Aus der Sicht der SBB ein Ausbau

WIL. Der Wegfall des morgendlichen Entlastungszugs von Flawil, Uzwil und Wil nach Zürich schlägt – zu spät – hohe Wellen. Während man sich in Wil und Umgebung abgehängt fühlt, erwartet man bei den SBB kein Chaos ab Mitte Dezember.

Simon Dudle
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Da in Wil um 7 Uhr künftig ein «Doppelstöcker» anstelle des Neigezugs Richtung Zürich fährt, werden 235 Plätze mehr angeboten. (Bild: Simon Dudle)

Da in Wil um 7 Uhr künftig ein «Doppelstöcker» anstelle des Neigezugs Richtung Zürich fährt, werden 235 Plätze mehr angeboten. (Bild: Simon Dudle)

Der Ärger ist gross, dass ab dem 14. Dezember zur morgendlichen Hauptverkehrszeit ein Entlastungszug wegfällt. Sowohl der Neigezug um 7.06 Uhr als auch der Interregion um 7.11 Uhr sind stark frequentiert. Die Befürchtung ist, dass bei der einzig verbleibenden 7-Uhr-Verbindung nach Zürich künftig der Stehplatz zur regelmässigen Notlösung wird.

Jörg Ostwald, Teamleiter Personenverkehr/Fernverkehr der SBB, sagt: «Wir haben sowohl in der Planungsphase als auch in der Vorbereitung der konkreten Umsetzung versucht, diesen Zug in gleicher oder ähnlicher Form wieder anbieten zu können. Das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen hat sich ebenfalls intensiv für die Beibehalten eingesetzt. Allerdings mussten wir konstatieren, dass wir keinen Erfolg hatten.» Trotzdem ist aus Ostwalds Sicht nicht alles schlecht: «Der verbleibende Zug ist künftig nicht mehr ein Neigezug, sondern ein Doppelstock-Intercity, der 235 Sitzplätze mehr anbietet. Zudem erwarten wir, dass viele St. Galler Kunden aus dem Raum Rorschach, St. Margrethen und Altstätten den <Sprinter> nutzen und zusätzliche Kapazität für die Wiler in diesem Zug bereitsteht.»

Alle Gleise belegt

Der 7.11-Uhr-Entlastungszug ist auch darum eine gute Sache, weil er der einzige des Tages ist, der via Wallisellen (statt den Flughafen) nach Zürich Hauptbahnhof verkehrt – und auch in Zürich Oerlikon anhält. «Die Reisenden aus der Region Wil fahren grösstenteils bis Winterthur und Zürich. Die Nachfrage nach Wallisellen und Oerlikon ist deutlich geringer», sagt Ostwald. Konkret seien ab Wil etwa 50 Reisende betroffen, ab Flawil und Uzwil total etwa 15 bis 20. Für Reisende nach Oerlikon stellt die SBB künftig ab Zürich Flughafen einen zusätzlichen Zug zur Verfügung, der die Umsteigezeit aus der Ostschweiz am Flughafen nach Oerlikon auch am Morgen auf sechs Minuten reduziert.

Der Grund, wieso der Morgenzug gestrichen wird, ist übrigens nicht in der Ostschweiz zu suchen, sondern in Zürich. Da ab Dezember deutlich mehr Züge verkehren, sind im Hauptbahnhof zu jeder halben Stunde alle Gleise belegt. Für Züge, die ausserhalb des Taktes verkehren, hat es also keinen Platz mehr.

Nur temporär München direkt

Ein weiteres Argument der SBB ist, dass Wil ab Dezember von direkten Angeboten nach Vorarlberg und Bayern profitiert, da der Eurocity viermal täglich auch in Wil halten wird. «Allerdings aus heutiger Sich nur temporär bis 2020», sagt Ostwald.

Alles in allem spricht er von einer «deutlichen Angebotsverbesserung» für die Strecke St. Gallen–Wil–Zürich, da das Fernverkehrs-Angebot Zürich–St. Gallen durch die Einführung eines zusätzlichen Intercity-Zuges pro Stunde und Richtung um rund 50 Prozent erhöht wird.