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Aufstieg in die Königsklasse

Radprofi Reto Hollenstein darf sich freuen. Der Wechsel von IAM zu Katusha kommt einem sportlichen Aufstieg gleich. Neu wird er Teamkollege von Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.
Urs Huwyler
Reto Hollenstein hat sich dank dem Teamwechsel beruflich wesentlich verbessert. (Bild: Urs Huwyler)

Reto Hollenstein hat sich dank dem Teamwechsel beruflich wesentlich verbessert. (Bild: Urs Huwyler)

Jahrelang gehörte die russische Sportgruppe Katusha wegen diverser Doping(vor)fälle nicht zu den Imageträgern der Radszene. Damit soll nach einem Neustart 2017 Schluss sein. «Das Team heisst Katusha-Alpecin, startet mit einer Schweizer Lizenz, Kader und Organisation sind international ausgerichtet», stellt Reto Hollenstein (Sirnach) klar. «Ich bin felsenfest überzeugt, dass 2017 bei Katusha alles anders sein wird. Sonst würde ich nicht wechseln», betonte an einer Medienkonferenz der in Mannenbach-Salenstein lebende vierfache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.

Zwischendurch schien es, als könnte Reto Hollenstein die Karriere nach dem Rückzug des bisherigen Arbeitgebers IAM in keinem World-Tour-Team weiterführen. Vielmehr zeichnete sich ein Wechsel zu einem Continental-Team ab. Es waren keine einfachen Wochen für den 31jährigen Familienvater. Zumal andere, keineswegs erfolgreichere Fahrer eine neue Mannschaft fanden. «Ich hatte zwar lose Kontakte, aber es ergaben sich keine konkreten Angebote. Es brauchte Geduld.» Die Situation liess sich mit der einer Fussball-Mannschaft vergleichen: Erst werden die Regisseure verpflichtet, danach die idealen Ergänzungen gesucht.

Zwei Lokomotiven für das Zeitfahren

Katusha feierte in der abgelaufenen Saison 25 Siege (40 weitere Podestplätze), gehörte jedoch in den Zeitfahren nie zu den Favoriten. Mit Martin/Hollenstein stossen zwei Lokomotiven dazu. Die Leader Alexander Kristoff und Ilnur Zakarin bleiben. Er habe jedes Jahr dazu gelernt, mache jetzt Schritte, die andern früher gelängen, vermutet Hollenstein. Der zweite Rang in der Belgien-Rundfahrt oder Platz neun im WM-Zeitfahren bestätigen diese Einschätzung. Kein anderer Schweizer Elite-Fahrer erreichte an der WM eine Top- 10-Klassierung.

Der sportliche Aufstieg in die Königsklasse kommt einer Genugtuung gleich. Lange wurde Reto Hollenstein trotz seiner Grösse (197 cm) von der Radsportwelt und den Medien übersehen, ihm keine Leistungen auf höchstem Niveau zugetraut. Interesse an seiner Person bestand vor allem nach Stürzen. «Für mich ist der neue Vertrag eine Bestätigung, dass ich mir als Helfer, der seine eigenen Ambitionen zurückstellt und seine Aufgaben erledigt, in der Szene einen Namen erarbeitet habe. Im nachhinein gehöre ich zu jenen Fahrern, die sich verbessern konnten. Das stärkt das Selbstvertrauen.» Nächste Woche finden am Gardasee bereits die ersten Kadertage statt. Insgesamt stossen neun Neue zur Mannschaft.

Das russische Kontingent wurde um rund sieben Fahrer reduziert. «Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe in einem internationalen Spitzenteam. Die Erwartungen und der Druck werden zwar steigen, aber ich bin überzeugt, noch nicht an der Leistungsgrenze angelangt zu sein. Dies möchte ich 2017 beweisen.»

Küng und Albasini bleiben in ihren Teams

Seine Thurgauer Micarna-Teamkollegen Stefan Küng (Wilen) und Michael Albasini (Lanterswil) haben noch Verträge bei BMC beziehungsweise bei Orica BikeExchange. Küng wurde an der WM im Zeitfahren nach seiner mehrwöchigen Verletzungspause unter seinem Wert geschlagen (17.), Albasini verzichtete auf den Hitze-Start auf dem flachen Parcours in Doha – und gehörte damit indirekt zu den Gewinnern, nachdem die Schweizer den Postabgang verpasst hatten und nur eine Nebenrolle spielten.

Das Trio aus der Region dürfte künftig noch öfters bei Positionskämpfen aufeinander treffen. BMC (Küng) nimmt im World Ranking Platz vier, Orica (Albasini) fünf und Katusha sechs ein. Der bisherige Arbeitgeber IAM folgt auf Rang 17. «Zuerst geht es für mich darum», so Reto Hollenstein, «dass ich mich während der Vorbereitung positionieren und für die Aufgebote empfehlen kann.»

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