Auf Kanton St. Gallen ausweiten

Seit rund einem Jahr steht Andreas Koch dem Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien Südthurgau (Keest) als Geschäftsführer vor. Nach einem guten Start sollen die Dienstleistungen über den Südthurgau hinaus angeboten werden.

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Herr Koch, vor einem Jahr nahmen Sie beim Keest Ihre Arbeit auf. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Andreas Koch: Aus aktueller Sicht wird die Erreichung der qualitativen Zielsetzung hinsichtlich der Schaffung eines regional tätigen Kompetenz-Zentrums für erneuerbare Energie glaubwürdig erreicht. Aufgrund der aktiven kontinuierlichen Kommunikation des Keest mit den relevanten Zielpublika auf verschiedenen Kanälen wird der vorhandenen Nachfrage seitens der Interessengruppen entsprochen.

Insbesondere die Fokussierung auf KMUs, gemäss der übergeordneten Zielsetzung, führt zu einer grossen Resonanz, die sich in erteilten Beratungs-Aufträgen, Anfragen betreffend Ansiedelung und weiteren Dienstleistungen nieder-schlägt.

Was waren für Sie persönlich die Höhepunkte des ersten Jahres?

Koch: Vor dem Hintergrund der Zielsetzungen der Wirtschaftsförderung des Kantons Thurgau wurden grosse Anstrengungen unternommen, um im Bereich der Schaffung von Arbeitsplätzen Unternehmungen im Raum neu anzusiedeln.

Das Keest konnte eine Gruppe von Unternehmern aus Deutschland davon überzeugen, gemeinsam mit Schweizer Unternehmern im Thurgau zwei Firmen zu gründen (eine gegenwärtig noch in Vorbereitung), um basierend auf neuartiger patentierter Technologie in einer Produktionspartnerschaft vor Ort Bio-Kraftwerke zu produzieren (Verstromung von Biomasse und Nutzung von Wärme in Wärmeverbünden).

In welchen Bereichen gibt es noch Optimierungsbedarf?

Koch: Die Optimierung des Keest-Gedankens kommt vor allem darin zum Ausdruck, dass die Leistungen räumlich ausgeweitet werden sollen. Das heisst, der Bedarf seitens der Zielpublika ist grösser als die aktuelle Entsprechung. Es gilt deshalb, weiterhin mit Nachdruck Unternehmen darauf aufmerksam zu machen, dass erneuerbare Energien heute wirtschaftlich sinnvoll zum Tragen kommen.

Ich wünschte mir, dies würde vermehrt auch über Partei-Couleurs hinweg so funktionieren, mehr im Sinne der Sache und weniger als politisches Programm.

Welche konkreten Projekte konnten dank des Keest umgesetzt werden?

Koch: Bei vielen Produktionsprozessen in KMUs ist die Steigerung der Effizienz durch Energieeinsparung ein kostenrelevantes Thema.

Hier setzt das spezifische Beratungskonzept des Keest, die technische Prozessanalyse, an mit dem Ziel, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen herbeizuführen und zu Effizienzsteigerungen beizutragen. Gegenwärtig laufen drei Projekte. Um spezifischen Situationen im Rahmen der Beratungskonzepte Rechnung tragen zu können, wurde der Schulterschluss mit der Hochschule für Technik Rapperswil gesucht. Bezüglich der Zielsetzung, Contracting Dienstleistungen für KMUs, ggf. in Partnerschaft mit Dritten, zu ermöglichen, wurden diverse Anstrengungen unternommen.

Im Vordergrund stehen jeweils Lösungen im Bereich Wärmegewinnung/-erzeugung. Zurzeit laufen Abklärungen mit einem deutschen Unternehmen (BHKW-Hersteller), welches beabsichtigt, im Energie-Contracting im Wirtschaftsraum tätig zu werden.

Sie veranstalten auch Foren. Wie schätzen Sie das erste Forum im Herbst ein?

Koch: Im Rahmen von periodisch durchgeführten Unternehmer-Foren bietet das Keest eine Plattform, bei der innovative Produkte und Dienstleistungen insbesondere KMUs aus der Region vorgestellt werden.

Das erste durchgeführte Forum im Herbst 2009 wurde von 49 Unternehmern besucht. Daraus erfolgten direkt drei Aufträge für Technische Prozessanalysen.

Aktuelles Thema dieses Frühjahr ist der Bereich Beleuchtung, gemeinsam mit einem neu in der Region aktiv gewordenen Unternehmen aus dem Energiesektor: neuartige, patentierte Leuchtstoffröhre, die bis zu 60 Prozent Energie einspart: LED-Strassenbeleuchtung für Kommunen mit grossem Energie-Einsparpotenzial und Blockheizkraftwerke zur Produktion von Strom und Wärme aus Biotreibstoffen.

Das Keest verfolgt im Weiteren aktiv Projekte im Bereich Wärmeverbünde. Dabei steht die kostengünstige Produktion von Wärme, basierend auf dem Einsatz von Nawaro im Vordergrund. Im Sinne einer Drehscheibe bringt das Keest Anbieter und Nachfrager zusammen und berät bei der Erstellung von entsprechenden Energiekonzepten.

Wie sieht die finanzielle Situation beim Keest aus?

Koch: Die quantitativen Zielsetzungen des Keest auf der Einkommensseite konnten budgetlinear noch nicht ganz erreicht werden.

Angelaufene Projekte generieren erst im Laufe der Zeit entsprechende Cash Flows, weshalb hier ein entsprechender «Timelag» in Kauf genommen werden muss. Auf der Kostenseite konnten demgegenüber diverse Einsparungen erreicht werden, indem konsequent Synergien genutzt und Ausgaben restriktiv getätigt wurden. Für das Jahr 2010 wird mit einem ausgeglichenen Budget gerechnet.

Was sind die nächsten grösseren Projekte?

Koch: Aufgrund der positiven Resonanz: Ausweitung der Leistungen in den Kanton St. Gallen: Umgründung bzw. Gründung einer selbständigen Rechtspersönlichkeit des Keest (nicht mehr nur Projekt des Vereins Wirtschaftsraum Südthurgau). Durchführung weiterer technischer Prozessanalysen in KMUs. Entwicklung von Energie-Konzepten: für Schulgemeinde und Spital.

Präsidentin Myrta Klarer hat an der GV des Wirtschaftsraums Südthurgau erklärt, dass das Keest in die geeignete Geschäftsform überführt werden muss. Welche ist das und gibt es dafür einen Fahrplan?

Koch: Hinsichtlich der beabsichtigten räumlichen Ausweitung der Leistungen des Keest werden gegenwärtig verschiedene Möglichkeiten ausgelotet.

Ein definitiver Entscheid steht noch aus, zumal ja noch nicht alle Vereinbarungen unter Dach und Fach sind. Wir rechnen aber damit, dass im Laufe des Jahres die Sache definitiv über die Bühne geht.

Interview: Nadja Stricker Sanchez

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