Nach 16 Jahren ist Schluss: Der Präsident des Niederbürer Kirchenverwaltungsrates tritt zurück

Richard Holenstein tritt auf Ende Jahr als Präsident des Kirchenverwaltungsrates Niederbüren zurück.

Interview: Tobias Söldi
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Dem Dorf verbunden: Kirchenverwaltungsratspräsident Richard Holenstein wohnt seit über 30 Jahren in Niederbüren.

Dem Dorf verbunden: Kirchenverwaltungsratspräsident Richard Holenstein wohnt seit über 30 Jahren in Niederbüren.

Bild: Tobias Söldi

Richard Holenstein ist ein umtriebiger Niederbürer, engagiert in Politik, Gesellschaft und Kultur. Er war während 14 Jahren Präsident der CVP-Ortspartei, steht dem Textilmuseum Sorntal vor und amtet seit nunmehr 16 Jahren als Präsident des Kirchenverwaltungsrates Niederbüren. Zudem leitet er den 2017 gegründeten Zweckverband der Seelsorgeeinheit Oberbüren-­Niederbüren-Niederwil. Damit ist bald Schluss: Ende Jahr tritt der 65-jährige gelernte Chemielaborant von den beiden letztgenannten Ämtern zurück.

Würde Niederbüren ohne Sie anders aussehen?

Richard Holenstein: Das glaube ich nicht. Vielleicht würde es an ein paar wenigen Stellen etwas anders laufen. Aber das heisst nicht, dass es schlechter laufen würde, ganz und gar nicht. Bescheidenheit ist wichtig. Es gibt so viele tolle Ideen und Dinge, die im Dorf umgesetzt werden, da darf man sich auch nicht zu viel auf die eigenen Tätigkeiten einbilden.

Nun treten Sie als Präsident des Kirchenverwaltungsrates und des Zweckverbandes zurück. Warum?

Alles hat seine Zeit. 65 Jahre ist ein gutes Alter, um aufzuhören. Und 16 Jahre sind eine lange Zeitspanne, obwohl die Zeit auch sehr schnell vergangen ist. Die Freude ist gross, dass es sich gelohnt hat, diesen Weg miteinander zu gehen.

Am Samstag findet Ihre Verabschiedung statt. Welche Gefühle überwiegen?

Es freut mich, dass es eine Verabschiedung gibt. Das ist eine Ehre. Natürlich ist auch etwas Wehmut dabei, ich hatte eine tolle Zeit. Aber aus der Wehmut wird schnell Freude: Meine Nachfolge ist geregelt, die Zukunft sehr gut gesichert. Es erfüllt mich mit Stolz, das Amt so übergeben zu können.

Was hat Sie zu Ihren Engagements motiviert?

Es hat mir immer Freude gemacht, mit guten Leuten auf eine konstruktive Art zusammenzuarbeiten und gemeinsam etwas zu gestalten.

Ganz ziehen Sie sich aber nicht zurück. Sie bleiben eine weitere Amtsdauer Mitglied im Katholischen Kollegium des Kantons St.Gallen.

Ja. Dafür fühle ich mich noch nicht zu alt. Als Kollegiumsmitglied fungiere ich als Bindeglied zwischen der Kirchgemeinde und dem Kollegium. Niederbüren kann so weiterhin von meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk profitieren. Ich werde den Kirchenverwaltungsrat jeweils informieren, was es Neues und Spezielles gibt, was es zu beachten gilt.

Sie werden also weiterhin präsent sein?

Ich stehe dem Kirchenverwaltungsrat für Fragen zur Verfügung, aber ich werde mich nicht einmischen. Es ist nicht meine Meinung, dass der Rat genauso weitergeführt werden muss, wie ich es gemacht habe.

Welches waren die Höhepunkte in Ihrer Amtstätigkeit?

Da gibt es einige: die Orgelweihe 2003, das Kirchweihfest 2016, die Wegkreuze, der Rebberg auf dem Kirchengrund 2010, die Zusammenarbeit im Rat sowie mit den Priestern und Seelsorgern.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?

Die Finanzierung von Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten war immer ein Thema. Eine Herausforderung war es auch, Abgänge in der Seelsorge wieder gut zu ersetzen; bei den Priestern hatten wir in dieser Hinsicht nie Probleme. Ganz selten mussten wir auch ein Machtwort sprechen. Wir hatten in Personalsachen aber zum Glück nie grosse Schwierigkeiten.

Was hat sich über die Jahre verändert?

Mit der Digitalisierung sind die Möglichkeiten im Umgang mit Informationen viel grösser geworden. Das hat auch die Verwaltungsarbeit professionalisiert. Ferner bildete die Kirchgemeinde Niederbüren früher noch eine eigene Einheit. Mit der Seelsorgeeinheit, dem Pfarreiforum oder dem Zweckverband sehen sich die drei Kirchgemeinden Oberbüren, Niederbüren und Niederwil mittlerweile als Gemeinschaft.

Über das Ganze gesehen, geht es der Kirche aber nicht besonders gut.

Das könnte einem manchmal fast etwas Angst machen. Die Kirche hat heute nicht mehr die Bedeutung wie noch in meiner Jugend. Ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass wir in einer Sättigungsgesellschaft leben. Vor lauter Angebot und Möglichkeiten verliert die Kirche an Anziehungskraft. Aber die Kirchenobrigkeit muss auch die Zeichen der Zeit erkennen und sich weiterentwickeln.

Trotzdem waren Sie der Institution immer treu.

Ich habe den Glauben an den Glauben nie verloren. Es ist wichtig, sich an etwas zu orientieren. Gerade weil der Glaube nichts Physisches ist, muss man sich der christlichen Werte bewusst werden und sie leben.

Gab es Momente, in denen Sie ans Aufhören dachten?

Die Frage nach dem «Wieso» ist nie aufgekommen. Aber natürlich ist es neben dem Beruf manchmal ein bisschen viel geworden. Es gab einige Abende, an denen es spät geworden ist.

Was machen Sie nun mit der neugewonnen Zeit?

Im Textilmuseum stehen noch viele Projekte an. Ich kann mehr Zeit mit meiner Frau und meiner Familie verbringen und kleinere Reisen unternehmen. Auch dem Rebberg möchte ich mich intensiver widmen und vermehrt meinen Hobbys Film und Fotografie nachgehen. Und natürlich auch ein wenig die Füsse hochheben.

Hinweis: Verabschiedungsgottesdienst: Samstag, 14. Dezember, 18 Uhr, Kirche Niederbüren, mit Umtrunk auf dem Kirchplatz.