Ausgeraucht: Die «Blume» schliesst

In Flawiler Restaurants darf, ausgenommen in bewilligten Fumoirs, seit dem letzten Sommer nicht mehr geraucht werden. Das kantonale Rauchverbot macht der «Blume» einen Strich durch die Rechnung. Das Restaurant schliesst.

Melanie Graf
Drucken
Teilen
Die «Blumen»-Wirtin schliesst von sich aus und kommt der Gemeinde zuvor. (Bild: meg.)

Die «Blumen»-Wirtin schliesst von sich aus und kommt der Gemeinde zuvor. (Bild: meg.)

FLAWIL. Zwei Bussen liegen vor Natalija Michaud auf dem Tisch. Bezahlt die Wirtin der «Blume» die Bussen nicht, drohen ihr fünf Tage Freiheitsstrafe. Fünf Tage Knast, weil ihre Gäste in ihrer Bar illegal geraucht haben. Und nun droht ihr die Gemeinde auch noch mit dem Patententzug und der Schliessung des Restaurants. Die Gemeinde lässt der Wirtin die Möglichkeit schriftlich Stellung zu nehmen. Was sie nicht vorhat. «Weitermachen bringt nichts», sagt sie. Die letzten 16 Jahre habe sie nie wirtschaftliche Probleme gehabt, seit das Rauchverbot in Kraft sei, hätte sie nur Ärger. Die Frist für die Stellungnahme läuft bald ab. Auf den 20. April hat sie die «Austrinkete» in der «Blume» angesetzt.

«Fumoir bringt nichts»

Die Wirtin hätte von der Gemeinde aus die Möglichkeit ein Baugesuch für ein Fumoir einzureichen. Marcel Michaud, Natalija Michauds Mann, sagt, dass ein Fumoir in einem 68 Quadratmeter grossen Lokal wie der «Blume» nicht viel bringe. Die meisten ihrer Gäste seien Raucher. Schicke man die Leute nach draussen zum Rauchen, sei der Lärm das Problem, welche die Leute verursachen. Und wenn sie ein Fumoir bauen würden, lohne sich dies nicht, da das Gesetz schon bald wieder geändert und ein ausnahmsloses Rauchverbot durchgesetzt werde. Sie hätten nach Einführung des Gesetztes rund anderthalb Monate das Lokal rauchfrei gehalten, sagt Natalija Michaud. Die Folge davon sei ein Umsatzeinbruch von 45 Prozent gewesen. «Die Gäste waren nervös, rannten ständig nach draussen, um zu rauchen. Gespräche und Diskussionen haben kaum mehr stattgefunden», so die Wirtin. «Wir haben ein anderes Zielpublikum als ein Nobelrestaurant», sagt Marcel Michaud. Ihre Gäste rauchen und trinken. Ihm liege es fern, andere Menschen zu reglementieren. Rauchen und trinken würden die Leute auf ihre eigene Verantwortung tun. «Gästen, denen man etwas verbietet, sind keine Gäste mehr», betont Marcel Michaud. «Als hätten wir keine anderen Probleme auf dieser Welt. Ist Rauchen wirklich ein so grosses Problem im Vergleich zu den Ereignissen in Japan, den Flüchtlingsströmen und den Krieg in Libyen?», fragt sich Marcel Michaud.

Der Gast hat die Wahl

Eigentlich sei das Gesetz lächerlich. Niemand werde gezwungen in der «Blume» einzukehren. Es gäbe unterschiedliche Gastronomie-Angebote, man habe die Wahl, ob man in ein Nobelrestaurant oder in einer «Chnelle» einkehren wolle, so Marcel Michaud weiter. Er bezweifelt, dass es anderen Wirten seit der Einführung des Gesetztes wirtschaftlich besser gehe. Das Gesetz koste den Wirten einen Teil der Existenz, vermutet Marcel Michaud und kritisiert, dass die Wirte sich nicht besser und vor allem zusammen gegen die Einführung des Rauchverbots gewehrt hätten. Es sei die Angst vor den Behörden, vermutet Marcel Michaud weiter, welche sie daran hindert, sich dem Rauchverbot zu widersetzen. «Eine Verfügung macht Angst vor Existenzverlust. Aber ist es nicht das Rauchverbot, welches zur Existenzverlust führt?», fragt sich Marcel Michaud. Er sieht ein, dass alles nichts nützt. Gesetz sei Gesetz. Aber bekanntlich mache ja auch der Ton die Musik. Die Wirtin kritisiert die Gemeinde Flawil, welche in ihrer Schliessungsandrohung sich nicht an einen neutralen Wortlaut gehalten habe. «Anscheinend ist Ihnen nicht bewusst, welch negative Wirkung Ihr Verhalten im Dorf auslöst?», steht im Einschreiben der Gemeinde. Natalija Michaud fühlt sich persönlich angegriffen und fragt sich, welche negative Wirkung das Verhalten auslösen soll.

Reklamationen

Über das laufende Verfahren gegen die «Blume» darf die Gemeinde gemäss Ratschreiber Andreas Eisenring keine Auskunft erteilen. Dass sich die Wirtin gegen das Rauchverbot widersetzt hat, habe Unruhe im Dorf ausgelöst. Im Gemeindehaus seien zahlreiche Reklamationen eingegangen, welche darauf hinwiesen, dass in der «Blume» geraucht werde, so Eisenring. Er habe den von der Wirtin als persönlicher Angriff empfundenen Satz in der Schliessungsandrohung nicht negativ gemeint. Man habe lediglich auf das Beamtendeutsch verzichten wollen und den Hinweis mit einem gut gemeinten Fingerzeig übermitteln wollen.

Was Natalija Michaud nach der Schliessung des Restaurants macht, weiss sie noch nicht. Ein Verkauf oder eine Verpachtung des Lokals schliesst sie nicht aus.

Aktuelle Nachrichten