Auf Einkaufstour beim Kollegen: Toldo Wil hat über 30 Baumaschinen auf einmal gekauft – zur Freude der Oberbürer Huppenkothen AG

Für die einen eine Grossinvestition, für die anderen ein Grossverkauf: Zwei Bauunternehmen aus der Region Wil sind miteinander ins Geschäft gekommen. Trotz Corona geht es der Branche gut. Einen Nachfrageeinbruch erwarten die beiden Betriebe erst später.

Tobias Söldi
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Eine blaue Armada an Baumaschinen: Die Lieferung der Huppenkothen Baumaschinen AG steht bereit.

Eine blaue Armada an Baumaschinen: Die Lieferung der Huppenkothen Baumaschinen AG steht bereit.

Bild: PD

Der Entscheid fiel lange vor Corona. Auf dem Einkaufszettel der Toldo Strassen- und Tiefbau AG Wil standen 16 Mobilbagger, 13 Raddumper und zwei Raupenbagger. Kostenpunkt: 3,2 Millionen Franken. Verwaltungsrat Heinrich Toldo erklärt:

«Wir sind über längere Zeit gut und stark gewachsen. Deshalb haben wir vor einem Jahr entschieden, unseren Maschinenpark aufzustocken.»
Heinrich Toldo, Verwaltungsrat von Toldo Strassen- und Tiefbau AG Wil.

Heinrich Toldo, Verwaltungsrat von Toldo Strassen- und Tiefbau AG Wil.

Es ist eine der grössten Investitionen in der Geschichte des Ostschweizer Familienunternehmens, das heute an vier Standorten rund 200 Mitarbeitende beschäftigt. «So einen Schritt überlegt man sich gut.»

Doch dann tauchte Corona am Horizont auf – und mit dem Virus die Sorge, ob die Maschinen rechtzeitig geliefert und eingelöst werden können. «Ich hatte einige schlaflose Nächte», erinnert sich Toldo. Doch die Bedenken sollten sich als unbegründet herausstellen. Die Baumaschinen kamen rechtzeitig an. Schon Anfang April waren die ersten Maschinen wie geplant im Einsatz.

Verkauf der Superlative

Auch auf der Seite der Lieferanten, der Huppenkothen Baumaschinen AG aus Oberbüren, ist die Erleichterung gross, dass alles geklappt hat. Schliesslich stand auch hier einiges auf dem Spiel. Stefan Künzli, Leiter der Huppenkothen-Filiale in Oberbüren, die den weitaus grössten Teil der Bestellung lieferte, sagt:

«Es war wohl unser grösster Verkauf der letzten 20 Jahre in der Deutschschweiz.»
Stefan Künzli, Leiter Huppenkothen AG Oberbüren.

Stefan Künzli, Leiter Huppenkothen AG Oberbüren.

Verkäufer Ruedi Liebi spricht von einem «noch nie dagewesenen Einzelverkauf».

Das Unternehmen mit Hauptsitz im österreichischen Lauterach verkauft, vermietet und repariert Klein- und Minibaumaschinen. In Oberbüren beschäftigt es 15 Mitarbeitende und 3 Lehrlinge.

Mietmaschinen während der Hochsaison

Auf wen sich die beiden Unternehmen einliessen, das wussten sie, arbeiten die beiden Betriebe doch schon seit Jahren eng zusammen. Besonders die Nähe der Standorte macht die Kooperation attraktiv.

In den Monaten zwischen August und Oktober, wenn bei Toldo jeweils Hochsaison ist, kann das Unternehmen schnell und unkompliziert zusätzliche Baumaschinen aus Oberbüren mieten. «Wir sind auf Unternehmen in unmittelbarer Nähe angewiesen», sagt Heinrich Toldo.

Mehr Arbeit für die Werkstatt

Auch bei Problemen mit den Maschinen ist die Nachbarschaft von Vorteil, sind die Fachleute der Huppenkothen AG doch rasch vor Ort. «Dadurch sparen wir viel Zeit», sagt Daniel Schmid, Geschäftsführer des Toldo-Standorts in Wil.

Daniel Schmid, Geschäftsführer des Toldo-Standorts Wil.

Daniel Schmid, Geschäftsführer des Toldo-Standorts Wil.

Die Digitalisierung hat auch hier Einzug gehalten: Bei einem Fehler schickt die Baumaschine eine automatische Meldung mit Angaben zum Problem nach Oberbüren. Die Zuständigen können dann mit den nötigen Utensilien ausgerüstet ausrücken.

Einige der Baumaschinen waren bereits über 500 Stunden für die Toldo im Einsatz – die Huppenkothen AG musste die ersten Services bereits tätigen. Der zweite Service, der grosse, steht nach etwa 1000 Stunden an. «Für uns bedeutet der Auftrag auch, dass die Werkstatt besser ausgelastet ist», erklärt Stefan Künzli von der Huppenkothen AG.

Nachfrageeinbruch wird kommen

Doch bei aller Freude über die Grossinvestition beziehungsweise den Grossverkauf, auf die beiden Unternehmen könnten schwierige Jahre zukommen. Heinrich Toldo ist überzeugt:

«Es wird einen Nachfrageeinbruch geben, allerdings mit einer gewissen Verspätung.»

Noch laufe das Geschäft dank bereits vergebener Aufträge. Für Toldo ist die grosse Frage jedoch, wie investitionsfreudig die öffentliche Hand sein wird, denn von ihr erhält das Unternehmen bis zu 80 Prozent der Aufträge. «Verhält sich die Politik in Sachen Investitionen zurückhaltend oder gibt sie Gegensteuer?», fragt er.

Kein Grund zur Klage

Die Antwort auf diese Frage trifft auch die Huppenkothen AG – zumindest indirekt. «Wir sind von der Baubranche abhängig», sagt Filialleiter Stefan Künzli. Geht es der Branche gut und gibt es Aufträge, ist auch die Nachfrage nach Baumaschinen gross.

Bis jetzt kann Künzli auf jeden Fall nicht klagen. Das erste halbe Jahr sei sogar besser gelaufen als das vorherige – trotz Corona, und natürlich auch dank des Grossverkaufs an die Kollegen von Toldo.