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AUSBILDUNG: Berufswahl entgegen allen Klischees

Noch immer gibt es Frauen- und Männerberufe. Daria Scherrer hat sich entschieden, einen für ihr ­Geschlecht untypischen Beruf zu lernen. Die Lütisburgerin lässt sich in Flawil zur Polymechanikerin ausbilden.
Daria Scherrer an ihrem Arbeitsplatz in Flawil, umgeben von Maschinen und im Alltag auch von Männern. (Bild: Delia Hug)

Daria Scherrer an ihrem Arbeitsplatz in Flawil, umgeben von Maschinen und im Alltag auch von Männern. (Bild: Delia Hug)

Bei der Berufswahl der Oberstufenschülerinnen und -schüler spielen verschiedene Faktoren mit. Gesucht ist ein Beruf, der den Interessen und Neigungen des oder der Jugendlichen am besten entspricht. Kristallisiert sich für ein Mädchen ein Männerberuf heraus oder für einen Knaben ein Frauenberuf, stehen sie plötzlich vor der Wahl, ob sie ihrem Berufswunsch nachgeben oder dem Klischee entsprechend auf eine andere Ausbildung setzen sollen. Daria Scherrer aus Lütisburg hat sich für das erstere entschieden. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie im Betrieb der Büchler Reinli und Spitzli AG in Flawil.

Wenig Respekt, dafür umso mehr Vorurteile

Es ist laut, und die Latzhose gehört zur Arbeitskleidung. Klingt nicht gerade nach einem typischen Arbeitsort einer jungen Frau. Daria Scherrer ist da anderer Meinung. Für die 18-Jährige war schon früh klar: Im Büro sitzen wird sie auf keinen Fall. «Elektrikerin gefiel mir gar nicht. Floristin hätte mir eigentlich zunesagt, aber mit diesem ganzen Latein konnte ich überhaupt nichts anfangen», macht die Lernende im dritten Lehrjahr unmissverständlich klar. Ihr Vater, gelernter Polymechaniker, hatte ihr zu einer Schnupperlehre in seinem Metier geraten. Schliesslich fiel ihr die Entscheidung leicht, ebenfalls eine Ausbildung zur Polymechanikerin zu absolvieren.

Sie war noch nie ein typisches Mädchen

Für Daria Scherrers Eltern und deren Bekanntenkreis war das keine Überraschung. «Ich bin und war nie ein typisches Mädchen. Ich spiele ja auch schon lange Fussball», erklärt sie selbstbewusst. Nötig für die Lehrstelle waren nur gerade drei Bewerbungsschreiben. Dass sie eine Frau ist, sei für den Ausbildner nie ein grosses Thema gewesen. «In einem Betrieb in Uzwil wollten sie sogar unbedingt mehr Frauen, doch das Unternehmen war mir zu gross», sagt die Lütisburgerin. Im jetzigen Lehrbetrieb in Flawil, der Büchler Reinli und Spitzli AG, sei ihr Ausbildner sehr zufrieden mit ihr. Obwohl die Firma im Vorfeld mit dem weiblichen Geschlecht weniger gute Erfahrungen gemacht hatte.

Allen Vorurteilen zum Trotz fühlt sich Daria Scherrer zwischen ihren 60 männlichen Arbeitskollegen ganz wohl. Obwohl es anfänglich schwierig gewesen sei: «Meine Arbeitskollegen hatten wenig Respekt und viele Vorurteile gegenüber Frauen.» Doch die forsche Frau erarbeitete sich ihre Anerkennung im Betrieb. Und vor allem könne sie nun besser mit den Klischeevorstellungen umgehen.

Auf die Frage, was ihr denn an diesem Beruf am meisten zusage, findet sie keine konkrete Antwort. «Ich will bestimmt die nächsten Jahre in diesem Beruf weiterarbeiten, und später werde ich in die Firma meines Vaters eintreten», hat sich Daria Scherrer vorgenommen.

Und was für ein Geschäft hat ihr Vater? Nein, keinen Blumenladen, sondern einen Zementwarenbetrieb.

Delia Hug

delia.hug@toggenburgmedien.ch

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