Aus dem Osternestchen geplaudert

Suchen und Finden, Fasten und Essen, Hasen und Hühner, Freunde und Familie – Die Redaktion der Wiler Zeitung macht sich Gedanken über die kommenden Fest- und Schlemmertage.

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Endlich wieder «Schoggi»

Die Ostertage sind für mich schon seit vielen Jahren das Ende einer – ich würde nicht sagen Leidens-, aber doch Durchhaltezeit. Jeweils am Aschermittwoch nehme ich mir den Vorsatz, bis zu Ostern keine Süssigkeiten zu essen. Keine einfache Aufgabe für jemanden, der beim Dessertbuffet eher zweimal ansteht als nur einmal. In den 40 Tagen vor Ostern sind Schoggimousse und Co. für mich aber strikte tabu. An vielen Tagen fällt mir der Verzicht auch gar nicht so schwer. Mühsam wird es bei Einladungen zu Geburtstagen – da gibt es zum Glück meistens auch Pommes Chips – oder beim gemütlichen Kaffee. Um wegen Zuckermangels nicht ganz sauer zu werden, legt man sich in der Fastenzeit Strategien zurecht: Die Milch wird mit zwei statt nur einem Löffel Nesquik getrunken, und das doch eher süsse Knuspermüesli steht plötzlich oben auf der Ernährungshitliste. All diese Strategien können mir die Vorfreude auf den Ostersonntag jedoch nicht nehmen. Zum Frühstück verspeise ich nämlich morgen zuerst eine Portion Schokolade. Natalie Brägger

Suchen und Finden

Während die meisten am Ostermorgen ganze Osternestchen verstecken, sind es in meiner Familie die bunten Ostereier, die farbgetreu und möglichst getarnt an den unmöglichsten Orten deponiert werden. Egal welche Variante gewählt wird, der Spass am Suchen ist bei den Eiern definitiv ausgedehnter. So freue ich mich am Ostermorgen darauf, die besten Verstecke mit farbigen Eiern zu bestücken – die Herausforderung an die Suchenden steigt mit dem Alter der Kinder. Rotes Ei auf blauem Sofa, das war einmal. Jetzt liegen die Eier in Astgabeln von Büschen, in Scheiterbeigen oder ducken sich unter üppig blühenden Primelbüscheln im Garten. Zwölf versteckten Eiern stehen elf gefundene gegenüber. Wo ich die versteckt habe? Weiss ich nicht mehr. Nun, der Herbst wird es richten.

Monique Stäger

Das süsse Lächeln

Kaum haben die Warenhäuser die Weihnachtsdekoration abgeräumt, übernehmen Osterhasen die Überhand. Bergeweise lächeln sie mich an und lassen mich von einer Versuchung zur nächsten stolpern. Nach reiflicher Überlegung, ob es denn nun ein Nougat, Mandel oder derselbe wie letztes Jahr sein soll, steht dem Kauf nur noch die innere Stimme im Weg. Denn in meiner Familie gilt: kein Schoggihase vor Ostern. Gar nicht so einfach für einen Schoggiliebhaber wie mich. Als Lösung sehe ich nur in eine Möglichkeit: Den süssen Hasen wenn immer möglich ausweichen. Einen Strich durch die Rechnung macht mir allerdings ein von der Firma überreichter Hase. Von seinem Platz auf dem Schreibtisch schenkt er mir Tag für Tag ein verführerisches, süsses Lächeln. Dies hat nun zum Glück ein Ende. Belinda Halter

Spontane Besucher

Ostern sind ideal für Besuche bei Freunden und Familienangehörigen. Persönlich ziehe ich es vor, Besuche auf das ganze Jahr zu verteilen, statt über wenige Tage einen Besuchsmarathon zu absolvieren. Also geniesse ich die meisten freien Tage mit Kind und Kegel zu Hause und warte gespannt darauf, wer zu uns kommt. Denn an Ostern bekommt meine Familie und ich immer Besuch. Ob angemeldet oder nicht. Zum einen wohl, weil wir an einem schönen Ort mitten in der Natur wohnen, zum anderen, weil die Leute wissen, dass wir immer einen vollen Kühlschrank und einen Grill im Garten stehen haben. Ich mag spontane Besucher, meistens jedenfalls, und freue mich, Freunde und Familienangehörige zu sehen. Solange sie wieder irgendwann gehen, und vor allem bevor ich die Fenster öffnen und den Staubsauger laufen lassen muss. Melanie Graf

Heute ist es besser

Ostern waren für mich lange Jahre ein Graus. Mein Problem war jeweils, dass es für mich ausser der Springkonkurrenz in Amriswil keine aktuellen Sportanlässe gab, von denen ich für die Dienstagausgabe berichten konnte. Wohl oder übel produzierte ich jeweils im Vorfeld von Ostern «Konserven», mit der Konsequenz, dass ich dafür über Ostern frei hatte. Unterdessen ist vieles anders geworden. Auch über Ostern wird Fussball gespielt. So stehe ich zwar am Samstag und Ostermontag im Einsatz, darf dafür Aktualität auf der Regionalsportseite publizieren. Auf diese Ostern respektive auf meine Einsätze heute und am Montag freue ich mich ganz besonders. Das Wetter soll sehr gut sein, die Temperaturen warm. Was gibt es Schöneres, als bei diesen Voraussetzungen am Spielfeldrand eines Fussballplatzes zu stehen. Urs Nobel

Ostern im Nestchen

In der Kindheit war es geregelt. Jedes hatte sein Körbli, das kurz vor Ostern verschwand, mit grünem papierenen Gras, Zuckereili und einem Schoggihasen gefüllt wurde und erst am Ostersonntagmorgen wieder hinter einer Holzbeige zum Vorschein kam. Die Zeit hat sich geändert, die Osternestli-Tradition ist geblieben. Zwar hat der Sohnemann kein Körbli, aber er hat eine Schachtel, die mit grünweiss kariertem Papier überzogen ist. Das ist seine Osternestli-Schachtel. Jeweils vor Ostern übergibt er diese – natürlich an den Osterhasen. Darin sind Zeichnungen und Bastelarbeiten zu finden, die er während des Jahres für den Osterhasen hergestellt und in der Schachtel gelagert hat. Aus Papier geschnittene Eier, bunt bemalt, ein Papierband mit Hasenohren, das er sich über den Kopf stülpen kann, und Hasen in allen Farben und Variationen. Diese bringt er in den Wald und freut sich über die Begegnung mit dem Osterhasen höchstpersönlich – noch fast mehr als über den süssen Inhalt am Ostersonntagmorgen. Zita Meienhofer

Ein Ei

Das Ei. Ein Wort das weniger Buchstaben hat als sein Artikel. Sein unbestimmter Artikel führt das Wort sogar selber mit. Egal. Zumindest mir. Mir geht es beim Ei wie den Politikern mit der Politik: um Inhalt. Das sagen sie zumindest in der «Arena». Das schöne an Ostern ist aber nicht etwa, dass die Politsendung ausfällt, oder dass die Eier die Regenbogenfarben reproduzieren, sondern dass die Verfügbarkeit von Eiern höher ist als sonst. Für einen wie mich, der Geschenke in Zeitungspapier einpackt, müssten die Eier nicht mal angemalt werden. Eben: Inhalt. In der Beiz steht auf dem Tisch neben der Menage (Salz-, Pfeffer- und Streuwürze-Behälter) ein Körbchen mit Eiern. Auch in privaten Haushalten macht der Früchtekorb temporär den Eiern Platz. Überall wird das Eiertütschen zelebriert. Vom Typ her bin ich eher ein Rührei-Typ. Zum Zmorgen, zum Zmittag oder zum Znacht – ich könnte Rühreier das ganze Jahr essen, was ich auch mache. Zu Spiegeleiern habe ich ein zwiespältiges Verhältnis, ich mag sie zwar gerne auf der Rösti, aber es passiert mir regelmässig, dass der Dotter in der Pfanne platzt. Und dann greife ich kurzerhand zum Schwingbesen, schwinge weiter bis zum Rührei. Beim Osterei – passiert mir das nicht. Die kommen ja so aus dem Huhn, oder aus dem Hasen?

Sebastian Keller