Auf Stippvisite beim Hufschmied

Hans Barmettler betreibt in Degersheim eine Huf- und Kunstschmiede. Noch heute beschlägt er am Sternenplatz Pferde – auch wenn er den Grossteil der Kundschaft inzwischen zu Hause bedient. Wir konnten ihm über die Schulter schauen.

Christine Gregorin
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Übung macht den Meister: Hans Barmettler wirkt seit 36 Jahren in Degersheim als Huf- und Kunstschmied. (Bild: Christine Gregorin)

Übung macht den Meister: Hans Barmettler wirkt seit 36 Jahren in Degersheim als Huf- und Kunstschmied. (Bild: Christine Gregorin)

DEGERSHEIM. «Das Handwerk an und für sich ist mehr oder weniger dasselbe geblieben», erklärt Hans Barmettler. Seit nunmehr 36 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Nidwaldner im beschaulichen Toggenburg. In der von ihm gepachteten Werkstatt am Sternenplatz bleibt die Esse indes die meiste Zeit über kalt, und das schon seit einigen Jahren. Denn der mobile Hufschmied beschlägt die Pferde seiner Kundinnen und Kunden mehrheitlich vor Ort: Tatsächlich ist sein Kleinbus mit allem ausgestattet, was er zum effizienten Wirken braucht.

Das Gespräch macht seine fundierte berufliche Erfahrung ebenso rasch deutlich wie die immense Liebe zu den grossen Vierbeinern. Sein schelmischer Blick lässt auf ein humorvolles Naturell schliessen, und der Enthusiasmus, mit dem er die an ihn gerichteten Fragen beantwortet, offenbart, wie viel Freude ihm sein Beruf nach all den Jahren nach wie vor bereitet.

Kreative Handarbeit

An diesem Mittwochnachmittag Mitte Februar erhalten Hans Barmettler und Brandon Kempe, Lernender im vierten Lehrjahr, Besuch. Einer Einladung der Frauengemeinschaft folgend, findet sich eine Kinderschar in der Schmitte ein. Voller Interesse bestaunt der Nachwuchs die Einrichtung. Während Hans Barmettler im hinteren Bereich der Freibergerstute Paula von Nicole Stalder neue «Schuhe» verpasst, zieht Brandon Kempe einen glühenden, vierkantigen Flachstahl aus dem Feuer der mit Steinkohle betriebenen Esse. Daneben steht ein Amboss. Kempe beginnt mit Hilfe einer Variante des sogenannten Schmiedehammers ein Hufeisen zu formen. Schlag um Schlag verändert sich die Form: So lange, bis nach 15 Minuten eines der beiden angestrebten Glückssymbole vollendet ist.

Immer mehr Schauschmieden

Es existieren sowohl hintere als auch vordere und rechte beziehungsweise linke Hufeisen. Ein Pferd wird alle zwei bis drei Monate neu beschlagen, was in aller Regel zwischen 60 und 75 Minuten dauert. Normalerweise werden hierzu industriell gefertigte Hufeisen angepasst.

Gemäss eigener Aussage erreichen Hans Barmettler in letzter Zeit des öfteren Anfragen, das von ihm praktizierte, altehrwürdige Schmiedehandwerk zu demonstrieren. Die einen wollen lediglich zusehen, andere gar selbst Hand anlegen. Ihm soll's recht sein: Ergänzt der Huf-, Wagen- und Kunstschmied, dreifache Weltmeisterschaftsteilnehmer sowie mehrfache Schweizer Meister im Einspänner-Fahren seinen Horizont analog dazu doch mit der Erfahrung als Eventmanager.

Zeitlose Faszination

«Körperlich robust, tierlieb und kontaktfreudig», beschreibt der Mittfünfziger die optimalen Charakterzüge, die ein geneigter Berufseinsteiger mitbringen müsste. Den Alltag schildert er als überaus abwechslungsreich. Das Beschlagen erfordert Übung. Da sich die Voraussetzungen ständig ändern, sind Flexibilität und Erfindergeist nötig. Selbstverständlich trägt ein Hufschmied gelegentlich auch mit orthopädischen Beschlägen zum Wohl von Ross und Reiter bei.

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