Auf Huckleberry Finns Spuren

Mit dem Kajak fast 3800 Kilometer den Mississippi hinunter paddeln, gewaltige Natur und Abenteuer erleben – an einer Multivisions-Show im Flawiler Lindensaal konnte das Publikum Einblick in eine faszinierende Reise erhalten.

Beatrice Oesch
Drucken
Teilen
In seiner eindrücklichen Diashow nahm Corrado Filipponi das Publikum mit auf den Mississippi. (Bild: bo.)

In seiner eindrücklichen Diashow nahm Corrado Filipponi das Publikum mit auf den Mississippi. (Bild: bo.)

Flawil. Am Freitagabend lockte die Musik- und Vortragsgesellschaft (MVG) Flawiler Kultur zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer in den Lindensaal Flawil, denn hier konnte man vom bequemen Stuhl aus eine abenteuerliche Reise den Mississippi hinunter unternehmen. Der Fotojournalist und Abenteurer Corrado Filipponi aus Winterthur präsentierte routiniert und humorvoll in knapp zwei Stunden, wofür er im Jahr 2002 achtzig Tage brauchte: Seine Solo-Reise über 3779 Kilometer mit dem Kajak den Mississippi hinunter, von der Quelle an der kanadischen Grenze bis zum Golf von Mexico. «Ich war Kajak-Neuling und übte vor der Abfahrt lediglich ein paar Stunden, wie ich mich aus dem gekenterten Kajak befreien kann, und dann ging es los», erzählte Filipponi zu seinen mit passender Musik unterlegten, wunderschönen Bildern wie Nebelschwaden bei Sonnenaufgang, Landschafts- und Tieraufnahmen, Menschen, Ausflüge in Städte, aber auch Industrie, Lastkähne und Schleusen. Die Zuschauer liessen sich mittreiben auf dem mächtigen Strom, freuten sich über Begegnungen mit gastfreundlichen Menschen und litten mit bei tagelangem Dauerregen.

Räuberische Waschbären

Dass die Reise kein Zuckerschlecken war, zeigte sich gleich am Anfang, als der Mississippi noch ein Bach war, oft sehr flach und überwuchert von Schilf oder Seerosen. «Es war sehr mühsam, sich mit dem Paddel durch die dichte Vegetation zu quälen», berichtete Filipponi. Er sah manchmal tagelang keine Menschen, sondern nur Natur pur und viele Tiere: Alle Arten von Vögeln wie Pelikane und Kraniche, Rehe, Schildkröten und Alligatoren. Manchmal sprangen Welse über sein Kajak. Das Wissen, dass in der Wildnis jederzeit ein Braunbär auftauchen könnte, machte das Übernachten nicht gerade gemütlicher. «Über Nacht meine Wäsche auf eine Leine zu hängen, gewöhnte ich mir schnell ab, nachdem ich eines Morgens feststellen musste, dass Waschbären sich damit aus dem Staub gemacht hatten.» Das Passieren der insgesamt 29 Schleusen auf dem Weg war ebenfalls ein Abenteuer neben riesigen Lastkähnen. Ausserdem musste er öfters portagieren, was bedeutete, das leer 29 Kilogramm schwere Kajak auf dem Landweg an unpassierbaren Stellen vorbei zu tragen, was wegen des Gepäcks mehrere Hin- und Hergänge beinhaltete.

In der Pause und am Schluss der Show beantwortete Filipponi zahlreiche Fragen und verkaufte seinen Reisebericht «Bach ab». Wie er gegenüber der Wiler Zeitung erzählte, hat er seine Mississippi-Show in der Schweiz bereits rund 160 mal gezeigt: «Für eine solche Show wähle ich aus bis zu 12 000 Bildern etwa 700 aus.»

Von Mark Twain inspiriert

Filipponi war als Weltenbummler schon in 80 Ländern der Erde unterwegs. Die Idee für diese Reise kam ihm im Haus eines Freundes in Irland, als ihm Mark Twains «The Adventures of Huckleberry Finn» in die Hände fiel. «Was Huck Finn mit einem Floss geschafft hat, kann ich mit einem Kajak schon lange», war sein Geistesblitz. Dass er Kajaks nur vom Anschauen kannte, störte ihn dabei gar nicht. «Die Muskeln entwickelten sich unterwegs, nur die Hände taten mir manchmal weh vom ständigen Greifen des Paddels», erläuterte er. Inzwischen hat er weitere abenteuerliche Reisen gemacht und ist seit Juli 2010 Weltrekordhalter für die schnellste Kajakfahrt auf dem Rhein.

Aktuelle Nachrichten