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Aufruhr in Flawil: Das Baumfällen gefällt nicht jedem

Als «Kahlschlag» und «falsche Vorgehensweise» wird die Baumfällung am Bahnhof in Flawil von einem Bürger bezeichnet. Die Gemeinde nimmt Stellung zu den Vorwürfen.
Angelina Donati
Nur noch der Strunk und der unebene Wurzelboden erinnern an den Kastanienbaum. (Bild: Angelina Donati)

Nur noch der Strunk und der unebene Wurzelboden erinnern an den Kastanienbaum. (Bild: Angelina Donati)

«Diese Arbeit zeugt nicht vor Respekt gegenüber der letzten Generation», erzürnt sich ein Leser der «Wiler-Zeitung». Gemeint ist die Fällung mehrerer Bäume, die vor wenigen Wochen am Bahnhof in Flawil vonstattenging. Zum einen war es der grosse Kastanienbaum am Rande des Bahnhofplatzes, zum anderen vier weitere Bäume, die auf Höhe der Migrolino-Filiale gediehen. «Der Kastanienbaum hätte höchstwahrscheinlich noch Jahrzehnte lang leben und Schatten spenden können», bedauert der Leser. Und fährt fort: «Zu behaupten, der Baum sei verfault gewesen, ist eine Lüge.» Ausserdem ist er sich sicher, dass der Baum der geplanten Neugestaltung des Bahnhofplatzes zum Opfer gefallen ist.

Der Flawiler Bahnhofplatz mit und ohne Bäume

Dieser Behauptung widerspricht die Gemeinde vehement. «Fäulnis ist sowohl am Stammfuss als auch am oberen Bereich entdeckt worden», sagt René Bruderer, Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur Flawil. Ausserdem sei die Baumgrube für den rund 60-jährigen Baum seit Jahren zu klein. Das habe sich schon jetzt negativ auf das Wachstum ausgewirkt. Die Grösse der Baumgrube hätte auch künftig nicht ausgereicht, um eine gesunde Weiterentwicklung des Baumes zu gewährleisten. Statt tief in der Erde breiteten sich die Wurzeln direkt an der Bodenoberfläche aus. Deshalb sei der Baum mit zu wenig Nährstoffen versorgt worden. Im Weiteren hätten die Wurzeln Verletzungen aufgewiesen. «Heute werden solche Gruben mit einer Betonmauer von einem Meter Tiefe gebaut», sagt Bruderer. «Damit gibt man den Pflanzen automatisch die Wuchsrichtung der Wurzeln vor.» Allerdings sei dies nur bei Neubepflanzungen machbar.

Wurzeln verursachen Flickwerk auf Asphalt

Der Fakt, dass die Fällung des grossen Kastanienbaums nach Ankündigung innert weniger Tage über die Bühne ging, war dem aufgebrachten Bürger ebenfalls ein Dorn im Auge. «Das war doch bewusst so geplant, damit keine Opposition ergriffen werden konnte.» Und weiter: «Eine Vorgehensweise, die nicht korrekt war und so nicht akzeptiert werden darf.»

Eine Nacht und Nebelaktion war es nicht, wie der Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur sagt. Tatsächlich aber habe die Gemeinde Flawil schnell reagieren müssen. Die ursprüngliche Planung der Neugestaltung des Bahnhofplatzes hätte diesen Baum zwar nicht tangiert, wie Bruderer weiter ausführt. Doch eine Begehung vor Ort mit dem Revierförster, einem Baumpfleger sowie Vertretern des Naturschutzvereins Flawil und Umgebung habe aufgezeigt, dass der Baum krank war und nicht zuletzt auch wegen dessen künftigen Auswirkungen gefällt werden musste.

Damit die Nutzer der Postauto-Busse, die nun provisorisch dort halten, nicht über den unebenen Wurzelboden stolpern, habe man vorübergehend den Belag an vereinzelten Stellen mit Teer aufgeschüttet. «Ein Flickwerk, das im Zuge der Neugestaltung wieder wegkommt», sagt Bruderer.

«Hätte man nicht als Kompromiss die Baumgruppe vor der Migrolino-Filiale stehen lassen können?», fragt sich der verärgerte Bürger weiter. Schliesslich sei diese ziemlich intelligent gepflanzt worden. Die Bäume waren rund 15 Jahre alt, gesund und haben Passanten auf den Sitzbänken Schatten gespendet. «Diese Bäume mussten tatsächlich dem Bahnhofsprojekt weichen», sagt Bruderer. Er führt den Entscheid auf den begrenzten Spielraum der Buslinienführung zurück. Ein komplexes Bauvorhaben und mittendrin vier bestehende Bäume – ein äusserst schwieriges Unterfangen.

Jeder gefällte Baum soll ersetzt werden

«Jeder gefällte Baum wird 1:1 ersetzt», sagt Bruderer. Das sei der Gemeinde ein grosses Anliegen. Für die «Migrolino»-Baumgruppe sind zwei Feldahorne, ein Spitzahorn und eine gefüllte Vogelkirsche geplant. Und für den Kastanienbaum wird am bestehenden Ort eine Hopfenbuche gepflanzt. Bei der Pflanzung von Bäumen würden heute ausserdem neue Faktoren mitspielen. Um allergische Reaktionen zu verhindern oder zu minieren, achte man darauf, dass es sich um möglichst allgemein verträgliche Sorten handelt.

Auch die Klimaveränderung hat einen Einfluss auf die Wahl des Grüns: «Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie geht hervor, dass in 50 Jahren in Bern dieselben klimatischen Bedingungen herrschen wie heute in Zagreb.»

Tägliche Veränderungen sind nun am Bahnhof in Flawil zu beobachten. Bis Ende Mai werden die Werkleitungen erneuert, ab Juni starten die Platzsanierung und der Neubau des Bushofs.

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