Zum Schwatz ins virtuelle Jugendhaus: Im Neckertal können sich Jugendliche während der Coronakrise in Videochats treffen 

Die Kinder- und Jugendförderung Mojuga richtet sichere und begleitete Video-Chaträume mit festen Öffnungszeiten ein, damit sich Jugendliche auch während der Coronakrise austauschen können.

Tobias Söldi
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Gesundheitlich haben sie wenig zu befürchten. Und doch sind auch die Jugendlichen von den Massnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die junge Generation ist, wie alle anderen auch, aufgefordert, möglichst zu Hause bleiben, die Schulen bleiben geschlossen.

Worüber sich manch Schülerin oder Schüler wohl insgeheim gefreut hatte, hat aber auch seine Schattenseiten. Sich mit Kollegen auf öffentlichen Plätzen auf einen Schwatz zu treffen – das geht seit dem Lockdwon nicht mehr wie früher. «Und kaum etwas ist den Jugendlichen so wichtig wie das Bedürfnis nach Austausch», sagt Rémy Schleiniger, Stiftungsrat der Kinder- und Jugendförderung Mojuga mit Sitz in Bubikon.

Mojuga führt im Auftrag von 14 Gemeinden in den Kantonen Zürich und St.Gallen die Offene Kinder- und Jugendarbeit, darunter auch im Einzugsgebiet der Gemeinden Neckertal, Oberhelfenschwil, Hemberg und Schönengrund. Auf Weisung des Bundes hat die Stiftung aber sämtliche Jugendräume geschlossen und geplante Projekte und Aktionen abgesagt. Wo also können sich die Jugendlichen noch treffen?

Der Austausch mit Gleichgesinnten fehlt Jugendlichen besonders.

Der Austausch mit Gleichgesinnten fehlt Jugendlichen besonders.

Bild: PD

Virtuelle Pendants zum realen Jugendhaus

Eine Lösung für dieses Problem findet sich, wie in diesen Tagen so oft, in der digitalen Sphäre. Mojuga hat in den von ihnen betreuten Gemeinden Video-Chaträume mit festen Öffnungszeiten eingerichtet, virtuelle Jugendhäuser, in denen die Jugendlichen jeweils jene Jugendarbeitenden vorfinden, die sie aus ihrem realen Jugendhaus bereits kennen.

Im Gegensatz zu frei zugänglichen Chaträumen bieten solche begleiteten Treffpunkte Schutz vor Rekrutierungsversuchen radikaler Gruppierungen und vor sexuellen Missbräuchen, schreibt die Stiftung in ihrer Medienmitteilung zu diesen neuen virtuellen Jugendhäusern.

Open-Source-Code statt Apps privater Anbieter

Die Idee von Videochats, wie sie die Mojuga nun einrichtet, ist nicht neu – verschiedene Organisationen, Verbände oder Schulen haben ihre Kommunikation in den vergangenen Wochen auf die virtuelle Ebene verlagert. Besonders ist hingegen die Umsetzung. Die Video-Chatrooms der Stiftung greifen nämlich nicht auf Apps von privaten Anbietern wie Skype, Whatsapp oder Zoom zurück, sondern nutzen einen Open-Source-Code, also eine Software, deren Quelltext öffentlich ist und von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann.

Daraus hat die Stiftung einen eigenen Video-Chatroom bauen lassen, bei dem die IT-Verantwortlichen das Tracking ausgeschaltet haben. Sämtlicher Datentransfer laufe über den stiftungseigenen Server, erklärt Schleiniger. «Wir wollten ein geschütztes, sicheres Format finden.» Denn gegenüber dem Einsatz von Skype und Co. ist man aus Gründen des Datenmissbrauchs zurückhaltend.

«Beschnuppern und Kennenlernen»

Während das virtuelle Jugendhaus im Toggenburg noch im Entstehen ist, hat die Stiftung in anderen Gemeinden bereits erste Erfahrungen sammeln können. «Aktuell schauen die Jugendlichen einfach mal rein in den Chatraum. Es ist ein Beschnuppern und Kennenlernen», erzählt Schleiniger. Mit der Technik hingegen hat sich die junge Klientel rasch arrangiert:

«Das technische Verständnis ist hoch, und die Jugendlichen haben viel Geduld, wenn mal was nicht funktioniert.»

Schwieriger hingegen ist es, die Jugendlichen überhaupt auf die Chats aufmerksam zu machen, kann das neue Angebot doch nicht einfach öffentlich ausgeschrieben werden. «Unsere Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter sind deshalb aufsuchend unterwegs und verteilen Flyer für die neuen Chaträume oder schreiben die Jugendlichen über SMS an», erklärt Schleiniger.

Klar ist aber auch: Auf lange Frist können Videochats das physische Miteinander nicht ersetzen, und allzu viel Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen ist nicht erstrebenswert. Schleiniger:

«Wir üben deshalb keinen Druck aus. Schliesslich wollen wir nicht, dass die Jugendlichen ständig online sind.»