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Auf Fichtenholz geklopft: Borkenkäfer haben die Region verschont

2018 ist ein gutes Jahr für den wichtigsten aller Borkenkäfer: den Buchdrucker. Während andere Kantone stark unter der Massenvermehrung leiden, kamen die Forstreviere der Region mit einem blauen Auge davon.
Tobias Söldi
Buchdrucker fressen sich in die Rinde von Fichten und überwintern dort. (Bild: Nana Do Carmo)

Buchdrucker fressen sich in die Rinde von Fichten und überwintern dort. (Bild: Nana Do Carmo)

Des einen Glück ist des anderen Leid. Für Buchdrucker, einer Unterart der Borkenkäfer, war der trockene, warme Sommer ein Segen. Bedingungen, wie sie in diesem Jahr vorherrschend waren, sind ideal für ihre massenhafte Vermehrung. Die Leidtragenden sind Fichten, in deren Rinden die Schädlinge überwintern. Normalerweise wehren sich die Fichten oder Rottannen durch die Absonderung von Harz, welches das Mundwerk der gefrässigen Käfer verklebt. Dem Ansturm einer grossen Menge an Buchdruckern können sich aber auch gesunde Bäume nicht so leicht widersetzen. Die Nadeln befallener Fichten färben sich rot und fallen herunter, die Fichte stirbt unter Umständen ab.

Als wäre dieser Massenangriff nicht schon genug, schwächen Trockenheit und Hitze auch die Fichten selbst, was sie zur leichten Beute für den Buchdrucker macht. Auch die natürlichen Feinde der Insekten, etwa der Specht oder der Ameisenbuntkäfer, können eine Massenvermehrung kaum mehr aufhalten.

Nicht alarmierend mehr Borkenkäfer

In normalen Mengen stellt der Buchdrucker kein Problem für den Wald dar. «Zu viele von ihnen aber bringen das Ökosystem aus dem Gleichgewicht», erklärt Ralph Haas, Revierförster von Lütisburg und den Wäldern des Klosters Magdenau. Denn dieser unheilvolle Eintopf aus geschwächten Fichten und einer grossen Population an Buchdruckern bedroht ganze Wälder. Verschiedene Regionen sind in diesem Jahr besonders stark betroffen, darunter etwa der Thurgau. Auch in den Kantonen Aargau und Zürich leiden die Wälder unter den Insekten. Lastwagenweise werden befallene Bäume abtransportiert. Sie müssen so rasch wie möglich aus dem Wald entfernt werden, damit dem Insekt der Nährboden entzogen wird und es sich nicht weiter verbreiten kann.

In der Region dagegen ist man mit einem blauen Auge davongekommen, so der Tenor der Revierförster der verschiedenen Regionen. Zwar haben alle fünf Förster wie erwartet eine verstärkte Verbreitung von Buchdruckern in ihren Gebieten festgestellt, aber nicht in einem alarmierenden Ausmass. «Wir haben die Situation einigermassen im Griff», hält Ralph Haas für sein Revier fest. Die Mengen an befallenen Fichten belaufen sich je nach Forstrevier auf 300 bis 1500 Kubikmeter.

Wirksamste Massnahme gegen die massenhafte Vermehrung der Schädlinge ist ein frühzeitiges Eingreifen, damit die Population nicht explodiert. Renaldo Vanzo, Revierförster der Region Wil sagt dazu: «Wir haben viel Zeit in die Kontrolle investiert und befallene Bäume früh erkannt, gefällt und entrindet. Dadurch gelang es uns, die Ausbreitung gut einzudämmen.»

Feuchte Böden gegen die Buchdrucker

Ein weiterer Grund dafür, dass die Region vor grösseren Schäden verschont geblieben ist, ist die Durchmischung der hiesigen Wälder. In einem Wald, der bloss aus Fichten besteht, kann sich der Buchdrucker besser verbreiten als in einem Mischwald. «Natürliche Fichtenwälder wie im Obertoggenburg haben viel mehr zu kämpfen», sagt Bruno Cozzio, Revierförster der Regionen Jonschwil, Uzwil und Zuzwil.
Auch die spezifische klimatische Situation hat die Region vor einer Buchdruckerepidemie bewahrt: In den Wäldern des Klosters Magdenau sei etwas mehr Niederschlag gefallen als andernorts, sagt Ralph Heer. Und für die Region Degersheim, Flawil und Oberuzwil führt Revierförster Roman Gschwend den schweren, lehmigen Boden an, der die Feuchtigkeit besser speichern kann. Damit kann die Fichte Harzfluss aufrecht erhalten und die Schädlinge erfolgreich abwehren.

Der kommende Frühling ist entscheidend

Für den Moment scheint die Gefahr also gebannt. Umso aufmerksamer behalten die Revierförster die Situation im Auge. Sie hoffen auf einen regenreichen, kalten und späten Frühling. Ist dieser dagegen einmal mehr trocken und warm, dann könnte sich die Buchdruckervermehrung zu einem ernsthaften Problem entwickeln. «Ideal wäre es natürlich, wenn es vor dem Wintereinbruch noch zwei bis drei Wochen richtig stark regnen würde», sagt Förster Roman Gschwend.

Die Sägereien haben alle Hände voll zu tun

Die massenhafte Verbreitung von Buchdruckern bleibt nicht ohne Einfluss auf die Holzindustrie. «Der Nadelholzmarkt ist mittlerweile gesättigt. Es ist schwierig, noch mehr Holz abzusetzen», sagt Bernhard Herbert, Revierförster der Gemeinden Niederbüren, Niederhelfenschwil und Oberbüren. Die Sägereien haben in diesem Jahr alle Hände voll zu tun. Zu den von Buchdruckern befallenen Fichten kommen die Bäume dazu, die der Sturm Burglind im Januar in Mitleidenschaft gezogen hat. «Wir Förster sind auf die regionalen Sägereien als Partner angewiesen. Sie nehmen sehr viel Holz an», sagt auch Renaldo Vanzo, Revierförster der Region Wil. Durch die grossen Mengen an zu verarbeitendem Holz sind auch die Holzpreise gefallen. (tos)

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