Aus der Dorfgeschichte Dietschwils ist ein Buch mit Dorfgeschichten geworden

Als am Samstagnachmittag die langersehnte Dietschwiler Dorfchronik vorgestellt wurde, wollten alle dabei sein.

Christof Lampart
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Co-Autor Armin Eberle stellt das Buch vor.

Co-Autor Armin Eberle stellt das Buch vor.

Bild: Christof Lampart

Es war ein Freudentag für Dietschwil. Nach jahrzehntelanger «Reifung» und einiger Jahre äusserst akribischer Arbeit stellten der frühere Dorfschullehrer Max Baumann und sein ehemaliger Schüler und heutiger Freund Armin Eberle die gemeinsam verfasste Dorfgeschichte «Dietschwil und Schönau» in der Dietschwiler Kapelle der Öffentlichkeit vor.

Anhand des «Werdegangs» des Buches lässt sich durchaus sehen, dass die Autoren weder bei Recherche und Forschung noch bei der Umsetzung des Werkes Kompromisse eingingen. «Ursprünglich hatten wir ein Buch von 220 Seiten im Format 16 auf 23 geplant, am Ende wurden es 275 Seiten im Format 20 auf 28», so Eberle.

Man sei so vor der Wahl gestanden, ob man 100 Seiten streichen sollte, um das ursprüngliche Format einzuhalten, oder ob man ein finanzielles Risiko eingehen sollte in der Hoffnung, dass es dann schon gut kommen werde, berichte Eberle. Das Autoren-Duo entschied sich für die Variante «Augen zu und durch» und wurde für so viel «Blindheit» nun belohnt. Denn es liegt nun ein Geschichtswerk über Dietschwil und Schönau vor, dass bis in die jüngste Vergangenheit hineinreicht. Was durchaus eine heikle Sache sein kann.

Denn zum einen ist die historische Gewichtung von jüngst geschehenen Ereignissen nicht immer einfach, und zum anderen vermischen sich bei vielen «Fakten» ungewollt oft Recherchiertes mit den Erinnerungen der Schreibenden. «Da war es gut, dass wir zu zweit waren und unsere Gedanken abgleichen konnten», so Eberle.

Umfassend recherchiert, lesenswert geschrieben

Max Baumann erinnerte daran, dass er, als er 1961 als Junglehrer seine erste Stelle antrat, nicht nur 45 Schüler in sechs Klassen unterrichtete, sondern auch, dass sich damals Skepsis im Dorf über die Befähigung des pädagogischen Greenhorns breitmachte: «Ein Schüler meinte zu seinen Eltern: ‹Der bleibt nicht lange; der kommt aus der Stadt und hat einen Schnauz›», gab Baumann eine Erinnerung zum Besten. Aber auch wenn die Zeit in Dietschwil schön gewesen sei, so sei nicht immer alles Sonnenschein im Dorf gewesen: «Es gab grosse Spannungen wegen der Güterzusammenlegung», erinnert sich Baumannn. Dies führte – wie im Buch nachzulesen ist – sogar dazu, dass Mitglieder aus dem Männerchor austraten.

Genau diese «menschlichen» Seiten dringen immer wieder in dem Buch durch – und sind seine grosse Stärke. Kleine Porträts längst einstiger Dorfberühmtheiten wie Alois Thaler, Erinnerungen aus Kindheitstagen (Heinz Kägi) oder die Schilderung des ziemlich archaischen Schulbetriebs in den 1960er-Jahren (Max Baumann) machen aus der Dorfgeschichte ein Buch mit Dorfgeschichten – und somit gerade deshalb besonders lesenswert.

Das Werk ist zudem reich bebildert, führt viele interessante Statistiken und Listen auf und ist sogar mit zwei herausnehmbaren Karten ausgestattet, auf denen ersichtlich ist, wann alle Häuser in Dietschwil und Schönau gebaut wurden.

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