Aufatmen in Flawils Dorfzentrum: Ende des Gestanks aus Pelzverarbeitungsbetrieb 

Die Johann Hofstetter AG lagert die Produktion vom dem Dorfzentrum in die Peripherie aus. Das Flawiler Fell- und Pelzverarbeitungsunternehmen erstellt Nahe der ZAB-Deponie Burgauerfeld einen Neubau.

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Im Betrieb der Johann Hofstetter AG an der St.Gallerstrasse 48 fallen tierische Nebenprodukte aus unterschiedlichen Bereichen an. (Archivbilder: Mareycke Frehner)

Im Betrieb der Johann Hofstetter AG an der St.Gallerstrasse 48 fallen tierische Nebenprodukte aus unterschiedlichen Bereichen an. (Archivbilder: Mareycke Frehner)

In Flawil stinkt es. Und das stinkt den Anwohnern. Dies nicht erst seit kurzem, sondern seit Jahren. Vor allen in den Morgenstunden, wenn die Mitarbeitenden der Johann Hofstetter AG tierische Abfälle umladen, entweichen Gerüche, sodass im östlichen Dorfteil die Fenster kaum geöffnet werden können. Die Reklamationen aus der Bevölkerung haben in der jüngeren Vergangenheit zugenommen und den Gemeinderat veranlasst, mit den Beteiligten eine rasche Lösung zu suchen.

Die Johann Hofstetter AG ist ein traditionsreiches Unternehmen, das seit vielen Jahrzehnten an der St.Gallerstrasse 48 mit Pelzen, Fellen und Häuten handelt. Aus diesen Materialien werden unter anderem exklusive Bekleidungsstücke gefertigt. Dieser Betriebsteil verursacht nur geringe Geruchsbelästigungen. Zum Beispiel durch den Einsatz von Campher zur Konservierung der Felle.

Probleme mit tierischen Abfällen

Allerdings widmet sich die Johann Hofstetter AG seit einigen Jahren einer weiteren volkswirtschaftlich wichtigen Aufgabe. Sie kümmert sich um die fachgerechte Entsorgung von tierischen Nebenprodukten. Leider entstehen dabei Geruchsemissionen, welche die am heutigen Standort vorhandenen Einrichtungen nur ungenügend verhindern können. Deshalb gelten strikte Vorschriften zum Umschlag dieser Stoffe. Dennoch entweichen selbst unter Einhaltung der Vorschriften immer wieder unangenehme Gerüche. Da alle tierseuchenrechtlichen Vorgaben erfüllt werden, hat das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen die Betriebsbewilligung trotz Bedenken des Gemeinderats bis längstens Ende August 2020 verlängert, teilt die Ratskanzlei Flawil mit.

Bewilligung für Neubau erteilt

Die kantonalen Amtsstellen, der Gemeinderat und die Verantwortlichen der Johann Hofstetter AG sind sich einig, dass die Geruchsbelästigungen enden müssen, heisst es in der entsprechenden Mitteilung weiter.

Blick in den Verarbeitungsbetrieb in Flawil.

Blick in den Verarbeitungsbetrieb in Flawil.

Die Lösung ist ein mit modernsten technischen Einrichtungen ausgerüsteter Neubau am Rand des Siedlungsgebiets. Die Firma hat dazu vor einigen Jahren vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) bei der Deponie im Burgauerfeld ein Grundstück erworben. Die Baubewilligung für den geplanten Neubau ist erteilt. Mit den Bauarbeiten wird demnächst begonnen.

Geruchsintensives Material wird abgeführt

Um die unangenehmen Geruchsbelästigungen schon vor dem Umzug ins Burgauerfeld zu reduzieren, hat das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen weitere Sofortmassnahmen verfügt. Als wichtigste Massnahme muss die Johann Hofstetter AG ab sofort sogenanntes K1-Material direkt zur Tiermehlfabrik nach Bazenheid bringen. Bei tierischen Nebenprodukten – sie sind in drei Kategorien eingeteilt – besteht in der Kategorie 1 das höchste Risiko. Es handelt sich dabei um Schlachttierkörper oder Teile von Tieren, bei denen eine BSE-Erkrankung festgestellt worden ist. Tierische Nebenprodukte der Kategorie 2 sind ungeniessbare Schlachtabfälle ohne BSE-Erkrankung. Die Kategorie 3 umfasst alle Tierteile, die zwar genusstauglich, aber nicht zur Verwendung als Lebensmittel bestimmt sind.

In Flawil werden auch Pelze vearbeitet.  Hier Johann Hofstetter zeigt eine Decke aus Rotfuchsfell, die in seinem Atelier genäht worden ist. (Archivbild: Zita Meienhofer)

In Flawil werden auch Pelze vearbeitet.  Hier Johann Hofstetter zeigt eine Decke aus Rotfuchsfell, die in seinem Atelier genäht worden ist. (Archivbild: Zita Meienhofer) 

An der St.Gallerstrasse 48 wird künftig also ausschliesslich noch geruchsarmes K3-Material umgeladen und zwischengelagert. Zusätzlich wird die heutige Kühlraumkapazität des Unternehmens optimiert. (rkf/red)