Aus dem Scheitern gelernt

Marco Wunderli aus Kirchberg hat im Rahmen seiner Maturaarbeit ein Verfahren entwickelt, um Komponenten, die zur Wasserqualität der Thur beitragen, zu überprüfen.

Natalie Brägger
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Marco Wunderli hat für seine Maturaarbeit viel im Chemielabor der Kantonsschule in Wil gearbeitet. (Bild: nb.)

Marco Wunderli hat für seine Maturaarbeit viel im Chemielabor der Kantonsschule in Wil gearbeitet. (Bild: nb.)

Kirchberg/Wil. Die Thur und ihre Wasserqualität – ein Thema, das die Bevölkerung immer wieder beschäftigt. «Die Thur ist einer der dreckigsten Flüsse in der Schweiz», heisst es immer wieder. Faktisch ist der Anteil gereinigter Abwasser in der Thur im Vergleich zu anderen Flüssen relativ hoch, weshalb das Baden in diesem Fluss nicht empfohlen wird. Dramatisch ist die Wasserqualität laut Angaben des Amtes für Umwelt oder Energie aber keinesfalls.

Marco Wunderli aus Kirchberg hat sich im Rahmen seiner Maturaarbeit aber trotzdem mit der Qualität des Thurwassers auseinandergesetzt. Interessiert haben ihn dabei aber nicht primär die Resultate, sondern das Verfahren der Überprüfung sowie die Arbeit im Labor.

«Nicht nur am Pult hocken»

Mit Wirtschaft und Recht hat der 18-jährige Kirchberger nämlich ein eher theoretisches Schwerpunktfach für seine Kantizeit gewählt.

Die praktische Arbeit fehlt ihm vor allem im vierten Jahr, da die Naturwissenschaften mit den dazugehörigen Praktiken bereits nach sechs Semestern abgeschlossen werden. Also hat sich Marco Wunderli für eine praktische Arbeit entschieden. «Ich wollte für meine Maturaarbeit nicht nur am Pult hocken», erklärt er, zudem hätten ihn Naturwissenschaften schon immer interessiert. Bald hatte der Kirchberger seine konkrete Forschungsfrage gefunden.

Er setzte sich zum Ziel herauszufinden, welche Auswirkungen die landwirtschaftlichen Tätigkeiten entlang der Thur auf deren Wasserqualität haben. Der Hauptteil von Marco Wunderlis Arbeit bestand jedoch darin, dass er eine Methode für die Überprüfung der Wasserqualität fand und anwendete. Dazu hat sich der Maturand zuerst in Büchern und im Internet informiert.

Stunden im Labor verbracht

Als Parameter für die Untersuchung der Wasserqualität wählte er schliesslich Ammonium und Nitrat, da diese beiden Stoffe durch das Düngen von landwirtschaftlichen Flächen in die Thur gelangen können. Im September vergangenen Jahres entnahm er der Thur in der Nähe des Fussballplatzes in Niederstetten sowie bei der Mühlau in Bazenheid Wasserproben.

Anschliessend hat er diese mit der von ihm gewählten, äusserst komplizierten Methode, die er vorher mit normalem Hahnenwasser getestet hatte, ausgewertet. «Die Arbeit im Labor hat mir am meisten Spass gemacht», betont Marco Wunderli, sie sei aber auch sehr aufwendig gewesen. Er habe nicht wenige seiner freien Nachmittage im Labor der Kantonsschule in Wil verbracht.

Keine eindeutigen Aussagen

Während ihm die praktische Arbeit im Labor grosse Freude machte, bereitete Marco Wunderli das Berechnen der Ammonium- und Nitrat-Werte aufgrund der Laborergebnisse Schwierigkeiten. Bis zum Schluss sind ihm dabei kleine Fehler unterlaufen, so dass sein Endresultat nicht richtig war. Dies bemerkte Marco Wunderli, weil er die Wasserproben als Referenz auch von einem professionellen Labor in Winterthur untersuchen liess.

«Meine Resultate sind zwar nicht brauchbar, aber jene des professionellen Labors zeigen, dass die Thur zum Zeitpunkt der Probenahme nicht negativ betroffen war», erklärt der Kirchberger. Dass seine Resultate nicht aussagekräftig sind, stört ihn wenig, da er weiss, dass er seine Methode richtig gewählt und angewandt hat, und die Fehler bei der Berechnung unterlaufen sind.

«Ich habe einen grossen Erfahrungsschatz betreffend Laborarbeit gewonnen», bilanziert der Kantonsschüler. Zudem habe er von Anfang an gewusst, dass er nur mit den Parametern Ammonium und Nitrat keine ganzheitliche Aussage über die Wasserqualität machen könne. Eine Tatsache, die Marco Wunderli beim Erstellen seiner Maturaarbeit bewusst geworden ist, betrifft die Wichtigkeit einer guten Planung.

«Eine theoretische Arbeit kann man in zwei Wochen schreiben, Laborarbeit muss im Voraus sehr gut geplant werden», unterstreicht er.

In loser Folge stellt die Wiler Zeitung einige Maturaarbeiten vor, die sich mit regionalen Themen befassen.