Ausflug in die tiefe Vergangenheit

Die Oberuzwiler Pfarreileiterin Ingrid Krucker-Manser konnte eine Studienreise nach Pennsylvania und Ohio mitmachen und dort vor Ort die Lebensweise der Amischen und Mennoniten kennenlernen.

Annelies Seelhofer
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Bea Näf (links) verdankt das beeindruckende Referat von Pfarreileiterin Ingrid Krucker-Manser über ihre Reise nach Pennsylvania. (Bild: Annelies Seelhofer)

Bea Näf (links) verdankt das beeindruckende Referat von Pfarreileiterin Ingrid Krucker-Manser über ihre Reise nach Pennsylvania. (Bild: Annelies Seelhofer)

OBERUZWIL. Unterwegs war Ingrid Krucker-Manser mit einer Zürcher Reisegruppe. Ihren reichen Erfahrungsschatz teilte sie nun am September-Seniorenanlass in der Unterkirche.

Diese Menschen, die aus der Schweiz und anderen europäischen Ländern vor schlimmster Verfolgung geflohen sind, leben noch heute wie zu Zeiten der Reformation. Grund für die Nachstellungen war ihre Ablehnung der Kindertaufe, die sie zu Ketzern stempelte.

Um 1670 herum gründete der englische Quäker William Penn den Staat Pennsylvania und lud die verfolgten Brüder aus Europa dorthin ein. Ausschlaggebend für die Wahl dieses Bundesstaates war die versprochene Religionsfreiheit.

Strikte Kleidervorschriften

Vor allem die Amischen – benannt nach ihrem Schweizer Gründer Josef Ammann – lehnen moderne Errungenschaften grösstenteils ab und leben mitten im modernen Amerika in strenger Ordnung unter sich. Die Mennoniten – nach dem holländischen Reformator und Täufer Menno Simons benannt – bilden heute eine Art Brücke zwischen den Amischen und dem modernen Staat.

Trottinetts gestattet

Amische Familien haben viele Kinder und sprechen unter sich noch immer «Pennsylvania Dutch», eine Art Deutsch. Unterdessen gibt es unzählige Splitteruntergruppen. Der Hauptkompass aller ist jedoch ist die Bergpredigt. Strikte Gewaltlosigkeit und strenge Kleidervorschriften gelten noch heute. Trotz Ablehnung der modernen Welt gibt es heute jedoch viele technische Errungenschaften in den Häusern, einfach von Generatoren oder Photovoltaikeinrichtungen gespeist. Pferde dominieren das äusserliche Leben und Arbeiten.

«Plain People», die Strenggläubigen, dürfen nur acht Jahre zur Schule gehen, selbst Lehrer oder Prediger. Alle werden in einem einzigen Raum unterrichtet. Hauptfächer sind Lesen, Schreiben und Rechnen. Deutsch wird oft als Erstsprache unterrichtet. Alles rund um Aufklärung der Geschlechter oder Evolution ist absolut tabu. In amischen Gemeinschaften sind Versicherungen, aber auch moderne Verkehrsmittel verboten, Trottinetts in Riesenausführung jedoch gestattet.

Tourismus als Einnahmequelle

Man hilft sich in Notlagen gegenseitig aus. Alle Entscheide werden von Männern gemeinsam gefällt. Weil das Ackerbauland langsam knapp wird, gibt es unterdessen viele florierende Handwerksbetriebe. Da sieht man dann die neuesten technischen Hilfsmittel wie PC und Internet, die im privaten Rahmen verboten sind. Der Tourismus ist zu einem wichtigen Ertragsfaktor geworden.

2003 entschloss sich die Zürcher Landeskirche zu einer versöhnlichen Geste gegenüber den ehemals so schändlich behandelten Christen aus ihrem Kanton.