Ausgegraben und abgehängt

Das Ortsmuseum Flawil zeigt seit gestern Bilder aus dem Gemeindehaus. Über Jahre hat die Gemeinde Werke verschiedenster Künstler und Stile gesammelt. Jetzt wurden sie aus dem Archiv geholt oder in Büros abgehängt.

Mario Fuchs
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FLAWIL. Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seit der damalige Flawiler Ratsschreiber Andreas Eisenring eine Idee hatte. Eisenring wusste, dass es im Gemeindehaus viel einheimische Kunst gibt. Im Laufe der Jahre hatten sich zahlreiche Bilder angesammelt – gekauft an Ausstellungen von Flawiler Kunstschaffenden oder aus Schenkungen. Die Bilder hatten einen klar definierten Zweck: das Gemeindehaus zu schmücken.

Überraschung im Archiv

Eisenring wusste aber, dass im Keller weit mehr Bilder liegen, als in Büros und Gängen gezeigt werden können. Er machte deshalb Urs Schärli, dem Präsidenten des Vereins Ortsmuseum Flawil, einen Vorschlag: «Wie wäre es denn mit einer Ausstellung dieser Werke?» «Die Idee hat mich nicht mehr losgelassen», erzählte Schärli gestern an der Vernissage vor rund 60 Gästen. Von der Verwaltung erhielt er die Genehmigung, in die Archive zu steigen und die Bestände zu sichten. «Was ich antraf, hat mich überrascht.» Er fand eine bunte Mélange von bekannten und unbekannten Namen, von verschiedenen Stilen, Techniken und Epochen. Die Auswahl sei eine echte Herausforderung gewesen, sie sei letztlich «sehr subjektiv, aber auch rücksichtslos», sagte Urs Schärli. Auch Bilder, die sonst in den Büros an der Bahnhofstrasse hängen, durften temporär ins Lindengut zügeln. Dabei erhielt das Ortsmuseum kurzfristig Unterstützung vom Sicherheitsverbund Region Gossau: Zwei Zivilschützer aus dem Bereich Kulturgüterschutz halfen dabei, die Objekte zu erfassen, zu verpacken und zu transportieren.

Eindrücklich, ausdrucksstark

Unter dem Titel «Bilderschatz der Gemeinde Flawil» sind nun bis zum Herbst Werke etwa von Johann Ulrich Steiger, Hans Vijgenboom, Alphons Liberka, Karl Uelliger oder Walther Wahrenberger zu sehen. Eindrückliche Zeitzeugen sind Ansichten von Quartieren, Häusern oder Strassen in Flawil, die es heute nicht mehr gibt; ausdrucksstark sind Porträts von einstigen Flawiler Persönlichkeiten; bewegend sind farbgewaltige Zeichnungen, die Landschaften oder Abstraktes aus neuerer Zeit zeigen.

Gemeindepräsident Werner Muchenberger freute sich am Sonntag, dass diese «einzigartige Dokumentation des heimischen Kunstschaffens» in bestem Licht präsentiert statt im Keller dem Publikum vorenthalten wird. Denn: Kürzlich, so berichtete Muchenberger, habe man das Gestaltungskonzept der Verwaltungsräume angepasst. Wo zuvor in den Gängen einige für diesen Zweck angeschaffte Werke hingen, hängen heute neue Fotografien aus dem Gemeindegebiet.

«Bilderschatz der Gemeinde Flawil», 1.9. bis 1.12., Öffnungszeiten unter ortsmuseumflawil.ch

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