AUSGEDIENT: Wirtschaftsraum löst sich auf

Die Tage des Vereins Wirtschaftsraum Südthurgau sind gezählt. An der Jahresversammlung des Arbeitgeberverbandes Südthurgau wurde dies ungewollt publik. Nun soll der Behördenapéro wieder aufleben.

Thomas Riesen
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AGV-Präsident Thomas De Martin: «Die Scharnierfunktion zwischen Wirtschaft und Politik muss neu definiert werden.» (Bild: Marlies Scarpino)

AGV-Präsident Thomas De Martin: «Die Scharnierfunktion zwischen Wirtschaft und Politik muss neu definiert werden.» (Bild: Marlies Scarpino)

Thomas Riesen

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Rund 70 Mitglieder folgten der Einladung des Arbeitgeberverbandes Südthurgau zur Jahresversammlung. Dabei wurde publik, dass der Verein Wirtschaftsraum Südthurgau aufgelöst wird, bevor der Vorstand dies öffentlich kommunizieren konnte.

Thomas De Martin führte bei der Prematic AG in Affeltrangen zügig durch die Traktandenliste. In seinem Jahresbericht sagte er unter anderem, die bevorstehende Auflösung des Vereins Wirtschaftsraum Südthurgau sei bedauerlich. Er habe eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Politik und Wirtschaft übernommen. Diese müsse nun neu definiert werden. Auch deshalb will der AGV Südthurgau den Behördenapéro wieder aufleben lassen.

Details im Mai an der Medienkonferenz

Mit dieser Ankündigung war Thomas De Martin einer Medienmitteilung des Vereins Wirtschaftsraum Südthurgau zuvorgekommen, die in Arbeit ist. Darüber hinaus ist für Mitte Mai eine Medienkonferenz geplant, bei der die Details bekanntgegeben werden sollen. Dies teilte Bruno Lüscher, Präsident des Vereins, auf Nachfrage mit und bestätigte damit die Aussage des AGV-Präsidenten. Als Hauptgrund nannte er das Ergebnis einer Umfrage unter Mitgliedern und Gemeinden. Der Entscheid sei vergangenes Jahr gefallen; die Mitglieder bereits seit Dezember informiert.

Schwierig und anspruchsvoll gestaltet sich die Harmonisierung der Arbeitgebervereinigungen im Kanton Thurgau, denn die Verbände sind unterschiedlich aufgestellt und bringen unterschiedliche Strukturen mit, weil sie unterschiedliche Arten von Mitgliedern haben und unterschiedlich organisiert sind. Der Präsident des AGV Südthurgau ging ebenfalls auf die nationale Entwicklung der Wirtschaft ein und betonte: «Die prosperierende Pharmaindustrie verfälscht das Bild.»

Doppeltes Nein zum Energiegesetz

Ein aktuelles Thema wurde in Affeltrangen gleich doppelt angesprochen: Das Energiegesetz, über das am 21. Mai abgestimmt wird. Thomas De Martin bedauerte, dass es die wirtschaftsnahen Parteien nicht mehr schafften, eine gemeinsame Parole zu fassen. Als Gast war Nationalrat Hansjörg Walter eingeladen. Sein Referat hatte den Titel «Energiegesetz – Pro und Contra». Er kam zum Schluss, das Gesetz führe zu Rechtsunsicherheit in der Wirtschaft und sei abzulehnen.

«Toplehrling» besonders wichtig

Trotz aller Schwierigkeiten war 2016 für den AGV Südthurgau aber kein schlechtes Jahr. Die Zahl der Mitgliederfirmen stieg von 79 auf 83. Ein Plus wurde auch bei den Lehrlingen und Arbeitnehmern verzeichnet. Als erfreulich wurde mehrfach die Verleihung «Toplehrlinge» erwähnt. Clemens Albrecht warb für mehr Platzierungen von Lehrstellen auf www.skills4u.ch . Der administrative Aufwand sei minim. Versammlung und Referat war eine Betriebsführung vorangegangen. Aber auch der gemütliche Teil kam nicht zu kurz.