Aus dem Sprint wird ein Marathon

Der Wahlsonntag hat gezeigt: Die Zeit ist noch nicht reif für einen Nationalrat kosovarischer Herkunft. Der Wiler SP-Mann Arber Bullakaj verpasst die Wahl deutlich, den ersten Reserveplatz knapp. Nun will er den Sprung in den Kantonsrat schaffen, um Migranten eine Stimme zu geben.

Simon Dudle
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Arber Bullakaj Nichtgewählter Kandidat Nationalrat (Bild: pd)

Arber Bullakaj Nichtgewählter Kandidat Nationalrat (Bild: pd)

WIL. «Ich will gewählt werden», sagte Arber Bullakaj im Verlauf des Wahlkampfs. Er wollte in den Nationalrat, um Menschen eine Stimme zu geben, die keine haben, sprich den Migranten. Es war allerdings eine gewagte Aussage, da die zwei bisherigen SP-Nationalrätinnen Barbara Gysi (Wil) und Claudia Friedl (St. Gallen) wieder kandidierten und der Gewinn eines dritten Sitzes nicht realistisch war. So kam es dann auch: Auf Gysi fehlten Bullakaj über 15 000 Stimmen, auf Friedl gut 10 000. Er blieb also chancenlos. «Ich habe mir hohe Ziele gesetzt. Da besteht das Risiko, dass man sie nicht erreicht. Von den erstmals Kandidierenden war ich der einzige mit über 17 000 Stimmen. Die meisten schaffen das im dritten oder vierten Anlauf», sagt Bullakaj.

«Ein trauriger Rechtsrutsch»

Knapper war es im Rennen um den ersten Reserveplatz, der auch ein Türöffner nach Bundesbern sein kann. Auf diesen fehlten Bullakaj nur knapp 700 Stimmen. «Der neunte Listenplatz hat dazu geführt, dass ich vom einen oder anderen gestrichen wurde», sagt der Wiler. Zudem glaubt er, dass diverse Stimmen für ihn ungültig gewesen sind. «Viele Leute wissen nicht, wie man wählt. Die Stimmkarten für die Nationalratswahlen haben ausgesehen wie eine Infobroschüre. Darum wurde mein Name oftmals bei den Ständeratswahlen hingeschrieben.»

Das Resultat ist jedoch für Bullakaj Motivation, sich noch stärker politisch zu engagieren. «Ich habe immer gesagt, dass ich nicht einen 100-Meter-Sprint mache, sondern einen Marathon. Dieser beginnt nun», sagt der Unternehmer. Der Weg soll in den St. Galler Kantonsrat führen. Für diesen kandidiert er mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit. Die Wahl findet Ende Februar des nächsten Jahres statt. Zu den Gewinnern der SVP sagt der Wiler Stadtparlamentarier: «Die Bevölkerung wird noch merken, dass sie übertrieben auf die paar Flüchtlinge reagiert hat. Das ist ein ganz trauriger Rechtsrutsch.»

Auch sonst kein Kosovare

Bullakaj war nicht der einzige Kosovare, der am Sonntag den Einzug in den Nationalrat verpasst hat. Noch deutlich weniger Stimmen (1657, siehe Grafik links) entfielen auf den Wiler Prend Berisha von der Jung-CVP.

Näher dran war in der Innerschweiz die gebürtige Kosovarin Ylfete Fanaj. Auf die Präsidentin der SP-Fraktion des Luzerner Kantonsrats entfielen gut 16 000 Stimmen, was aber weder zum direkten Einzug noch zum ersten Reserveplatz genügte.