Auf einen Wodka am Ende der Welt: Ein Zuzwiler nimmt an der Mongol Rally in Zentralasien teil

Jerome Sieber durchquert dieser Tage mit zwei Freunden im Auto Zentralasien und erlebt dabei allerlei kurioses. So wurde er beispielsweise schon auf eine Hochzeit eingeladen.

Philipp Wolf
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Der Weg ist das Ziel für Jerome Sieber, seine zwei Freunde und ihr treues Gefährt Kassandra. Bild: PD
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Der Weg ist das Ziel für Jerome Sieber, seine zwei Freunde und ihr treues Gefährt Kassandra. Bild: PD

Der Weg ist das Ziel für Jerome Sieber, seine zwei Freunde und ihr treues Gefährt Kassandra. Bild: PD

Der Versuch kürzlich mit Jerome Sieber Kontakt aufzunehmen gestaltete sich schwierig. Der Zuzwiler, der sich mit zwei Freunden zurzeit auf der Mongol Rally befindet, wollte eigentlich via Whatsapp von ihren Abenteuern erzählen. Doch im kasachischen Almaty gibt es nicht einmal im Starbucks eine zuverlässige Internetverbindung. Als es dann schliesslich klappte, gab Sieber zahlreiche unterhaltsame Episoden zum Besten.

Mittlerweile befindet sich das Trio im Osten Kasachstans an der Grenze zu Russland. Gut zweieinhalb Wochen ist die Gruppe noch von ihrem Ziel Ulan Ude entfernt. Die russische Stadt nahe der mongolischen Grenze ist der Endpunkt der Rally. Das Abenteuer, das die drei frischgebackenen ETH-Absolventen durch fast 20 Länder führt, ist jedoch, anders als der Begriff «Rally» vermuten lässt, kein Wettrennen. Viel mehr ist der Weg das Ziel und der unterwegs gewonnene Erfahrungsschatz das Preisgeld des Unterfangens.

Im Schneckentempo durch Zentralasien

Weit über 10000 Kilometer haben die drei bereits zurückgelegt, seit sie vor gut sechs Wochen in Prag mit Kassandra losgefahren sind. Kassandra, das ist die Klapperkiste, welche die Gruppe zum Ziel bringen soll; so getauft in Anlehnung an eine Attraktion im Europapark. Sieber sagt:

«Kassandra muss zwar mittlerweile des öfteren angeschoben werden, hält sich aber trotzdem tapfer.»

Dass sie seit dem Verlassen Irans wegen der schlechten Zustände der Strassen bloss noch 30 bis 40 Stundenkilometer schnell fahren kann, kommt ihr wohl entgegen. Das Fortbewegungsmittel des Trios stand wenig überraschend bereits mehrmals am Ursprung kurioser Erlebnisse.

Sieber nennt als Beispiel eine Situation in Aserbaidschan. Weil eine Sicherheitslinie überfahren worden sei, wurde die Gruppe von der Polizei angehalten. Das Bussgeld: 400 Franken. Sieber und seine Freunde schafften es schliesslich, die Busse auf 20 Franken herunterzuhandeln.

Kommunizieren mit Händen und Füssen

Später, beim Überqueren des Pamirgebirges in Tadschikistan verlor Kassandra wegen eines Schlaglochs den Auspuff. Mit Händen und Füssen habe man sich mit dem nächsten Automechaniker verständigt, den man finden konnte, sagt Sieber.

«Und der schweisst den Auspuff ohne jeglichen Schutz gleich wieder an. Für gerade einmal zehn Franken.»

Kassandra ermöglicht aber auch unzählige schöne Begegnungen. «Man fällt auf mit dem Auto», sagt Sieber. So ist das Gefährt denn auch übersäht mit Botschaften von Menschen, die das Trio unterwegs getroffen hat. Bei ihrer Reise durch die Türkei lernten sie beispielsweise einen Deutschtürken kennen, der die Gruppe spontan zu sich nach Hause einlud. Sieber und seine zwei Gefährten nahmen das Angebot an und dafür einen Umweg in Kauf.

In Turkmenistan auf Hochzeit eingeladen

Mit dem Auto outen sie sich überall sofort als abenteuerliche Touristen – und erfahren dabei viel Wohlwollen. «Die Leute haben Freude daran, dass wir ihr Land besuchen und geben uns das immer wieder mit einem hochgestreckten Daumen oder einem freundlichen ‹hello tourist› zu verstehen», sagt Sieber. Die wenigsten der Länder, die das Trio durchquert, ist Urlaubern in unseren Breitengraden ein Begriff.

Turkmenistan sei so ein Beispiel, sagt Sieber, der das Land als «extrem abgeschottet» beschreibt. Und genau in diesem Land hatten die drei Abenteurer eines ihrer bisher überraschendsten Erlebnisse. Sie waren eigentlich bereits daran, das Land in Richtung Usbekistan zu verlassen, mussten jedoch am geschlossenen Grenzübergang warten. Da wurde ein Turkmene auf die Gruppe aufmerksam – und nahm sie prompt mit auf eine Hochzeit. Sieber sagt:

«Als wir an der Feier eintrafen, wurde uns sofort Essen gereicht und wir wurden aufgefordert mit den anderen Gästen Wodka zu trinken.»

Iran nochmals eine Reise wert

Die Frage, wo es bisher den besten Alkohol gab, kann er indes nicht abschliessend beantworten. Viele der Länder, welche die drei durchquerten, sind muslimisch geprägt. Alkohol ist dementsprechend rar. So gibt Sieber keine Auskunft übers Trinken, dafür aber übers Feiern. Er sagt:

«Teheran hat eine ziemlich gute Partyszene.»

Einige Tage nach dem Aufenthalt in der iranischen Hauptstadt habe es der Zufall zudem gewollt, dass sie im selben Hotel nächtigten wie einer der berühmtesten iranischen Musiker, erzählt der Zuzwiler. Sie haben wohl schon ruhigere Nächte verbracht als diese.

Kassandra fährt ihrem Ende entgegen

Iran sei – unabhängig von seiner Partyszenen – eines der Länder, das er gerne wieder bereisen würde, sagt Sieber. «Eigentlich trifft das bereits auf die Hälfte der bisherigen Destinationen zu», sagt er, bevor er Georgien und das Pamirgebirge besonders hervorhebt.

Während Sieber bereits in die Zukunft schaut, blickt Kassandra währenddessen langsam aber sicher ihrem Ende entgegen. In Uland Ude angekommen, wird das Trio ihr Gefährt den Organisatoren der Mongol Rally überlassen. Diese werden das Automobil ins Baltikum verschiffen, wo es schliesslich verschrottet wird. Ursprünglich hätten sie zwar mit dem Gedanken gespielt, auch die Heimreise im Auto zu absolvieren, sagt Sieber. Doch gut zehn Wochen in einer Klapperkiste sind der Gruppe nun doch genug.