Aufwertung
Thursanierung Wattwil: Der Kanton will ein Teilprojekt vorziehen

Oberhalb der Brücke Waisenhausstrasse in Wattwil soll die Thur auf rund 420 Metern Länge aufgeweitet werden. Zugleich sollen die Seitenbäche Uelisbach und Stelzenbach ökologisch aufgewertet werden. Das Projekt, das zur Thursanierung gehört, dürfte rund 4,8 Millionen Franken kosten.

Martin Knoepfel
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So soll die Thur nach der Revitalisierung oberhalb der Brücke der Waisenhausstrasse aussehen.

So soll die Thur nach der Revitalisierung oberhalb der Brücke der Waisenhausstrasse aussehen.

Bild: PD

Rund 60 Personen kamen am Mittwoch in den Wattwiler Thurpark für die Vorstellung des ersten Teilprojekts der Thursanierung bei Ulisbach. Möglicherweise drückte die Konkurrenz der Champions League und der Eishockey-Playoffs auf das Publikumsinteresse. Gegner waren nicht gekommen oder blieben stumm.

Geplant ist, das Flussbett bei Ulisbach auf rund 420 Metern von der Brücke der Waisenhausstrasse an flussaufwärts auf maximal 40 Meter zu verbreitern und ökologisch aufzuwerten. Auch der Uelisbach und der Stelzenbach werden bei der Thurmündung verbreitert und naturnah gestaltet. Die Einmündung des Uelisbachs wird flussaufwärts verlegt. Für die Bevölkerung wird ein einfacher Zugang zum Fluss geschaffen.

Der heutige Zustand der Thur bei Ulisbach. In der Bildmitte die Bahnbrücke und am oberen Bildrand die Waisenhausbrücke.

Der heutige Zustand der Thur bei Ulisbach. In der Bildmitte die Bahnbrücke und am oberen Bildrand die Waisenhausbrücke.

Bild: PD

Vertreter des Kantons sagten, dass die Verbauung der Thur in Wattwil beschädigt sei. Bei Hochwasser könnten die Ufer einstürzen, was grosse Schäden verursachen würde. Zudem müsse man die Verbauungen an höhere Hochwasserspitzen anpassen, hiess es. Das sei der Hauptgrund für das Gesamtprojekt. Das Teilprojekt bei Ulisbach präjudiziere das Gesamtprojekt aber nicht.

Mehr Forellen in der Thur gezählt

Fische und viele andere Tiere brauchten diesen Lebensraum, sagte Christoph Birrer, Leiter der Abteilung Fischerei im Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Bachforellen laichen gerne in Bächen. Wegen der Schwellen bei der Einmündung des Uelisbachs in die Thur könnten sie aber nur bei Hochwasser dorthin aufsteigen.

Wenn die Thur breiter werde, gebe es Kiesbänke, sagte Christoph Birrer. Man wolle im Flussbett mit Steinhaufen, Baumstämmen und Ästen Strukturen schaffen, die Schatten sowie Lebensräume für Fische und Kleintiere schaffen. Der Schatten sei wichtig, damit das Wasser im Sommer nicht zu heiss wird. Im Rickenhof sei das Ufer naturnäher gestaltet worden. Jetzt leben dort viel mehr Forellen als vorher.

Der Stelzenbach soll näher an den Uelisbach rücken

Das rechte Ufer werde durch Steinaufschüttungen, Buhnen, gesichert. Auf dem linken Ufer gibt es laut Projektingenieur Ueli Schälchli Verbauungen. Die Mündung des Uelisbachs in die Thur wird umgestaltet, damit Fische aufsteigen können.

Ueli Schälchli.

Ueli Schälchli.

Bild: Martin Knoepfel

Geplant ist, den Uelisbach zu verbreitern und den Stelzenbach näher an den Uelisbach zu rücken. Das erleichtert laut Ueli Schälchli die Bewirtschaftung der Wiesen. Zudem kann man Gewässerraum einsparen: Wo sich die beiden Gewässerräume überschneiden, sinkt der Platzbedarf von 34 auf 27 Meter. Der Stelzenbach erhält ein naturnäheres Bett.

Was bleibt ist die Regel, dass man im Gewässerraum weder düngen noch Pestizide spritzen darf. Der betroffene Bauer unterstützt offenbar das Teilprojekt. Der Thurweg wird teilweise vom Fluss zurückverlegt und die Unterführung unter der Bahn behindertengerecht umgebaut.

Kosten auf 4,8 Millionen geschätzt

Die Verbreiterung und Aufwertung der Thur bei Ulisbach soll rund 4,2 Millionen Franken kosten. Die Seitenbäche schlagen mit 600’000 Franken zu Buche. Bei beiden Zahlen ist die Genauigkeit 15 Prozent.

Philipp Gyr.

Philipp Gyr.

Bild: Martin Knoepfel

Laut Philipp Gyr, Projektleiter im Amt für Wasser und Energie, müssen laut Gesetz die Gemeinden 25 Prozent der Kosten der Wasserbauprojekte an kantonalen Gewässern tragen. Den Rest bezahlen Bund und Kanton. Der Kostenteiler für die Seitenbäche müsse noch ausgehandelt werden.

Gesamtprojekt bewilligungsfähig

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil, erinnerte an die verheerenden Überflutungen vom Juli 2021 in Deutschland. Die bauliche Entwicklung habe dazu geführt, dass die Thur heute in Wattwil ein Bauwerk sei und das bleiben werde, sagte Alois Gunzenreiner. Der Gemeinderat unterstützt das Vorziehen des Teilprojekts.

Philipp Gyr versprach allen, die sich an der Mitwirkung für das Teilprojekt beteiligen, eine Antwort. Weiter betonte er, dass das 2019 ausgearbeitete Gesamtprojekt für die Thursanierung grundsätzlich bewilligungsfähig sei, aber noch überarbeitet werden müsse.

Das Ziel sei, dass 2023 der Mitwirkungsprozess für das Gesamtprojekt stattfindet und dass der Kredit 2024 in den Kantonsrat kommt. Den Baubeginn für das Gesamtprojekt erwartet er nicht vor 2026.

Teil der Alleebäume soll in «Baumschule» kommen

In der Diskussion kritisierte eine Frau, dass so viele Bäume an der Thur gefällt werden sollen. Eine andere Votantin befürchtet Störungen der Tier- und Pflanzenwelt, wenn sich viele Menschen an der Thur aufhalten. Ein Vertreter des Fischereivereins kritisierte, dass man die Thur auf dem linken Ufer oberhalb der Bahnbrücke nicht verbreitere.

Ueli Schälchli anwortete, dass man Bäume fällen müsse, wenn man den Fluss verbreitern wolle und dass man die linke Uferlinie wegen der Grundwasserfassung Rickenhof nicht antasten könne. Zudem war zu erfahren, dass jüngere Alleebäume in eine Art Baumschule verfrachtet und nach Vollendung des Gesamtprojekts wieder am Fluss eingepflanzt werden sollen.

Die Mitwirkung dauert noch bis zum 9. Mai. Weitere Informationen über das gesamte Projekt der Thursanierung in Wattwil findet man auf www.thursanierung-wattwil.ch.