien geleitet werden –, dafür könne man wichtige Eigenschaften fürs Leben und auch für berufliche Tätigkeiten mitnehmen.

Diese Vorteile sind für Erler denn auch der Hauptgrund, warum ihn das Schiedsrichtern antreibt: «Es ist eine Persönlichkeitsschulung. Man lernt, mit Druck umzugehen und in Konfliktsituationen zu entscheiden. Immerhin muss man den Umgang mit mindestens 22 Individuen finden. Und das in jedem Spiel.»

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