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Aufgeben war nie ein Thema

OBERUZWIL. Vom 28. Juli bis 4. August bestreitet Claudia Senn ihre dritte Weltmeisterschaft der Transplantierten. Die passionierte Badminton-Spielerin aus Oberuzwil möchte im südafrikanischen Durban ihren WM-Titel verteidigen.
Christine Gregorin
Der Badmintonsport hat Claudia Senn mitgetragen. (Bild: Matthias Zindel)

Der Badmintonsport hat Claudia Senn mitgetragen. (Bild: Matthias Zindel)

«Als gutes und zugleich schönes Beispiel, bei dem letztlich alles gepasst hat, möchte ich möglichst viele Menschen dazu bringen, über das Tabuthema Organspende nachzudenken», nennt Claudia Senn ihr Anliegen. 1998 erkrankte die heute 33jährige Oberuzwilerin an einer bakteriellen Hirnhautentzündung. Während der elf Tage im künstlichen Koma hing ihr Leben am viel zitierten seidenen Faden. Neben der kollabierten Lunge versagten, bedingt durch die Medikation einer akuten Blutgerinnungsstörung, auch beide Nieren. Zudem mussten der damals kurz vor der Maturaprüfung stehenden jungen Frau die nicht mehr durchbluteten Fingerbeeren amputiert werden, das erste Glied sämtlicher zehn Finger.

Mit Vorbehalten aufräumen

Seit eineinhalb Jahren unterstützt Claudia Senn den Vorstand des Schweizerischen Transplantierten Vereins (STV) als Sportchefin. Mit diesem Engagement möchte sie mit Vorbehalten gegenüber der Organspende aufräumen und aufzeigen, dass man auch nach einer Transplantation sportliche Leistungen erbringen kann. «Aufgeben war für mich nie ein Thema», sagt Senn. Abgesehen von ihren bestens ausgebildeten Kämpfer- und Nehmerqualitäten nutzte sie die in ihrem Lieblingssport Badminton antrainierten Automatismen: Durchbeissen, mit dem Ziel vor Augen vorwärts schauen sowie diesem Schritt um Schritt – wenn auch noch so klein – näherkommen.

Im ersten Jahr übernahm zweimal wöchentlich die Dialyse die Reinigung ihres Blutes, eine ebenso kräftezehrende wie aufreibende Realität. Schliesslich liess sich Vater Leo Senn als erster der Familienangehörigen auf die Verträglichkeit seiner Niere für eine Lebendspende testen, mit positivem Resultat.

Ein zweiter Geburtstag

Zunächst tat sich seine Tochter schwer mit dessen Entscheid. «Was, wenn bei der Niere-Entnahme etwas schieflaufen würde oder später Komplikationen auftreten? Und was, wenn sie selbst das geschenkte Organ innert Kürze abstossen sollte?», waren ihre Bedenken, denn mit beiden Situationen hätte sie sich kaum abfinden können. «Nimm es als Geschenk, das an keinerlei Bedingungen geknüpft ist», sagte Leo Senn an einem der zahlreichen vorbereitenden Gespräche zu seiner Tochter. Er ist überzeugt, dass eine positive Grundhaltung sowie unerschütterliches Gottvertrauen und nicht zuletzt das Getragenwerden durch Familie, Freunde sowie die Kolleginnen und Kollegen des Badmintonclubs Uzwil ihren Anteil zum guten Gelingen beigetragen haben.

Am 12. Mai 1999 wurde Claudia Senn ein neues Leben geschenkt, was seither jedes Jahr mit einem gemeinsamen Essen mit Vater Leo als Feiertag begangen wird. Ausser den Medikamenten, die verhindern, dass sich ihr Immunsystem gegen das fremde Organ wehrt, muss sie keine Einschränkungen in Kauf nehmen. «Ich lebe viel bewusster und nehme jeden Tag als Geschenk», sagt die lebensfrohe junge Frau.

Badminton und Cello

«Feinmotorisch musste ich umlernen», erklärt die dreifache Junioren-Schweizer-Meisterin und blickt auf ihre Hände. Inzwischen spielt sie wieder Cello und verstärkt das 2.-Liga-Team ihres Stammvereins. Am kommenden Freitag verlässt sie die Schweiz in Richtung Südafrika, wo in Durban die Weltmeisterschaft der Transplantierten ansteht. Als amtierende Welt- sowie Europameisterin ist sie guter Dinge, die Heimreise auch in diesem Jahr mit Edelmetall im Gepäck antreten zu können.

«Der sportliche Ehrgeiz ist spürbar, aber die Stimmung ist völlig anders», beschreibt Claudia Senn die während des intensiven Austauschs unter Transplantierten vorherrschende Atmosphäre. «Alle WM-Teilnehmenden haben ja bereits einen weit wichtigeren Wettkampf gewonnen.»

Bild: CHRISTINE GREGORIN

Bild: CHRISTINE GREGORIN

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