Auf Umwegen zum Traumberuf

Der in Degersheim aufgewachsene Sergio Herencias hat es geschafft, seine grosse Passion zum Beruf zu machen. Der gelernte Detailhandelsangestellte arbeitet heute, im Alter von gerade mal 28 Jahren, als erfolgreicher Filmemacher.

Lars Amann
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Degersheim/Zürich. Wer kennt das nicht? Man sitzt am Samstagabend gemütlich vor dem Fernseher und schaut sich einen spannenden Film an. Plötzlich, mitten in der spannendsten Szene – Werbung. Die Aufregung über den Unterbruch ist gross und in der Hoffnung, bei der Rückkehr vor den Fernseher den Film weiterverfolgen zu können, geht man in die Küche und gönnt sich eine Leckerei.

Bereit für die Fortsetzung des Films, setzt man sich also vor den Fernseher, doch die Werbung will einfach nicht aufhören. Also schaut man sie noch ein wenig und ertappt sich dann plötzlich dabei, eine gewisse Begeisterung für einzelne Werbefilme zu zeigen. Dies, weil sie so kreativ, futuristisch und humoristisch gemacht sind, dass man sich einerseits köstlich darüber amüsiert und andererseits hinterfragt, wie es möglich ist, etwas so Geniales zu drehen.

Einer, der sich bestens mit solchen Kurzfilmen auskennt und genau weiss, worauf es unter anderem bei Werbefilmen ankommt, ist der in Degersheim aufgewachsene Filmemacher Sergio Herencias. Doch wie kommt man dazu, als erfolgreicher Filmemacher zu arbeiten?

Es begann in der Kindheit

Sergio Herencias ist ein Film- und Foto-Fanatiker. Als Sohn eines Berufsfotografen kam er bereits früh in Kontakt mit Kameras und durfte diese sogar hin und wieder selbst einstellen und auslösen.

«Der Blick durch das Okular der Fotokamera war wie der Blick durch ein Rohr, welches mich in eine andere, kreativere Welt eintauchen liess», erzählt der 28-Jährige. Nebst der Fotografie übertrug Vater Herencias noch eine weitere Leidenschaft auf seinen Sohn: das Filmschauen. Gemeinsam sahen sich die beiden regelmässig die verschiedensten Streifen an.

Eine Leidenschaft, die auch als Teenager nicht abnahm – im Gegenteil. Herencias erinnert sich an einen Kinobesuch: «Ich ging ins Kino, um mir <Jurassic Park> anzuschauen, danach plagten mich während zweier Monate Albträume.» Ein Erlebnis, das schon manch einem Kind die Freude an Filmen nahm, nicht aber dem künftigen Filmemacher. «Danach packte mich das Filmfieber erst recht. Ich fing an, mir Werbungen anzusehen und diese mit meiner Schwester und Cousinen nachzuspielen.

» Gedreht wurden die Filmchen mit einer alten Kamera, welche direkt an einen Videorecorder gekoppelt war.

Zeitalter der Computer

Als dann in den Neunzigerjahren das Zeitalter der Computer anbrach, ergaben sich für den Hobby-Regisseur ganz neue Möglichkeiten. Er begann, selbst Filme zu schneiden und Effekte herzustellen.

Und so drehte Sergio Herencias, der ein grosser Fan von Steven Spielberg ist, gemeinsam mit seinem Grossvater einen eigenen «Star Wars»-Film.

Damals war er 15 Jahre alt. Es war die Zeit, in der auch eine Entscheidung in Sachen Berufswahl getroffen werden musste. Eine Herausforderung, die wie so manch einem Jugendlichen auch Sergio Herencias nicht leicht viel.

Da er seine Passionen auch in den Beruf integrieren wollte und schon damals über eine grosse Sozialkompetenz verfügte, entschied er sich für eine Lehre als Detailhandelsangestellter in der Fotoabteilung der Migros Wattwil. Und so begann Herencias während der Ausbildung wieder vermehrt zu fotografieren. Ausserdem lernte er an der Kunstschule in Zürich lehrbegleitend tieferes Fachwissen über die Fotografie. Seine damalige Arbeit habe ihm Spass gemacht, sagt er. Doch sei er auch stetig auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

«Nebst der Arbeit als Detailhandelsangestellter besass ich ständig den Drang, auch etwas selbst zu machen, deshalb begann ich in meiner Freizeit verschiedenste Projekte ins Leben zu rufen», erklärt Herencias.

So gründete er beispielsweise das von 1999 bis 2006 schweizweit bekannte Lifestyle Magazin «housepeople.ch». Dieses wurde später vom berühmten Schweizer DJ Sir Colin übernommen. Zur selben Zeit durfte der Degersheimer für den Musiker ein Projekt namens «ppmcitiy.

com» realisieren. Dieses ermöglichte ihm einen tieferen Einstieg ins Filmbusiness.

Gründung der Guave Studios

Als das Projekt beendet war, gründete Sergio Herencias im Jahr 2008 gemeinsam mit einigen Berufskollegen die Guave Studios GmbH (guavestudios.com). Eine Firma, die sich unter anderem darauf spezialisiert hat, Werbefilme für TV und Kino zu drehen.

Sie produziert aber auch aufwendigere Internet- und virale Promotionen sowie Imagefilme für teils weltberühmte Unternehmen. Am vergangenen Mittwoch feierten sie ausserdem mit ihrem ersten No-Budget-Film «The Prague Assignement» , den sie gemeinsam mit der Iydaa-Herisau drehten und bei welchem Sergio Herencias auf dem Regiestuhl sass, Premiere.

Der Degersheimer, welcher seit drei Jahren in Wädenswil ZH lebt, hat es also geschafft. Mit viel Fleiss, harter Arbeit und dem dadurch erzwungenen Glück ist es im gelungen, die Fotografie, das Filmen und sogar die Arbeit am Computer in seinen Beruf zu integrieren respektive zu seinem Beruf zu machen. Sitzt man also das nächste Mal vor dem TV oder im Kino und fragt sich gerade, wer es wohl geschafft hat, eine derartige Werbung zu drehen, ist es gut möglich, dass der Degersheimer seine Finger mit im Spiel hatte.

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